2015



Chaos Communitcation Congress

CCC’84 nach Orion’64: “Du Darfst, [d]amit Sie auch morgen noch kraftvoll zubyten können. Offene Netze – Jetzt!” -  “ich glaub’ es hackt!”

Offene Grenzen: Cocomed zuhauf. Per Anhalter durch die Netze. Es liegt was in der Luft, [t]en years after Orwell.

“Internet im Kinderzimmer – Big business is watching you?!, Pretty Good Piracy – verdaten und verkauft?!”, [d]er futurologische Congress. Leben nach der Internetdepression: Nichts ist wahr, Alles ist erlaubt.

All Rights Reversed. Explicit Lyrics.

Hacking Is Not A Crime! Out Of Order, Not A Number!

The Usual Suspects.

Private Investigations, “Who can you trust?”

Volldampf voraus, Nothing To Hide! Here Be Dragons, We come in peace. Behind enemy lines [is] Not My Department.

A New Dawn: Gated Communities.

 


Dieser Spaß am Endgerät mit allen Mottos aller bisheriger Congresse in genau ihrer Reihenfolge, möge mir verziehen werden. Die Zeichensetzungen habe ich teilweise angepasst.



Was bedeutet es noch einem Menschen zum Geburtstag zu gratulieren?

Immer wieder sehe ich Geburtstagsgrüße in meiner Timeline.

Schnell schließen sich an die Geburtstagsgrüße weitere Geburtstagsgrüße an. Aber was bedeutet ein “happy birthday” oder “alles Gute” noch? Eigentlich ließen sich diese kurzen Gratulationen doch auch völlig automatisieren. Es ist ja nett, dass ein Kalender, Facebook oder eine vorangegangene “Alles Gute!”-Nachricht dazu animiert 3 Sekunden für eine neue Nachricht zu investieren. Aber was sagt das noch aus? Wer freut sich wirklich über diese kurzen, quasi-automatischen Nachrichten? Gratuliert ihr auch so zum Geburtstag? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

Kommentare

von: sebalis

Übrigens, wann ist eigentlich dein Geburtstag? ;-)

von: sebalis

Meine Standard-Reaktion ist Nicht-Gratulieren. Aber es gibt Ausnahmen, denn wenn ich im Laufe der Monate öfters Nachrichten schicke, in denen so etwas steht wie „Hey, in deiner Überschrift ‚Was bedeutet es noch einem Menschen zum Geburtstag zu gratulieren?‘ fehlt ein Komma nach ‚noch‘ …“, dann sollte ich doch manchmal auch etwas Nettes schreiben. :-) Das suche ich mir dann aber von Fall zu Fall aus und schreibe es meistens nicht-öffentlich. Außer wenn das Medium einen nicht-öffentlichen Weg nicht so leicht zulässt oder dieser auf diesem Medium so „intim“ konnotiert ist, dass es nicht zu der Beziehung mit der Person passt.

von: tante

Ich gratuliere nicht mehr auf Facebook etc. weil ich den Eindruck habe, damit nur die Notifications Einzelner vollzuspamen.

Es ist ja irgendwie nett gemeint, aber macht dann doch eigentlich nur Arbeit (da auf FB zu mindest das soziale Protokoll sagt, man solle sowas zu mindest Liken).

Ich bin aber auch kein gutes Beispiel, da ich meine Geburtstage nicht feiere oder ihnen Bedeutung beimesse.



Am Zweifeln zweifeln

Ich habe immer wieder depressive Phasen von einigen Stunden bis mehreren Tagen. Aber diese Phasen haben sich verändert. Und meine Gedanken haben sich verändert. Erfahrungsgemäß hilft es mir über meine Krankheit zu berichten:

 

Vor 2,5 Jahren habe ich die Diagnose “Depression” bekommen und bin in Behandlung bei einem Verhaltenstherapeuten gegangen. Damals waren es vor allem immer wieder Verzweiflungsanfälle, die Welt nicht aushalten können. Das Gefühl des Zerreißens. Vielleicht auch einiges an Weltschmerz. Wie kann die Welt nur so schlecht sein? Und wie kann ich in dieser schlechten Welt überleben? In der Phase gab es häufig den Wunsch der Flucht. Irgendwohin gehen, ganz weit weg und nie wieder kommen. Alles hinter sich lassen. Vielleicht ist die Welt irgendwo anders weniger schlecht.

