Ragen hilft nicht

Ragen, Verb, aus dem Englischen, von “rage” (deutsch: Wut/Zorn), ist ein Tätigkeit des verbalen Wutauslassens. Häufig entsteht die Wut über eine Sachposition, wird in der emotionalen Debatte aber manchmal persönlich. Selbst wenn kein persönlicher Angriff gewollt ist, nehmen Kontrahänten es manchmal als persönlichen Angriff war.

Disputanten beginnen häufig zu ragen (in Rage zu verfallen), wenn veraltete, aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbare Positionen der Kontrahenten vehement verteidigt werden ohne auch nur ein wenig Einsicht zu zeigen. (häufiges Beispiele: Biologismus in Form von Sexismus, Homophobie, Rassismus)

Ragen ist hier oftmals als ein nahezu hilfloses “warum nur wollen Sie sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen, wenn sie sich dazu schon äußern?!?” zu verstehen. Es scheint, als würde alle wissenschaftlich fundierte Erkenntnis nicht wahrgenommen werden möchte, um den eignenen Standpunkt nicht aufgeben zu müssen. Dies führt zum (manchmal verzweifelnden) Ragen.

Besonders häufig geraget wird, wenn faktisch bevorteilte Menschen auf ihre Privilegien bestehen und dabei nicht bevorteilte Menschen (oft unbewusst) unterdrücken. Hier ist Ragen ein verzweifelter Versuch das Problembewusstsein zu schaffen. In der Eskalationsphase schließt sich häufig der Shitstorm an, wenn keinerlei Bewusstsein für die privilegierte Position erkennbar wird, wodurch eine Position manchmal aus Angst vor der größerwerdenden Öffentlichkeit zurückgezogen wird. Die Ragenden bezeichnen dies manchmal als Gewinn, denn die Sachposition (insbesondere in Parteien) oder die Werbung wurde zurück gezogen.

Wenn allerdings im Nachhinein an den Shitstorm/Rage keine ausführliche Erklärung stattfindet, halte ich es für einen Schein-Gewinn. Die beragete Person hat den Standpunkt nicht verstanden und sieht dieses Thema nun als schwieriges Thema an und meidet es. Das Problembewusstsein hat sich nicht eingestellt - und damit ist häufig eine weiter reichende gesellschaftliche Debatte über das Problem nicht möglich. Zumindest diese Person selbst wird kaum andere Menschen auf eben das gleiche Problem hinweisen.

Aus diesem Grund behaupte ich. “ragen hilft nicht”. Leider. Es bleibt: Aufklärung an alle Menschen, die sich aufklären lassen. Auch wenn Aufklären sie unglaublich viel mehr Arbeit macht, als ein kurz ragender Tweet. Hiermit möchte ich allerdings mitnichten den Ragenden irgendeinen Vorwurf machen. Sie setzen sich häufig für die richtige Sache ein und dies begrüße ich ausdrücklich!