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Softwareschmiede für’s WebOffice

Ich mag freie Software. Und ich mag das Internet. Lange Zeit glaubte ich, dass sich im Internet immer freie Software durchsetzen würde, denn das Web als solches ist ja frei und offen. Irgendwann hielt ich inne und merkte: das Internet, wie ich es alltäglich nutze ist in weiten Teilen nicht offen. Viele Dienste, die ich täglich nutze sind nicht offen. Twitter, Facebook, YouTube und Google mit all seinen Diensten ist nicht offen und frei, wie ich es mir wünschen würde.
Bei genauem Hinsehen ist mir dann aber auch aufgefallen, dass es für alle diese Dienste auch freie und offene Alternativen gibt. Zu fast jedem Dienst haben sich mal Idealisten hingesetzt und was offenes gebaut um nicht von den großen (quasi)Monopolisten abhängig zu sein. Und das ist einigermaßen großartig – aber leider auch nur einigermaßen.
Viele der Dienste lassen sich in viel gefrickel einrichten, aber so schön und einfach wie die Konkurrenz ist die Frickellösung selten. Meinem Vater werde ich die Alternativen vermutlich nicht erklären können (Google versteht er sehr wohl).

In der Piratenpartei gab es die Idee des “OpenLV”, des offenen Landesverbandes, die sich so ein System zum Ziel setzte. Die Ausgangslage war da, dass es in der Piratenpartei unglaublich viele offene Systeme gibt, auf denen irgendwas steht, es aber nahezu unmöglich war (und ist), bei diesen vielen Plattformen die Übersicht zu behalten. Es braucht ein System zum Informationsmanagement. Letzten Sommer entstand das Konzept Gelassenheit durch Transparenz, dass Anfang des Jahres dann zum OpenLV weiterentwickelten und ein wenige konkretisiert wurde.

Wie das in ehrenamtlichen Gruppen aber so ist, kamen von Arbeitstreffen zu Arbeitstreffen weniger Leute und passierte leider auch nur noch sehr wenig. Und schließlich kamen wir an den Punkt, dass uns klar wurde, dass wir ein so umfassendes System nicht ehrenamtlich neben der restlichen ehrenamtlichen Parteiarbeit, bezahlter Arbeit und ggf. Studium durchziehen können. Das ist ein so umfassendes Projekt, dass es von einer ehrenamtlich arbeitenden Partei unmöglich gestemmt werden kann. Es braucht dafür gute Entwickler, die sich Vollzeit darum kümmern können, damit so ein System auch in absehbarer Zeit entsteht.

Der OpenLV wurde abermals umgenannt in OpenOrga und Katja hat auch mal die Domain openorga.net registriert. Seit meinem Rücktritt habe ich wieder deutlich mehr über das Projekt nachgedacht und es ist mir zu wichtig, um es nicht zumindest zu verbloggen. Und eigentlich habe ich wirklich Lust eine Softwareschmiede zu gründen, die sich freie und coole WebOffice-Tools baut – und Mitarbeiter ordentlich bezahlt. Was fehlt ist die Idee, woher das Geld zum Bezahlen kommt, also der Businessplan. Und Leute, die was vom Softwareschmieden verstehen und mitmachen wollen, auch wenn etwas ungewiss ist, was dabei heraus kommen mag. Aber vielleicht gibt es ja Menschen, die da wirklich mitmachen wollen und wir setzen uns einfach mal zusammen und gucken, was wir da tolles draus machen können. Wer an einer coolen Softwareschmiede mitarbeiten will oder noch super Hinweise hat, bitte melden!

Anti-Überwachungsdemo am 27.4. in Berlin

[Update]
Die Demo für den 27.4. ist abgesagt.
Am Montag auf dem Bündnistreffen im Haus der Demokratie waren wir konsensual der Meinung, dass für die kurzen Zeit (bis Samstag) sich zu wenig Leute in die Demoorga hängen und haben sie deshalb abgesagt. Die Arbeitsbelastung für die wenigen ist über die kurze Zeit zu hoch und es ist nicht absehbar, dass die Demo am Samstag größer/bedeutender werden würde, als die am 14.4.

