4,26€ Stundenlohn der Enquête

Fefe hat sich über die Bezahlung der Enquête ausgelassen. Auf Twitter habe ich vor allem die “ach so gut bezahlten Sachverständigen” wahrgenommen. Dem will ich mal ein bisschen auf den Grund gehen …

Da ich selbst die Enquête eher aus der Ferne betrachte, muss ich mich darauf verlassen, was mir so zugetragen wird. Einst habe ich etwas von ca. 8.000€ pro Jahr pro Sachverständigen gehört. Alvar twitterte, dass es 681,75€/Monat seien (8.181€ pro Jahr). Als Student, alleine lebend, etc. könnte man davon leben. Nicht gut, aber verhungert würde man auch nicht. Aber darum geht es nicht …

Es geht darum, dass Arbeit bezahlt wird. Leider habe ich keine Auflistung der ganzen Enquête-Termine gefunden, von daher muss ich mich auch da auf Alvars Vermutung verlassen: 30-50 Arbeitsstunden pro Woche. (Und wenn ich mir mein nebenbei-Aktivistenleben angucke, finde ich 30-50 Stunden für das, was Alvar im AKZ macht, schon sehr wenig geschätzt.) Nehmen wir der Einfachheit wegen aber 40 Stunden. Das macht 8 Stunden pro Arbeitstag. Ein Monat hat im Schnitt 20 Arbeitstage, das macht 160 Arbeitsstunden pro Monat. Die 681,75€/160 Stunden macht einen Stundenlohn von 4,26€. Und dann überlege ich mir, dass ich als Fahrradkurrier derzeit knapp das doppelte die Stunde verdiene (und mich schon unterbezahlt fühle …).

Nun, wo genau werden da nun unsere Steuergelder verpulvert? Und warum sind Sachverständige der Enquête eig soooo dämlich diesen verdammt schlecht bezahltern Job zu machen? Ich meine, dass sind Experten … die können noch ein bisschen mehr verdienen, wie ich als Fahrradkurrier …

Kommentare

von: Lonesome Walker

Nun ja, sicher mag das wenig sein, aber es ist immerhin besser als nix, und man kann auch nebenher noch ein wenig verdienen; und schon ist aus dem wenig ein Zweiteinkommen geworden ;-)

von: 9er0

Ja, das müssen sie ja auch. Ich könnte mit nicht mal 700€ keine Familie durchbringen. Und m.W.n. tut dies auch Alvar nicht, sondern geht “nebenher” richtig arbeiten. Es geht ja auch nicht darum, wie sie überleben, sondern darum, dass sie nicht “ordentlich” bezahlt werden, sondern aus Überzeugung in der Enquête arbeiten, und zumindest ein kleiner Teil wieder gut gemacht wird.

von: L3viathan

Ohne zum Thema selbst was sagen zu können: Deine Rechnung stimmt nicht: Bezahlt werden sie ja für ihre Arbeit in der Enquete, was sicherlich nicht 30-50 h pro Woche sind, sondern weitaus weniger. Da ist der Stundenlohn dann doch höher.

von: Dave

für vernünftige Arbeit muß es auch einen vernünftigen Lohn geben, alles andere ist ganz großer Käse, schließlich arbeitet man um zu leben und nicht umgekehrt, einer der Gründe warum ich da arbeite wo man auch Geld verdient, und das ist nicht Deutschland. Der Arbeiter oder Angestellte wird bewusst kurz und dumm gehalten, dies gehört mitlerweile schon zur Firmenphilosophie, wenn ich die Margen sehe für die teilweise gearbeitet wird, mit der Begründung “ die Masse machts” wird mir ganz übel….so wird das auf lange Zeit gesehen überhauptnix

von: 9er0

Hast du dir die Berge an Arbeitspapieren mal angesehen? Wann meinst du, bereiten sich die Sachverständigen denn auf eine Sitzung vor? Meinst du etwa ein Rechtsanwalt sollte nur die Zeit bezahlt werden, die er auch im Gericht sitzt? Dann könntest du recht haben …