Vor 1,5 Jahren ist mein Vater gestorben. Und schon im Vorfeld haben sich die teils Tage andauernden Phasen etwas verändert. Es wurde weniger Schmerz und mehr Ohnmacht. Oft ein Gefühl der Paralyse. Antriebslos, motivationslos verbrachte ich Tage im Bett. Es gab keine Fluchtgedanken mehr. Die Welt war nicht mehr schlecht, sie war mir egal. Noch immer fühlte ich mich in diesen Phasen sehr verzweifelt und war mir sehr unsicher, ob die Phasen jemals weg gehen.

Vor einem halben Jahr begann ich Citalopram, ein Anitdepressivum, zu nehmen. Vor ein paar Monaten habe ich von der Verhaltenstherapie in die tiefenpsychologisch fundierte Therapie gewechselt. Ich fühle mich besser. Noch immer habe ich depressive Phasen, aber sie treten seltener auf und fühlen sich weniger schlimm an. Vielleicht habe ich mich einfach daran gewöhnt, dass ich immer mal wieder ein paar Tage nicht die Kraft aufbringe, das Bett zu verlassen. Die äußeren Umstände haben sich etwas verändert, sodass ich nun alleine wohne und ich mit meinem Erbe keine finanziellen Existenzängste mehr habe. Geld zu haben ist ein krasses Privileg. Und es beruhigt sehr. Vielleicht ist es aber auch die Erkenntnis, dass es die schlechte Welt nur in meiner Welt gibt. Die schlechte Welt ist ein Konstrukt meiner Gedanken und Grübelschleifen. Die depressiven Phasen fühlen sich analytischer an. Ich mache mir mehr analytische Gedanken darüber, warum es mir so ergeht. Wie ich dazu komme diese schlechte Welt zu konstruieren. (Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie bearbeitet den Grund für meine depressiven Phasen - im Gegensatz zur Verhaltenstherapie, die eher Werkzeuge an die Hand geben soll, um sich selbst vor schlechten Phasen zu schützen.)

Ich habe schon immer viel nachgedacht und gezweifelt. Seit einiger Zeit nenne ich mich im Internet “Zweifeln” und seither übe ich mich bewusster im Zweifeln. Ich versuche nichts mehr als gegeben anzunehmen, sondern alles Gegebene in die Einzelteile zu zerlegen und mir die jeweiligen Gründe anzugucken, warum etwas wie ist und auf unhintergehbare Weisheiten zurückzuführen, bzw in ihre Denkkonstrukte einzuordnen und auf logische Fehlschlüsse zu überprüfen. So versuche ich auch mein Handeln immer wieder zu hinterfragen und reagiere mitunter sehr sensibel auf Kritik und denke oft noch Wochen über die Kritik nach. Dies macht das eigene Leben eher nicht einfacher.

Einerseits führt das Zweifeln zu einem ständigen Wissensdrang. Dauernd will ich Kausalketten noch weiter zurück gehen, wofür ich mich in neue Themen einlese, die wiederum Gründe haben, in die ich mich einlesen will … Andererseits generiert das Wissen in mir immer wieder auch ein Verlangen danach zu handeln und Dinge besser zu machen. Ein ständiger Drang nach Verbesserung, nach einer besseren Ethik, nach besseren Lösungen für die Welt.

In den depressiven Phasen interessiert mich das alles nicht mehr. Dann will ich das alles nicht mehr wissen. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte mich mit all den Dingen nie beschäftigt. Vielleicht wäre es besser, ich hätte nie angefangen mich mit Philosophie zu beschäftigen.

Eine Freundin sagte mir neulich “wer zweifeln kann, muss etwas haben, woran er glaubt, sonst hätte er nichts zu bezweifeln”. Mein Glaube war bisher der, dass Zweifeln (und mehr Wissen) die Welt besser macht. Vielleicht ist das aber falsch. Vielleicht ist all mein Glauben in die “Kraft” des Zweifeln ein Teil des Problems und kein Teil der Lösung. Aber wenn Zweifeln das Problem ist, was ist dann die Lösung?

Vielleicht ist das alles sehr weit hergeholt und all mein Zweifeln hat mit der Depression nichts zu tun. Der Gedanke kam mir erst am Wochenende und ich werde erst in zwei Wochen mit meine Therapeuten darüber sprechen können, aber es fühlt sich nach einem wunden Punkt an.