Das Bündnis möchte aber explizit weiter aktiv bleiben und sich auf dem 1.6. konzentrieren, an dem Anonymous den “International Day for Privacy” ausruft und eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor geplant ist. Weitere Koordination geht über die Berliner AKV-Liste (abonniert die bitte, wenn ihr mithelfen wollt) und über ein Teampad (auch da dürft ihr euch gerne einen Account klicken und ich werde den dann schnellstmöglich bestätigen). Ansprechpartner für Organisatorisches ist Holger (h.werner [at] clof . eu), Pressearbeit übernehme (vorerst) ich.
[/Update]

Am Sonntag war die BDA-Demo mit etwa 250 Teilnehmer*innen zwar recht klein, aber die Stimmung war super :) Und aus der guten Stimmung heraus entschlossen wir uns, den nächsten BDA-Demo-Termin am Samstag, 27.4. auch wahr nehmen zu wollen.

Um vor allem um coole Aktionen zur Demo zu planen und etwas vorbereiteter in die nächste Demo zu gehen, wollen wir uns nächsten Montag, 22.4. von 17.00 Uhr bis 20.00 Uhr wieder im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, Raum 1209 (2. Hinterhof, 2. OG und dort klingeln). Der Termin kam gerade bei einem Telefonat mit Holger von clof zusammen, die uns unterstützen und die den Raum stellen um parteiübergrifend Politik machen zu können.

Auf der Demo fehlten leider coole Banner … wo liegen denn die vielen über die Jahre selbstgemalten FSA-Banner? Wenn wir sie nicht wieder finden, lasst uns am kommenden Wochenende doch einfach ein paar neue malen! Das Wetter ist super, und Banner lassen sich ganz super im Park malen :)

Weiter brauchen wir ne coole Demo-Route (die von Sonntag fand ich ziemlich gut, aber ich mag ungern die selbe wieder nehmen :) ) und einen Demoanmelder. Aus Überparteilichkeitsgründen fände ich es ziemlich spitze, wenn Anmelder jemand ohne Parteibuch, oder zumindest jemensch außerhalb der Piraten tun könnte. Wenn sich niemand findet, kann ich das auch machen, aber ich hätte gerne ein Setting, in dem sich auch DigiGes, CCC, Grüne und Linke wohl fühlen :)

Lasst uns einen kreativen Protest haben und verteilit die Infos bitte weiter, mit dem Hinweis, dass die Berliner AK-Vorrat-ML die Koordinations-ML ist. Hier kann mensch sich darauf subscriben.

Netzneutralitätskampagne

Ich mache Politik, weil ich eine Lebenswelt verbessern möchte. Meine Lebenswelt besteht zu einem großen Teil aus dem Netz, darum mache ich Netzpolitik. Zudem ist das Internet die krasseste Entwicklung, die ich mir vorstellen kann und es völlig absurd finde, sich gesellschaftlich nicht darum zu kümmern.

Die letzten Monate, vlt sogar Jahre kamen wir, die wir an der Netz-Lebenswelt arbeiten, immer wieder ins Hintertreffen. Wir, die wir das alle ehrenamtlich nebenbei und ohne Geld machen und von Webseiten und Klick-Aufträge daneben leben, wir haben nicht die Möglichkeiten, uns auf die Schlachten derer einzulassen, die unsere Lebenswelt verkaufen, vermarkten oder zerschlagen wollen. Aber genau das haben wir die letzten Monate und Jahre immer wieder versucht.
Wir haben versucht die konservative Maschinerie von alten Verlagen, konservativen Parteien und den alteingesessenen Machtstrukturen auf ihren Gebieten zu schlagen.
Ich bin sehr glücklich, dass es so Organisationen wie die DigiGes gibt, die massiv an einer besseren Welt arbeiten. Danke dafür! Das gute: die DigiGes nimmt immer wieder die hochgradig kaputten Initiativen konservativer Machenschaften auseinander und sagt, wie diese in gut aussehen würde. Das schlechte: die DigiGes nimmt immer wieder die hochgradig kaputten Initiativen konservativer Machenschaften auseinander und sagt, wie diese in gut aussehen würde.

Die DigiGes hat sich auf das politische Klein-Klein eingelassen, wie es nur von der Piratenpartei übertroffen wird. Die meint, auf jede Äußerung eines beliebigen Gegners eine nahezu nichtssagende PM zu schreiben. Dieses politsche Klein-Klein ist wichtig und gut. Die PMs sind wichtig – aber sie verändern unsere Welt nicht. Sie sind kein Auslöser, sie machen die Welt nicht besser, sondern sind Standardantworten, die in den Machtkalkulationen mächtiger Menschen in diesem Land eingeplant sind.

