Frauen können Politik - Beispiel: Amnesty

Frauen gehören in die Politik. Aber da sind sich wohl alle einig. Fakt ist: Es sind weniger Frauen als Männer in Parteien aktiv. Die Grünen haben eine Quote und damit mindestens 50% Frauenanteil in allen Gewählten Gremien - doch in der Partei haben aber selbst die Grünen nur 37% Frauen.

Häufig höre ich ein “Frauen können eben keine Politik” oder ähnliches. Dies zu diskutieren bin ich leid.

Anfang 2011 habe ich angefangen mich bei Amnesty International (in Freiburg) zu engagieren und schon damals ist mir der hohe Frauenanteil aufgefallen. Gefühlt waren es auch damals 2/3 Frauen - habe aber keine Zahlen, die das untermauern. Gestern nun habe ich es endlich zur Amnesty-Hochschulgruppe der HU geschafft und 11 Frauen zu 5 Männern beim Plenum gezählt. Finde ich gut. Aufgefallen ist mir auch, dass die wenigen Männer noch immer sehr präsent waren und der Sprechanteil von Mann zu Frau wohl bei der Hälfte lag. Ganz besonders ist mir aber die extrem angenehme Atmosphäre aufgefallen, die in Runden mit vielen Frauen häufig auftritt. Menschen lassen sich eher ausreden, fallen sich seltener ins Wort, Hacken weniger aufeinander ein, wenn sie Fehler machen.

Ich muss euch sagen: ich mag das.

Spannend finde ich auch, dass Amnesty, die erste mir auffallenden Organisation ist, die sich nicht explizit mit Frauen beschäftigt, das Engagement aber trotzdem mehrheitlich von Frauen voran getrieben wird. Eine Vermutung ist, es liegt an den relativ “weichen” Themen. “Menschenrechte” lassen sich selten mit einem “Ja/Nein” beantworten, es sind immer graduelle Prozesse, die in die richtige Richtung geschoben werden. Vielleicht ist es auch die relativ geringe Engagements-Hürde, die Amnesty “von Oben” durch gute Infopakete und fertige Petitionen schon vorgibt. Das bei männlich sozialisierten Menschen häufiger anzutreffende Beweisen, was sie tolles geschafft haben, fällt damit weg. “Sich beweisen, wie viele Unterschriften sie gesammelt haben” ist kein guter Beweis, wie toll man(n) doch ist.

Vielleicht liegt es auch wo ganz anders dran. Fakt ist: Frauen können Politik. Und sie machen dazu eine unglaublich wichtige Arbeit.

Kommentare

von: Jule

heiho,

ich bin auch bei amnesty (jugendgruppe) und bezüglich der ugend-/hochschulgruppenmilieus kann ich deine schilderungen total nachvollziehen. ich war allerdings letztens erst bei der jahresversammlung, und habe mich unter anderem mit leuten aus der kogruppe (koordinationsgruppe) menschenrechtsverletzungen an frauen unterhalten, die sehr eindrücklich von dem kampf um verschiedene frauenrechtsthemen innerhalb der deutschen sektion berichtet haben (zum beispiel gilt immer noch, für ganz amnesty, dass abtreibungen nur in fällen von vergewaltigung, inzest und “schwerwiegender” gefahr für die gesundheit der frau zu “entkriminalisieren” sind (also keine legalisierung). und amnesty deutschland hat sich sehr eingesetzt für striktere formulierungen u.ä.. außerdem hatte amnesty recht lange zeit null konzept zur geschlechtergerechten arbeit.) aber das ist vermutlich nur so zeug, das gerade von den älteren in der sektion stark vertreten wird, und wie gesagt, bei den jugend- und hochschulgruppen habe ich dasselbe gefühl wie du : )

von: Gero

Es ging mir in dem Blogpost auch nicht darum, ob Amnesty gute Frauen-Politik macht, sondern darum, dass dort eben viele Frauen politisch aktiv sind und dabei ganz wunderbare Arbeit leisten - ohne jedes Prollgehabe :)

Das Amnesty inhaltlich noch viele andere Punkte mit aufnehmen könnte/sollte/müsste in vielen Bereichen (wie ich es persönlich auch total super fände, wenn sie Überwachungstechnologien in ihre Waffendealsforderungen mit rein schreiben würden, (denn Überwachungstechnologien sind Waffen!)), darüber lässt sich lange streiten. Je mehr Forderungen sie formulieren, je stärker machen sie sich auch angreifbar. Irgendwann kommt immer der Punkt, wo einzelne Meinungen auseinander gehen - und je mehr Meinungen aufgenommen werden, je schwieriger wird es, allen Menschen damit gerecht zu werden ohne, anderen Menschen mit anderen Meinungen auf die Füße zu treten. Und wo Meinung anfängt und grundsätzliche Menschenrechte aufhören ist schon wieder Meinung, sodass es wirklich schwierig wird, da eine ordentliche Position zu finden. Und auch wenn ich gerne noch andere Punkte in den Amesty-Forderungen sehen würde, so bin grundsätzlich doch ganz zufrieden mit den Vorhandenen und mit Amnesty als super NGO :o)