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#rp17 – ein Rant

Ich fühle mich der re:publica verbunden. 2010-2014 war ich immer da. 2015 habe ich ausgesetzt, 2016 war ich zur Abschlussparty da. 2017 war ich Dienstag für zwei Stunden da und fand es unerträglich. Wie auch einen Großteil der Dinge die ich online von der diesjährigen re:publica mitbekommen habe.

Bisher verstand ich die re:publica als Vernetzungsort für Blogger*innen und Netzaktivist*innen.

Der Netzaktivismus die letzten Jahre hat sich verändert – schon lange gibt es keine großen Demonstrationen mehr gegen neue Überwachungsvorhaben. Die Vorratsdatenspeicherung, die lange erbittert bekämpft wurde, wurde 2015 fast protestlos wieder eingeführt.

Blogs haben an Stellenwert verloren. Einige Blogs haben sich professionalisiert, werden vermarktet und können den Blogger*innen ein Einkommen generieren (mittels Werbung, bezahlter Vorträge, Buchverträgen, Spendenkampagnen etc.).
Quasi alle Zeitungen haben inzwischen auch Onlineportale. Es gibt kaum noch einen Grund, in seiner Freizeit ein Blog zu schreiben.
Was früher vor allem ein Hobby war, ist inzwischen ein Job geworden.
Menschen, die noch immer nur hobbymäßig ins Internet schreiben, gibt es so viele Social Media Kanäle, da wird völlig unklar, wofür eigentlich noch ein eigenes Blog irgendwo gehostet und gewartet werden sollte.

Manchmal sehne ich mich nach der Zeit zurück, in der Twitter (für mich) ein Netzaktivismus-Newschannel gespickt mit Links zu tatsächlichen Nachrichten (veröffentlicht vor allem in Blogs). Aber die Entwicklung selbst ist wie sie ist. Und das ist okay.

Auch die re:publica hat sich verändert. Ich finde sie unerträglich.

Wo früher Blogger*innen redeten, reden heute SEO-Menschen, “Influencer” und Bundesminister*innen. Daneben war das Programm weitgehend belanglos. Das mag ein bisschen daran liegen, die große “alle Menschen sind plötzlich im Internet”-Zeit schon 10 Jahre her ist und es darüber nicht mehr viel zu reden gibt. Die Weiterentwicklung des Internets ist zur Aufgabe von Großunternehmen geworden. Und die re:publica versteht sich offenbar nicht mehr als Plattform für User*, sondern als Marketingplattform für Unternehmen und Regierung.
Dabei wird Regierung eine Bühne gegeben, obwohl sie weiterhin Grund- und Freiheitsrechte beschneidet.

Die Stände auf der re:publica gehören (Groß-)Unternehmen, politischen Stiftungen und Landesvertretungen. Von Zivilgesellschaft oder Blogger*innen ist wenig zu sehen. Gefühlt war ich auf einem Ableger der CeBIT: eine Messe mit massiver Materialschlacht. Freibier und Sticker statt Inhalte.
Das Design der #rp17 war von Protestschildern dominiert. Die Protestschilder wurden zu Werbeschildern.

Das Motto der re:publica “love out loud”, inspiriert von Kübras Talk “Organisierte Liebe” letztes Jahr will mehr Liebe ins Netz bringen. Aber wie haben die Veranstalter*innen sich das genau gedacht?
@lasersushi hat ihre Erfahrungen mit Hate Speech und Belästigung aufgeschrieben und beeindruckenderweise macht die re:publica: nichts.
Ich kenne die Hintergründe dieses Falls nicht und kann auch kein Urteil über den Vorfall selbst fällen – aber, dass die Organisator*innen dazu keine Stellung nehmen, spricht nicht dafür, dass sie dieses Thema besonders ernst nehmen.
Der Code of Conduct ist schwach formuliert und offenbar gibt es genau eine Ansprechpartnerin. Andere Veranstaltungen haben Awareness-TEAMS.
Inklusion und sichere Orte werden nicht mit einem Text geschaffen, sondern mit Inklusion und sicheren Orten. Wo aber war die LGBTIQ-Lounge? Gab es einen Gebetsraum?
Oder überhaupt ein ruhiger Ort, der nicht von allen Seiten zugedröhnt wird?
Ich überlegte vorab, ob ich nicht in High-Heels kommen wolle. Physisch wäre mir sicher nichts passiert (mit den High-Heels bin ich 2,03m groß), aber ich wäre Vorzeigeobjekt geworden, wie “inklusiv” die re:publica doch ist. Ich wäre massiv fotografiert worden und sicher hätten sich auch Menschen über mich lustig gemacht, zumindest aber hätte ich einige merkwürdige bis herablassende Blicke geerntet. Vielleicht wäre das nicht passiert, aber das ist, wovor ich Angst hatte und warum ich Mittwoch nicht kam – und schon gar nicht in High-Heels.
In diesem Szenario hätte geholfen: Normalität – so viel Normalität, dass einzelne Menschen nicht mehr zu Vorzeigeobjekten werden – und Rückzugmöglichkeiten.

Und was war eigentlich mit dem Antisemiten, der Twitter zufolge über Stunden auf dem Gelände vor der Station geduldet wurde? Warum wurde nicht die Polizei gerufen? Wenn das schon kein*e Besucher*in macht, dann doch aber bitte die Orga!