Was wir aber neben all dem Klein-Klein vergessen haben, ist das, warum wir den Scheiß eigentlich machen. Die bessere Welt. Lasst uns endlich klar machen, was wir eigentlich wollen – und zwar ganz abseits von dem ganzen tagtäglichen Klein-Klein. Lasst uns wieder auf die Straße gehen und fordern, wie die Welt aussehen soll! Lasst uns unsere Leben leben, ohne uns vom nächsten kaputten Gesetzentwurf aus der Fassung bringen zu lassen!

Ich glaube, dass die wirklich große Debatte sich an der Netzneutralität entzünden wird – wenn wir sie gut angehen. Datenschutz, Netzsperren (wie auch das LSR) sind prinzipiell Verteidigungskämpfe. Wir sagen in den Debatten seit Jahren , was wir nicht wollen. Wir müssen aber wieder auf die Straße gehen und sagen *was* wir wollen!

Lasst die Sandförmchen weg und bewerft euch nicht mehr gegenseitig, sondern bewerft wieder die, die unsere Welt wirklich kaputt machen wollen!
Ich will wieder eine Bewegung wie es die “Freiheit statt Angst”-Bewegung war. Ich will eine Initiative, die sich nicht an Vereins- und Parteistrukturen hält. Ich will eine Bewegung, wo es egal ist, ob einzelne Akteure sich bei der SPD bei Google oder der der DigiGes engangieren. Ich will, dass das Netz frei ist und ich will, dass es unabhängig ist.

Das Netz ist eine so unglaublich krasse Veränderung alles bisher dagewesenen, dass die Folgen sich nicht abschätzen lassen. Und ich bin überzeugt davon, dass wir für eine freie Gesellschaft freie Kommunikation brauchen und fordere deshalb die Netzneutralität!

Ich habe die letzten beiden FSA-Demos mitorganisiert, ich weiß wie das geht und ich will das wir das wieder tun und werde deshalb Unterstützer für eine Netzneutralitätskampagne suchen! Bitte helft mir bei dieser Kampagne!

Urheberrechtsbarcamp

Die Akteure der Urheberechtsdebatte hören sich nicht zu. Wer sich nicht zuhört, kann auch keine gemeinsame Lösung finden.
Um einen Dialog zu versuchen, ist ein Urheberrechtsbarcamp in Wien geplant, zum kollektiven Brainstorming auf der Suche nach einer Lösung, mit der Verwertungsgesellschaften und Immaterialschaffende zufrieden sind, ohne “unser” Internet kaputt zu machen.
Die Planung für das Urheberrechtsbarcamp findet im Etherpad statt, und es gibt einen Termin-Doodle um einen Termin für das Barcamp fest zu machen.

Tragt euch ein und beteiligt euch – und vor allem: ladet Vertreter der Verwertungsgesellschaften, Kreativschaffende ein, sowie alle anderen, die vom Urheberrecht betroffen sind/leben.

Eine Urheberrechtslösung mit der alle glücklich werden, lässt sich nur gemeinsam finden.

Vom Urheberrecht zur Urheberanerkennung

Auf SpOn hat mspro Steile Thesen vorgelegt und auf seinem Blog noch ein wenig berichtigt.

Frei zusammengefasst schreibt er: “Das Urheberrecht gehört abgeschafft, weil im Internet immer kopiert wird.” – und der Begründung kann ich nicht widersprechen. Ob die Abschaffung aber die richtige Folgerung daraus ist, bezweifele ich. Aber mal langsam:

Das Urheberrecht entstand aus dem Patentrecht, welches entwickelt wurde, damit Menschen die unglaublich viel Zeit (und Geld) in die Entwicklung von Ideen (Erfindungen, Geschichten, Bilder, Filme, Musik …) stecken, nicht leer ausgehen – für den Fall, dass eine andere Person kommt und ihre Ideen kopiert um sie dann selbst zu vermarkten (weil die andere Person möglicherweise besser vermarkten kann).

In Zeiten, in denen jeder Mensch arbeiten muss, damit er sich Nahrung kaufen kann und an der Gesellschaft teilhaben kann, war es zudem ein Mittel zum Lebensunterhalt verdienen. Da wir diese Zeit aber gerade überschreiten (in der Menschen sich mittels Technik selbst ihre Arbeit “zerstören”), müssen wir auch in der Urheberrechtsdebatte zurück auf Null und von Vorne beginnen.