BTW: Wenn es eine ordentliche Auflistung aller Sitzungen gibt, bitte ich den Link in die Kommentare zu posten. Ich hätte mich auch gerne dazu geäußert, habe aber keine Ahnung, wie häufig sie sich wirklich treffen.

von: wanderer

Ich denke dass alle Sachverständigen VORHER wussen wieviel Geld sie für ihre Arbeit bekommen. Jetzt darüber zu jammern finde ich einfach nur peinlich. Jeder Einzelne hat seine Entscheidung dort mitzuarbeiten freiwillig und ohne Zwang getroffen.

von: 9er0

Es geht nicht ums jammern (außerdem bin ich selbst nicht in der Enquête … warum sollte ich also jammern?), sondern darum, dass die sich den Arsch aufreißen (und zwar freiwillig). Wenn dann ein Fefe kommt und sich auch noch drüber auslässt, dass die damit Geld “verdienen”, ist das eine Verdrehung der Tatsachen.

von: L3viathan

Ich sage ja auch gar nicht, man soll die Stunden, die sie wahrhaftig in der Enquete sitzen, zählen, ich glaube bloß nicht, dass es 30-50 Stunden pro Woche sind, lasse mich aber gerne belehren.

von: 9er0

Eine feste Arbeitsstundenzahl im Aktivistenbereich zu benennen ist extrem schwierig. Gehört das Feierabendbier dazu, bei dem mit einem Politiker aus dem Überwachungsfanatikerlager überzeugt werden soll, dass die VDS doof ist? Wie sieht das mit der FsA-Nachbesprechung aus, die Nachts um halb 2 stattfindet? Und wenn man im Bus noch eben eine Twitter-Dikussion um Netzsperren führt? Es ist kein “9 to 5”-Job, sondern einer, der immer stattfindet, wenn sich Zeit dafür aus den Rippen schneiden lässt. Letztes Jahr habe ich ne Zeit lang die FsA vollzeit mitorganisiert. Da wäre mir der ein oder andere nur 10-Stunden-Tag echt lieb gewesen … (in dem Fall hatte ich eine “Job” von 10 bis 6. Das Büro verlassen habe ich selten von 22 Uhr.)

von: wuerzbach

Ich find die 681€ auch nicht wirklich angemessenen, aber im Friseurhandwerk in Thüringen sind 4€ bis 5€ pro Stunde Tariflohn. Also lasst die Debatte. Es ist eine Aufwandsentschädigung. Und die Enquette ist auch nur das übliche Demokratietheater: die Sachverständigen haben Zugang zu Entscheidern, aber selbst kein Mandat.

von: 9er0

Es handelt sich hier aber nicht um irgendeinen zu schlecht bezahlten Friseur/Friseurin (die auch zu schlecht bezahlt werden, keine Frage), sondern um Experten, die locker das 10 bis 20 Fache in der freien Wirtschaft verdienen könnten, aber darauf verzichten. Das mit dem “Demokratietheater” sehe ich ja nicht so … aber das ist ein anderes Thema und gehört hier gerade nicht hin :)

von: archi

Hm, danke, dass das mal jemand aufgreift. Ich habe selbst ein Jahr freiwilliges, ehrenamtliches Engagement hinter mir und habe auch eine Aufwandsentschädigung dafür bekommen. Damit bin ich zwar nur auf maximal 3 Euro die Stunde gekommen, aber die Idee ist nicht “Ich mache die Arbeit um Geld zu verdienen” sondern “ich habe einen Aufwand mit meiner freiwilligen Arbeit, und in der Zeit kann ich kein Geld verdienen” (plus in meinem Fall nichts für mein Studium tun, was als Bachelor Student im 9. Semester nicht soooo cool ist). Einige sollten wirklich mal davon weg kommen, dass Aufwandsentschädigungen wie normale Gehälter zu Handhaben sind. Wenn er Geld verdienen will, dann kann er locker das 10-fache machen. Oder eben die knapp über 650 Euro mit nur wenig Arbeitsstunden die Woche. Kleine Rechnung: Bei 20 Euro die Stunde muss er etwa 32 Stunden den Monat arbeiten, also irgendwas um die 8 Stunden pro Woche. Sprich: Ein normaler Arbeitstag. Und wer sollte den Job sonst machen? Ein Datenschutzexperte, der von Facebook 5000€ im Monat bekommt? Ne Danke. So Späße haben wir leider viel zu oft.

