Für Bildung streiken?

Der Bildungsstreik.

In den letzten Jahren hat die Kampagne eine bemerkenswerte Öffentlichkeit herstellen können. Massenproteste haben sich von Wien aus über Österreich und Deutschland ausgebreitet. Unis wurden besetzt, Forderungen nach dem Abschaffen des Bachelors und Abschaffung der (wenn vorhanden) Studiengebühren gestellt und überhaupt sollte mehr für die Bildung getan werden.

Trotz guter Medienresonanz und beachtlicher Proteste in vielen Unistädten hat sich wenig getan in der Bildungspolitik. “Es wird nachgebessert” hieß es aus dem Bildungsministerium. Mit anderen Worten: “Wir hören euch zu, stellt eure Proteste ein, und wenn ihr ruhig seid, geht es weiter, wie bisher”.

Und, die Taktik hat funktioniert. Die Bildungsdemos sind kleiner geworden. Sie bestehen nur noch aus Hunderten, statt Zehntausenden. Darauf muss man als Minister auch nicht mehr hören.

Noch immer gibt es Bildungsdemos, aber die Resonanz ist dürftig. Die Demos sind klein, die Forderungen radikal und das Bündnis zu klein für wirkliche Veränderungen.

Alleine der Name “Bildungsstreik” ist grotesk. Man hätte es auch “wir gegen das Bildungsministerium und die Regierung überhaupt” nennen können. Flyer mit Texten wie “Schwarz-geld muss fallen” stehen für wenig Inhalt, sondern für oppositionelle Polemik.

Opposition ist richtig und wichtig - aber es ist eine Frage dessen, was man erreichen möchte. Entweder man macht Oppositionspolitik und kritisiert die Regierungsparteien, oder es wird für eine bessere Bildungspolitik gestritten. Ich sehe in der Bildungsstreik-Bewegung leider nur noch den oppositionellen Nutzen. Es ist ein prinzipiell kritisiertes Thema, mit der sich jede Opposition bewaffnen kann. Schade.

Die Themen der Bewegung finde ich nämlich durchaus diskussionswürdig, aber weder kann ich die Radikalität unterstützen, noch stimme ich mit allen Themen überein (10 Jahre gemeinsames Lernen hat mit den Grundwerten dessen, was Bildung eigentlich vermitteln sollte (Eigenständigkeit, Engagement, Interesse an der Welt) einfach nichts zu tun, sondern ist eine nicht durchsetzbare, plakative Forderung).

Freie Bildung ist ein ehrenwertes zu erkämpfendes Ziel, aber warum steht nur die Linksjugend ‘solid dahinter? Sowohl Grüne, als auch SPD lehnen Studiengebühren ab – aber warum sind diese nicht auch in dem Bündnis? Warum werden die Forderungen nicht auf ein umsetzbares Maß reduziert und das Bündnis vergrößert, sodass auch tatsächlich etwas umgesetzt werden kann?

Ganz zu schweigen von den irrwitzigen Maßnahmen, wie Hörsäle zu besetzen. Der Streik ist eine Methode, mit der dem Arbeitgeber massive Einbußen zukommen, sodass er handeln muss. Aber in der Hochschule? Da schadet man sich nur selbst. Hier ist jeder selbst der eigene Arbeitgeber seiner Lernerfolge. Wie kann da gestreikt werden?

Entweder habe ich etwas ganz Grundsätzliches nicht verstanden (dann bitte ich um die Klarstellung in den Kommentaren), oder der Bildungsstreik wurde zum reinen Polemik-Thema um auf die Regierung ein zu hauen. Schäde wär’s.

Kommentare

von: 9er0

Und - hatte ich ganz verplant - der Hashtag #unibrennt sagt ja alleine schon sehr genau aus, um was es geht. Es geht eben nicht mehr um eine Verbesserung, sondern es geht darum dem Unmut freien Lauf zu lassen und sich aus zu kotzen. “Alles Scheiße”. Und so.

von: Tweets that mention Für Bildung streiken? « Findling – Topsy.com

[…] This post was mentioned on Twitter by pbeccard, Gero. Gero said: Gebloggt: Für Bildung streiken? http://9er0.wordpress.com/2011/01/22/fur-bildung-streiken/ #Bildungsstreik #Bildungsdemo […]

von: WordPress am 22.01.2011 - Twitter-Aggregator

[…] schrieb: Für die Tagaktiv(ist)en nochmal: http://9er0.wordpress.com/2011/01/22/fur-bildung-streiken/ #Bildungsstreik #Bildungsdemo […]