Es geht um die Frage der Anerkennung einer anderen Person (oder Gruppe) gegenüber, die großartige Immaterialien geschaffen haben. Ein Tischler, der Schränke baut, baut Schränke, die er dann verkaufen kann (in der Theorie …). Das derzeitige Urheberrecht gibt Schriftstellern, die einen Roman schreiben, das gleiche Recht – was nun obsolet wird, weil der Inhalt quasi Kostenfrei kopiert werden kann (bis Makerbots Schränke drucken dauert das noch ein wenig). Nicht obsolet ist aber die Anerkennung für das Werk, welches Geschaffen wurde. Der Tischlerin danken wir indirekt, indem wir den Schrank kaufen und sie damit bezahlen.

Wie aber danken wir den Schriftstellern? Das ist die Frage nach der Anerkennung – und da müssen wir von vorne beginnen uns ein Modell auszudenken, wie wir uns in angemessener Form bedanken können.
Die (ebenfalls von mspro eingeworfene) Idee “warum geben wir den künstlern nicht einfach geld?” basiert auf dem Prinzip, dass Kreative sich auch selbst vermarkten – was sie häufig aber gar nicht tun wollen – und daher ja die Verwertungsgemeinschaften geschaffen haben (die uns nun zu einem so großen Problem sind). Wenn sich Kreative nicht selbst vermarkten, braucht es immernoch ein gesellschaftliches Anerkennungsmodell um sich von der Tischlerin nicht vorwerfen lassen zu müssen, sie würden nichts tun und der Gesellschaft nichts zurück geben.

Flattr ist ein solches Anerkennungsmodell, da es vor allem zählt, wie viele Menschen sich wofür bedanken und damit die Arbeit anerkennen. Das es bei Flattr “auch” um Geld geht, halte ich für ein zweitrangiges Feature. Damit es aber wirklich funktioniert, müsste jeder Flattr nutzen und wir auch alles Flattrn können – was de facto nicht geht. Aber vielleicht kommen wir da ja noch hin (und wenn es nicht Flattr ist, vielleicht ein anderer Dienst, der sich noch entwickelt).

Die Frage nach dem Lebensunterhalt stellt sich nicht “nur” bei den Kreativen, sondern auch bei allen Menschen, die durch den technischen Fortschritt keine Arbeit mehr haben und muss auch aus diesem Ansatz heraus angegangen werden. Das Urheberrecht dafür zu “missbrauchen” kann das Problem nicht lösen.

Liste: Straftaten im Internet

Heute gab es mal wieder eine VDS-Diskussion auf Twitter. Alle waren sich einig, die Vorratsdatenspeicherung ist doof. Bei der Definition, wo die Vorratsdatenpeicherung anfängt und wo sie aufhöhrt, war man sich dann schon nicht mehr so einig.

Seit Jahren wird Alvar Freude immer wieder ins Kreuzfeuer genommen, da er laut Kritikermeinung die “IP-VDS” fordere. (An dieser Stelle der wichtige Hinweis, dass Alvar nicht “umgefallen” sei. Er fordert die IP-Speicherung, seit dem ich ihn kenne!)

In der heutigen Diskussion ging es mal wieder um genau diese IP-Speicherung. Ob man sie braucht, oder nicht. Ob sie gut ist, oder nicht. Ich bin ein Gegner der Vorratsdatenspeicherung, einschließlich der IP-Speicherung – allerdings gibt es selbstverständlich auch gute Argumente für die systematische Speicherung von IPs.

Ich hoffe, ich tue Alvar nicht unrecht, wenn ich ihn zusammenfasse mit: “IP-Adresse sollen gespeichert werden für die Strafverfolgung – also für all das, was juristisch die “Straftat” erfüllt”. Die Twitterdiskussion kann man nachlesen. Ich finde es richtig, dass Straftaten verfolgt werden. Und ich frage mich, was an Straftaten im Internet geschehen können und möchte sie daher hier mal sammeln.

Ich bin kein Jurist und werde mit Sicherheit eine ganze Reihe vergessen. Daher bitte ich weitere Straftaten im Internet in den Kommentaren zu posten, damit ich diese hier updaten kann. Mit der Liste kann man vielleicht verdeutlichen, um was es eigentlich geht. Was für Hürden es braucht, um an die Daten heranzukommen, wenn die IP-Speicherung (wieder) aktiv ist, aber auch, wofür sie gut sein kann.