von: VonFernSeher

Erstens ist es eine Aufwandsentschädigung, die nicht die Aktivistentätigkeit finanzieren, sondern nur den direkten Arbeitsaufwand entschädigen soll. Zweitens ist es eine Aufwandsentschädigung, die nur einen Aufwand entschädigt und keinen Lohn zahlt. Drittens ist es eine Aufwandsentschädigung, die durchaus im normalen Rahmen liegt und nicht nach unten hinausfällt.

von: Stadler

Die Sache ist eigentlich ganz einfach. Für Selbständige wie Alvar ist eine Tätigkeit in der Enquete - von dem was er für den AK Zensur völlig kostenlos macht, ganz zu schweigen - mit einem deutlichen Einkommensverlusten verbunden. Das müsste eigentlich auch Fefe klar sein, aber das ist halt kein geeigneter Ausgangspunkt für einen reißerisches Blogeintrag.

Nur für Menschen, die ansonsten vom Staat bezahlt werden (Beamte) oder professionelle Lobbyisten, für die solche Tätigkeiten ohnehin Teil ihrer Berufsausübung ist, ist ein solches Engagement im Grunde denkbar.

Umso höher muss man es jemandem wie Alvar anrechnen, dass er aus idealistischen Motiven da reingeht und unsere Interessen vertritt, Fefe basht Alvar und padeluun als gutbezahlte Sachverständige. Zu padeluun hat Fefe, nach dem Bashing noch angefügt, dass er sein Freund sei. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Es gibt hier sicherlich einiges an inhaltlicher Kritik zu äußern. Aber die Verknüpfung mit der Unterstellung, Alvar und padeluun würden sich mit ihrer Enquete-Tätigkeit eine goldene Nase verdienen, muss man im Grunde als Böswilligkeit betrachten.

von: Franzl

Ich kenne Alvars Stundensätze nicht, aber für einen vermutlich gut bezahlten Experten sind – anders als für einen Studenten – 600 € sicher vom finanziellen Standpunkt kein Anreiz, mehrmals die Woche nach Berlin zu pendeln! Wer einen Stundensatz von sagen wir mal 200 € hat, für den ist das bestenfalls ein nettes Beibrot, bedeutet aber im Endeffekt erhebliche Einkommensverluste, wie Thomas richtig schreibt. Also einfach mal im Verhältnis sehen!

von: Robert

Die Unterstellung war ja sogar, nicht nur, dass sie sich eine goldene Nase verdienen, sondern dass insbesondere padeluun sich hat seine Meinung kaufen lassen, dass er sich bei den Abstimmungen so verhalten hat, damit er weiter verdient, mit anderen Worten, dass er praktisch bestochen worden sei.

von: gendalus

Kannst du denn Beziffern wie hoch die Einkommenseinbußen sind?? Denn für Aufwandsentschädigungen weiß ich gerade nicht wie die Anrechnung sich auswirkt.

Ich will dabei gerade nicht fefe das Wort reden, da ich seine Beiträge für uninformiertes Getrolle halte, aber es wäre für die Frage, ob die Entschädigung zu hoch ist oder nicht, eine recht praktische Sache mal zu wissen was als Verdienst wirklich bleibt.