 

Vielen Dank an Lara für das Lektorat.



#Varoufake

Chronologisch. Vermutungen sind kursiv.

  1. Die deutsche Berichterstattung über Yanis Varoufakis ist seit der Wahl am 25.01. konfrontativ.

  2. Noch im Januar entsteht der Plan Varoufakis einen Finger anzumontieren.

  3. Am 07.02. veröffentlicht der YouTube-Kanal SkriptaTV ein Video mit Yanis Varoufakis. Der Produktion des falschen Fingers ist in vollem Gange. Das Video ist Beiwerk, um das nachvollgende Video in einen Kontext zu setzen. Es wirkt vertrauenswürdiger, wenn der Channel nicht nur ein Video zu Varoufakis hat, sondern schon vorher eins zu ihm publiziert hat.

  4. Am 12.02. ist die Produktion fertig, das Video geht online - einschließlich des Mittelfingers ab 40:29.

  5. Böhmermann produziert V for Varoufakis - am Ende kommt der Mittelfinger vor. Damit sorgt Böhmermann selbst für eine größere Bekanntheit der (gefälschten) Szene.

  6. Die Jauch-Sendung kündigt an, Varoufakis zu Gast zu haben. Fernseh-Journalist*innen kennen sich häufig. Subtil(?) wird das Finger-Video an die Redaktion der Jauch-Sendung herangetragen, um sicher zu gehen, dass es gezeigt wird.

  7. Die Jauch-Sendung.

  8. Martin Beros erwähnt gegenüber The Guardian und ab 1:25 Jan Böhmermann - nimmt ihn aber zugleich auch in Schutz. Es sei okay, einen Spaß zu machen, aber die Art und Weise wie Varoufakis geframed werde, sei nicht okay.

  9. Yanis Varoufakis twittert selbst das Video von SkriptaTV. Er (oder sein Team) hat das Video selbst nur überflogen - der gesamte Kontext wirkt echt - und ist dem Fake selbst aufgesessen.

  10. Die Veröffentlichung von #Varoufake. - der Medienhack zweiter Ordnung. Im Comedy-Style erklärt und veröffentlicht Jan Böhmermann und das Neo Magazin Royale den Medienhack erster Ordnung - und streuen subtil die Vermutung, sie hätten den Fake nur gefaked. Ganz im Sinne des “Erkläre niemals deinen Witz” haben sie einfach einen zweiten Witz aus dem Footage gemacht.

 

Den Fake halte ich für echt. Die Zeit war zu kurz, um den Fake zu faken. In drei Tagen entsteht kein derartiger Medienhack zweiter Ordnung. Konzeption, Casting, Dreh, Schnitt und Postproduktion brauchen mehr als 3 Tage Zeit. In zwei Wochen geht das sehr gut, aber nicht in 3 Tagen.

Die Videos könnten alle wahr sein. Frame-by-Frame sind die einzelnen Bilder zu undeutlich, um zu sagen, welche Version die gefilmte und welche die bearbeitete ist.

Was bleibt ist ein sehr beeindruckender Medienhack und sehr viel zerstörtes Vertrauen in Politik und Medien. In Zeiten, in denen von “Lügenpresse” geredet wird, ist es fatal mit Budget und Produktionsfirmen gegen Kollegen zu produzieren. Der Hack belastet die Deutsch-Griechischen Beziehungen. Es war ein lustiger Witz mit sehr beachtlichem Ausmaß und wenig Feingefühl für eh schon brenzlige Themen.

[Update 10:52]

2014 wurde vom Neo Magazin auch eine TV-Total-Folge gehackt. - Das macht den jetzigen Hack noch wahrscheinlicher.

Yanis Varoufakis nimmt es mit Humor und Jan Böhmermann genießt den Ruhm.

[Update 13:57]

Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. Die Indizien mehren sich, dass das Varoufake doch gefaked ist. Ich bin sehr beeindruckt von der Produktionsqualität des Neon Magazins und Jan Böhmermann. Es scheint doch in 3 Tagen entstanden zu sein und es gab viele Umstände, die den Fake sehr echt haben wirken lassen. Gut finde ich es trotzdem nicht.

[/Update]