Mir fällt spontan ein mit Update (2.):

  • Betrug (z.B. auf falschen Namen bestellen)
  • Verleundung
  • Beleidigung
  • üble Nachrede
  • Aufforderungen zu Straftaten (sind selbst auch eine Straftat)
  • Diebstahl (Konto cracken)
  • Diebstahl “geistigen Eigentums” – Alvar merkt an, es handele sich (immer?) um Urheberrechtsverletzungen.(
  • Verbreitung Kinderpornografischen Materials
  • Plagiieren
  • Kreditkartenbetrug
  • Stalking
  • Missbrauch der “Meinungsfreheit” für Leugnung des 3. Reichs u.ä.
  • Mordaufrufe
  • Mailaccounts / digitale Identitäten hacken. (Digitaler Landfriedensbruch?)
  • Diebstahl wichtiger Informationen (Daten nur in Cloud gespeichert – Account gehackt, daten kopiert und Orginale gelöscht)
  • Bombendrohungen

Update:
Hier fehlt ein ganz essentieller Punkt, auf den mich fasel aufmerksam gemacht hat (und ich vorher vollkommen verdrengt), denn es fallen hier natürlich auch alle Morde, Vergewaltigungen, Raubmorde, schwerer Diebstahl … rein, die irgendwie mit über das Internet geplant wurden – oder wie im Mord, wo der Täter das Opfer im Internet kennengelernt hat. Da wäre die gespeicherte IP-Adresse natürlich auch seeeehr hilfreich, wenngleich wohl kaum das einzige Spur. Sollte dies doch so sein, so wäre eben diese Spur mit der IP-Adresse verloren gegangen. Das ist sehr wohl ein gutes Argument für Alvars Standpunkt, wenngleich die Frage bleibt, ob damit der “Generalverdacht” im Verhältnis steht. (Und Alvar argumentiert weiter mit der geringen Eingriffstiefe der IP-Speicherung im Vergleich zur Handyortung.)

(Sollte ich Alvar noch immer sinnentstellend zitiert haben, bitte ich ihn, doch selbst was zu bloggen, dass ich dann selbstverständlich verlinken werde ;-) )
Alvar hat selbstverständlich häufiger dazu gebloggt – daher verweise ich einfach auf sein Blog als solches, da sind mehrere Artikel dazu.

Kontrollverlust ist kein Urteil, sondern eine Aufgabe

Der Urvater des Kontrollverlusts, @mspro, hat sein Bild des Kontrollverlustes mal in der c’t beschrieben. An diesem Bild, dass man nicht mehr Herr seiner Daten ist, möchte ich anknüpfen.

Für die Spackeria ist es ein Anlass über eine Gesellschaft zu spekulieren, die ohne Privatsphäre besser wäre, was ich (unter Berücksichtigung der Informationellen Selbstbestimmung) auch gut finde. Nun aber soll es um den Kontrollverlust selbst gehen – und dem Umgang mit ihm. Viel zu häufig wird er als Urteil erkannt und erklärt, man könne daran nichts ändern. Diese Haltung klingt für mich nach einer Kapitulation vor den eigenen Aufgaben. Wir – als “Netzgemeinde” (diese Gemeinde als solche gibt es nicht) – können doch nicht diejenigen sein, die von dem Rest der Welt verlangen, dass sie vor dem Internet kapitulieren müssen. “Wir” sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir mit dem Internet umgehen können, ohne alle Kritiker sofort zu verscheuchen. Wir wollen das Internet – dann sollten wir uns auch Gedanken darüber machen, wie wir es am verträglichsten mit der Gesellschaft kombinieren können.

Der Kontrollverlust ist kein Urteil, sondern eine Aufgabe, wie wir mit den neuen Möglichkeiten umgehen wollen. Wie sehr wir einander achten und Rücksicht auf einander nehmen. Wenn wir wollen, dass die Mehrheitsgesellschaft im Internet angstfrei bewegt, dann müssen wir ihr Schutzräume bieten. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, ob es wirklich in Ordnung ist, alles sofort zu veröffentlichen. Vielleicht sollten wir wieder über eine Moral nachdenken – eine Moral, die uns Werkzeuge in die Hand gibt, zu entscheiden, was offen im Web stehen muss, und was auch auf nicht-öffentlichen Mailinglisten oder Foren gepostet werden soll. Wir sollten uns überlegen, wie wichtig die Anonymität ist, um gesellschaftliche Prozesse lostreten zu können. In der Anonymität kann man sich selbst testen, ausprobieren, spielen, um zu erfahren, ob etwas auch für das öffentliche Leben taugt. Anonymität ist wichtig, um erste Erfahrungen zu sammeln, um in einer öffentlichen Debatte schon zu wissen, über was man überhaupt spricht. Sie ist keine Dauerlösung, aber ein dauerhafter Schutzraum.