Ansonsten sollten wir uns einfach noch mal Bewusst machen, dass das System der Aufwandsentschädigung ja gerade nicht darauf angelegt ist, dass Menschen damit ihr Leben finanzieren, sondern es als eine Entschädigung für neben der Erwerbstätigkeit geleisteten (formalisiert ehrenamtlichen) Arbeit ist. Damit hinken Vergleichsrechnungen zu Löhnen für Erwerbstätigkeit immer, da diese immer im die Rechnung mit einbezogen werden müssen…

von: Leena

Lieber Gero, danke für deinen Beitrag. Du hast es schön vereinfacht dargestellt. Etwas konkreter sieht es so aus: Da die meisten Sachverständigen ja noch ein Leben neben der Enquete führen, trifft die Schätzung von 40 Stunden pro Woche nicht so ganz. Alvar hat allerdings recht damit, dass es eigentlich nötig wäre 40 bis 50 Stunden zu investieren. Da das einfach nicht drin ist, muss eben in Kauf genommen werden, dass man auf die eine oder andere Sache nicht so gut vorbereitet ist. Was jedoch eine durchaus realistische Zeiteinschätzung ist, sind etwa 25 Stunden pro Woche. Das wären nach deiner Rechnung dann etwa 6,8€ “Stundenlohn”.

Dazu kommen jedoch noch drei weitere Faktoren. 1) Die Sachverständigen haben auch Ausgaben, die teilweise nicht vom Bundestag übernommen werden. Da läppert sich ganz schön was zusammen. Deswegen wird es auch nicht als “Gehalt” bezeichnet, sondern als Aufwandsentschädigung. 2) Dieses Geld muss natürlich noch versteuert werden. Du kannst also da nochmal knapp die Hälfte von abziehen. Dann sind wir sogar unter dem von dir errechneten Stundenlohn. 3) Die Zeit, die die Sachverständigen für die Enquete-Arbeit investieren könnten sie andernorts, wie RAStadler schon schrieb, sehr viel gewinnbringender einsetzen.

Die Enquete-Arbeit ist also ein absoultes Verlustgeschäft. Selbst deine Einschätzung ist damit noch zu hoch.

Darüber hinaus halte ich es übrigens prinzipiell für eine echte Frechheit, dass immer erwartet wird, dass Leute, die für die “gute Sache” arbeiten, das ehrenamtlich tun. Immerhin müssen die auch essen und für die Rente vorsorgen. Selbst WENN, die Sachverständigen einen guten Stundenlohn hätten, wäre das nicht kritikwürdig, sondern begrüßenswert! Dass wir von diesem Trip mal runterkommen sollten, dass man für seine Aktivistenarbeit prinzipiell nicht bezahlt werden sollte habe ich in meinem Blogbeitrag über alte Mythen der digitalen Gesellschaft schon dargestellt. Warum sollen wir immer nur unsere Feinde bezahlen? Sollten wir nicht lieber mal unsere Freunde bezahlen?

von: Stinkekäse

Ich hab fefes Kritik an padeluuns Abstimmungverhalten bzgl. Netzneutralität eher so verstanden, dass er kritisiert, dass padeluun in seine Erwägungen auch seine persönliche Zukunft als FDP-Netzaktivist (drohender Rauswurf) und Politikerspielchen (spätere Abstimmung wird folgenloser sein als die nun vertagte, weil das dann “Tagespolitik” ist, somit ist die Empfehlung “im Herbst” für die Tonne, egal wie sie ausgeht; wichtiger war “Gesichtswahrung” für Koalition) mit einbezogen hat, und so zu einer Entscheidung kam, die vielleicht seine persönlichen Interessen noch etwas höher hing als die Netzneutralität (die, nebenbei bemerkt, seit gestern nun schon Geschichte ist - hat nur noch keiner so richtig realisiert, weil ja alle damit beschäftigt sind, fefe zu kritisieren, dafür dass er Säulenheilige kritisierte).

Den Herren Freude und padeluun danke ich recht herzlich für ihre Bemühungen, an einem weitergehenden Personenkult möchte ich mich aber nicht beteiligen.