Unsere Aufgabe ist es, die Gedanken zu entwickeln, die für unser Gemeinwohl wichtig sind, in dem die ganze Gesellschaft in der erweiterten Realität des Internets angekommen ist. Und wir brauchen Werkzeuge für die Nachzügler, damit sie uns nicht unterlegen sind. Datenschutz ist ein altes Werkzeug für Minderheiten. Sollte der Datenschutz im Kontrollverlust unter gehen, so brauchen wir ein neues Werkzeug, damit Minderheiten sich schützen können. Dieses Werkzeug sehe ich in dem Schutzraum der Anonymität und Pseudonymität, sowie in einer Moral, nach der wir entscheiden, was veröffentlicht wird. Die Moral aber, muss noch entwickelt werden, auch wenn es gute Ansätze wie die Hackerethik schon gibt.
Das, liebe Spackeria, ist die eigentliche Aufgabe.

Im offenen Geist liegen Datenschutz und post-privacy dicht zusammen

Auf der OpenMind, einer von Piraten organisierten Konferenz gibt es die Zeit, die im Alltag so häufig fehlt: mal nachzudenken – über das, was wir so machen und wo es hin führt. Und, wo es hinführen soll mit dem Internet. Viele “Vertreter” der Spackeria habe ich dort getroffen – und nur wenige Datenschützer. Nun waren zeitglich die Datenspuren vom CCC in Dresden, sodass es sich die Netzgemeinde möglicherweise ein bisschen aufgeteilt hat in “Spackos” und “Datenschützer”. Nun war ich als “Datenschützer” auf der OpenMind und irgendwie gezwungen den Spackos zu zuhören. Das war gut.

Im “Menscheln”-Barcamp-Slot ging es darum Menschlichkeit zu zeigen. Es fühlte sich etwas nach Selbsthilfegruppe an “wir reden über unsere Probleme und stellen fest, dass ganz viele Menschen Probleme haben”. Das war es, was einen Denkprozess in mir ausgelöst hat. Schon seit Jahren spricht @plomlompom davon, dass die Gesellschaft besser werden würde, wenn alle alles wissen würden. Er hält es für eine Utopie, ich hielt für eine Dystopie.
In der Metadiskussion ging es um das Erzählen von Problemen an sich. Problemen erzählen hilft. Das Problem wird in Worte gepackt – und dadurch kann man daran arbeiten. Es lässt sich “greifen”. Den Zuhörenden hilft es, einen Einblick in andere Personen zu bekommen – und auch Probleme von sich selbst zu erzählen um sie packen und lösen zu können. Dafür braucht es ein gewisses Vertrauen – und um eben dieses geht es.
Sich zu “öffnen” ist ein gewisser Prozess, den man häufig nur in einer vertrauten Runde angehen kann. Manchmal nicht einmal da – und spätestens dann wird ein Psychologe hilfreich, der das Handwerk gelernt hat, Menschen erzählen zu lassen.
Aus der Sicht der Allgemeinheit können Zuhörende auch etwas davon haben, dass sie zuhören. Sie können die Gesellschaft als das fassen, was sie ist: krank. Depression zum Beispiel ist längst zur Volkskrankheit geworden – aber niemand spricht drüber. Dieses Schweigen ist es, dass jedem vorschreibt, nicht “krank” zu sein. Keine Schwäche zeigen, denn andere haben ja auch keine “Schwächen”.
Fraglich aber ist, ob diese “Schwächen” überhaupt Schwächen sind, wenn wir es schaffen, zu ihnen zu stehen. In dem Moment des Öffnens verschwindet die angreifbare Stelle. Wenn allgemein bekannt ist, dass der Herr Nachbar gerne rote Kleider trägt, verliert es sein Drohmoment. So lange nur der beste Freund davon weiß, ist es eine potentielle Drohung, dass der Chef das mitbekommen könnte – was viele Menschen wiederum beschäftigt und Teil der Gesellschaftskrankheit wird.
Datenschützer erklären häufig vereinfacht: “schreibe keine eigenen Schwächen ins Internet, denn das ist gefährlich”. Dieser Ansatz ist es, der von der Spackeria angegriffen wird, denn man selbst sollte doch selbst entscheiden können, was man veröffentlicht.
Dreh- und Angelpunkt bleibt dabei die informationelle Selbstbestimmung, denn es ist durchaus eine gewisse “Stärke” von Nöten, um auf seine “Schwächen” angesprochen zu werden und entsprechend darauf reagieren zu können. Wer diese Stärke nicht hat – oder keinen positiven Nutzen darin sieht, Dinge über sich zu veröffentlichen (und wenn es nur das Angst nehmen von anderen Menschen, sich auch zu öffnen) sollten dies auch nicht tun müssen. Dies wiederum leitet sich aus der Handlungsfreiheit des Einzelnen ab. Und Freiheit ist gut.

Damit liegen Datenschutz und Spackeria gar nicht so weit entfernt. Und immerhin hat mir auch der @mspro erklärt, er hätte Geheimnisse, sodass auch klar sein dürfte, dass dieses “alle müssen alle Daten veröffentlichen” eher ein advocatus diaboli ist, um überhaupt einen Diskussionsraum zu eröffnen – ganz nach dem Namen der Konferenz: Open (your) Mind!

4,26€ Stundenlohn der Enquête

Fefe hat sich über die Bezahlung der Enquête ausgelassen. Auf Twitter habe ich vor allem die “ach so gut bezahlten Sachverständigen” wahrgenommen. Dem will ich mal ein bisschen auf den Grund gehen …

Da ich selbst die Enquête eher aus der Ferne betrachte, muss ich mich darauf verlassen, was mir so zugetragen wird. Einst habe ich etwas von ca. 8.000€ pro Jahr pro Sachverständigen gehört. Alvar twitterte, dass es 681,75€/Monat seien (8.181€ pro Jahr). Als Student, alleine lebend, etc. könnte man davon leben. Nicht gut, aber verhungert würde man auch nicht. Aber darum geht es nicht …

Es geht darum, dass Arbeit bezahlt wird. Leider habe ich keine Auflistung der ganzen Enquête-Termine gefunden, von daher muss ich mich auch da auf Alvars Vermutung verlassen: 30-50 Arbeitsstunden pro Woche. (Und wenn ich mir mein nebenbei-Aktivistenleben angucke, finde ich 30-50 Stunden für das, was Alvar im AKZ macht, schon sehr wenig geschätzt.) Nehmen wir der Einfachheit wegen aber 40 Stunden. Das macht 8 Stunden pro Arbeitstag. Ein Monat hat im Schnitt 20 Arbeitstage, das macht 160 Arbeitsstunden pro Monat. Die 681,75€/160 Stunden macht einen Stundenlohn von 4,26€. Und dann überlege ich mir, dass ich als Fahrradkurrier derzeit knapp das doppelte die Stunde verdiene (und mich schon unterbezahlt fühle …).

Nun, wo genau werden da nun unsere Steuergelder verpulvert? Und warum sind Sachverständige der Enquête eig soooo dämlich diesen verdammt schlecht bezahltern Job zu machen? Ich meine, dass sind Experten … die können noch ein bisschen mehr verdienen, wie ich als Fahrradkurrier …

Was genau ist Datenschutz?

Der Datenschutz hat sich lange vor der Privatsphären-Diskussion á la Facebook, Google und co gebildet. Er hat sich auch nicht aus Angst um die “Privatsphäre” gebildet, sondern aus Angst vor der technischen Fremdbestimmung. In den 80ern waren KI-Forscher (Künstliche Intelligenz) deutlich euphorischer als Heute und verkündeten, dass in 10 Jahren Computer das selbe könnte, wie Menschen. Es gab den Turing-Test und dieser sollte innerhalb von 10 Jahren bestanden werden. Heute, 30 Jahre später, hat es noch immer keine Maschine geschafft diesen Test zu bestehen.

Mit der Angst vor diesen denkenden Maschinen kam der Datenschutz auf. Damit hat Julia Schramm recht, wenn sie behauptet, Datenschutz ist sowas von Eighties. Damit aber war nicht der Schutz der Privatsphäre vor anderen Menschen, sondern vor der Maschine gemeint…

Heute nun, sind wir deutlich weniger euphorisch, was die denkende Maschine angeht. Es gibt zwar einige interessante Ansätze, wie die Künstlichen Neuronalen Netze, allerdings gibt es auch gute Gegenargumente, wie das Chinesische Zimmer von John Searle. Das Chinesische Zimmer zielt darauf ab, wie Semantik in der syntaktischen Funktionsweise eines Computers möglich ist. Wie der Computer es schaffen kann ein Bewusstsein zu bekommen – was sehr schwer werden dürfte. Searle behauptet, es funktioniert nicht. Ich bin da auch seeeehr skeptisch (denn so viel ich vom Gehirn verstanden habe, ist es doch deutlich komplexer als jede technische Struktur).

Festhalten lässt sich, dass wir zwar zunehmend mehr mit Technik und Computer arbeiten (und in 10 Jahren noch viel mehr als heute), doch wird der Computer so schnell noch nicht für uns denken. Er wird noch immer nur machen, was wir von ihm verlangen – allerdings gibt es eine neue Macht. Die Macht des Algorithmus. Wir nutzen mehr und mehr Algorithmen, ohne zu verstehen, wie genau diese funktionieren. Wir vertrauen den Algorithmen und hoffe, dass sie das machen, was wir von ihnen wollen. Sicher sein können wir uns dabei allerdings nicht.

Das ist der Punkt, wo der Datenschutz heute greift. Wer nicht weiß, was mit ihm (und seinen Daten) passiert, geht im Allgemeinen eher vorsichtig vor. Das passt im Allgemeinen zu der vor-digital-natives-Generation. Wir alle kennen Menschen, die ohne Internet aufgwachsen sind und diese haben eine unglaubliche Angst davor, überhaupt irgendwo etwas ins Internet zu schreiben. Da gibt es kein Facebook, kein Twitter und erst recht kein Blog.

Der Großteil der digital-natives hat aber auch keine Ahnung, wie die Algorithmen selbst aussehen, bilden sich aber ein, das Internet “verstanden” zu haben. Als einer dieser, sehe auch ich mich. Wir meinen zu wissen, was auf Facebook passiert und schreiben da freiwillig rein – allerdings mit einer Intention. Wir “wollen” Nachrichten über uns verbreiten und uns mitteilen. Um mit Freunden noch in Kontakt zu bleiben, bleibt kaum eine andere Möglichkeit, als social networks zu nutzen. Die Zeit dreht sich schneller – wir leben in einer so kras beschleunigten Welt, dass wir uns nur noch digital verabreden können. Früher ist man einfach zu seinen Freunden gegangen und konnte was zusammen machen. Heute treffen wir unsere Freunde doch gar nicht an, wenn wir vor deren Tür stehen. Dafür sind wir zu viel unterwegs. Daher, so mutmaße ich, kommt es, dass wir uns immer mehr digital unterhalten und social networks nutzen.

Der heutige Datenschutz soll genau dieses ja auch nicht unterbinden, sondern sicher stellen, dass wir nur das, was wir mit Freunden austauschen wollen, auch austauschen. Der Datenschutz soll zum einen das Profil unterbinden, dass die Algorithmen von uns erstellen (und damit Macht über uns ausüben, weil sie (so lange wir nicht genau wissen, was die Algorithmen machen) bestimmen, was wir zu sehen bekommen und was nicht. So lange es nicht unsere eigenen Filter sind, sind es fremde Filter, die vor allem eins wollen: Geld.

Dieser Datenschutz wehrt sich gegen die Vorratsdatenspeicherung, den Facebook-like-button und Google. Hier sehe ich auch bei Datenschutzkritikern durchaus parallelen.

Das, was es aber auch gibt, ist der Datenschutzfundametalismus. Es solle kein Häuserfront im Internet auftauchen und man traut es sich auch nicht, überhaupt irgendwo was hin zu schreiben. Die Angst vor den Party-Kotze-Fotos. Hier allerdings kann man es gut runterbrechen auf das “Jeder stellt das von sich ins Netz, was er da haben will”, die informationelle Selbstbestimmung.
Weshalb aber auch dieser Ansatz mit dem Technikdeterminismus negiert wird, verstehe ich nicht. Wie oben schon (anhand der KI) aufgezeigt, gibt es viele Vorstellungen von der Technik, die nicht eingehalten werden. Technik hat Grenzen. Technik schafft es nicht *alle* Informationen allen verfügbar zu machen. Wird sie auch nie. Die Informationen müssen eh noch immer von Hand der Technik zur Verfügung gestellt werden – dann kann man sich auch im Miteinander einigen, dass jeder nur das einstellt, was ihn betrifft. Der Rest kommt einfach nicht rein (oder wird gepixelt). Beim (materiellen) Eigentum funktioniert es ja auch. Nur weil es möglich ist ein Fahrrad zu klauen tue ich es nicht. Man nennt sowas eine “Ethik” und diese Ethik funktioniert so weit sehr gut im Netz. Sie könnte besser funktionieren – und sollte es auch – aber sie funktioniert, wie es auch funktioniert, dass angeschlossene Fahrräder nicht geklaut werden – auch wenn man das Schloss (technisch) knacken kann. Es passiert doch nur sehr selten.