Ich frage mich, was die re:publica erreichen will/wollte. Als was versteht sich die re:publica überhaupt? Und was war das Ziel für 2017?
Vielleicht stellen sich die Organisator*innen diese Fragen nicht.
Müssen sie auch nicht. Die Veranstaltung scheint finanziell auf soliden Füßen zu stehen.
Aber ich werde mir kein Ticket mehr kaufen. Für mich war es sicher die letzte re:publica.

Internetdepression

Es gibt seit einiger Zeit immer wieder Texte, die nahelegen, dass das Internet bzw. Social Media für Depressionen verantwortlich ist, bzw. diese befördert.

In der Generalität ist die Aussage falsch. Ich bin depressiv und mir hilft “das Internet” in depressiven Phasen oft.

Immer wieder habe ich Phasen, in denen ich keine Gefühle habe. Ich kann den Wind spüren oder Menschen weinen oder lachen sehen, aber irgendwie fehlt die Verbindung zwischen der Außenwelt und mir. Mein Arzt hat mir deshalb die Diagnose “Depression” gegeben. Die Krankenkasse zahlt meine Psychotherapie und mein Antidepressivum – ein Medikament, dass dafür sorgt, dass es mehr Botenstoffe in meiner Hirnflüssigkeit gibt. Es gibt die Theorie, dass ein Mangel an Botenstoffen die Depression ist.
Seit ich das Antidepressivum nehme, geht es mir besser – aber dennoch habe ich immer wieder diese gefühllosen Phasen.

Ich erkenne ein Muster, nach dem bei mir diese Phasen häufiger auftreten – damit kann ich sie ein bisschen vorhersagen und gewissermaßen einplanen. Die Phasen treten bei mir häufig nach stressigen Phasen auf, oder wenn ich besonders gut und stark sein will oder muss.
Es ist ein bisschen, wie die allgemeine Erkältung, die häufiger auftritt nach besonders stressigen Phasen. Bei mir ist es seltener die Erkältung und häufiger die depressive Phase.

Kati Krause schreibt, dass Social Media Gift für Depressive ist.
Ich kann die Argumentation nachvollziehen. Wenn Social Media in Stress ausartet, wenn ich mich immer besonders gut darstelle, immer besser sein will, verursacht das auch bei mir depressive Phasen.
Ich habe Social Media nie beruflich genutzt. Eine Zeit lang sehr politisch, aber schon sehr lange nutze ich die verschiedenen Kanäle auch um mit guten Freunden zu kommunizieren und sehr ehrlich zu berichten, wie es mir so geht. Das ehrliche Kommunizieren hat bei mir noch nie Stress ausgelöst, sondern eher Wohlbefinden durch positive Rückmeldungen. Ich habe allerdings bisher auch das Glück quasi keinerlei Hatespeech ertragen zu müssen.

Manchmal hilft es mir auch zu sehen, was meine Freunde so tolles machen oder welche Hundebabies sie teilen. Manchmal hilft mir auch ein langer Spaziergang oder eine Avocado.
Ich habe angefangen zu lernen, wie ich mit der Depression umgehe.

Irgendwann fing ich an, die Depression als Krankheit zu bezeichnen und mich vor mir selbst zu rechtfertigen, gerade etwas nicht zu können, weil ich halt krank bin. Jemanden mit gebrochenem Bein erlaubt die Gesellschaft auch einen Tag im Bett zu verbringen, also möge sie dies auch mit depressiven Menschen tun. (Wobei sich nicht alle depressiven Menschen ins Bett zurückziehen in ihren depressiven Phasen.)
Die Krankenmetapher habe ich allerdings wieder abgelegt. Ich habe gemerkt, dass es mir nicht gut tut, mir selbst zu sagen, dass ich “krank” bin – und damit anders bin als “gesunde” Menschen.
Die Depression ist kein Mangel an mir, sie ist ein Teil von mir. So, wie meine Beine ein Teil von mir sind, oder der Fakt, dass ich schwul bin. Das bin ich und daran ist nichts falsch oder “krank”.
Ich habe einen Umgang mit meiner großen Körpergröße gefunden und auch mit meiner Kurzsichtigkeit. Ich bin dabei einen Umgang mit meinen depressiven Phasen zu finden.
Menschen sind unterschiedlich. Manche sind groß, manche sind klein, manche haben rote Haare und manche haben gar keine. Manche spielen gerne Volleyball und andere haben Katzen. Manche haben depressive Phasen und müssen auf sich aufpassen, dass es ihnen gut geht. So wie Volleyball spielende Meschen auf ihre Handgelenke aufpassen. Wenn die kaputt sind, können sie kein Volleyball mehr spielen.

Menschen sind nicht nur unterschiedlich, sondern sie verändern sich auch. Mal wollen sie lieber Brötchen zum Frühstück und mal lieber Müsli. Manche Menschen wollen ihr ganzes Leben lang Äpfel essen, andere wechseln irgendwann zu Bananen.
Vielleicht verändere ich mich irgendwann und ich habe keine depressiven Phasen mehr. Vielleicht bleiben sie.

Findet heraus, was euch gut tut. Findet heraus, wer ihr sein wollt und akzeptiert, wer ihr seid. Probiert euch aus (im Rahmen eurer Möglichkeiten). Wenn euch das Internet schlecht tut, nutzt es weniger. Wenn euch Hundebabies glücklich machen, folgt allen Hundebaby-Tumblers. Oder habt selbst einen Hund. Wenn ihr alleine schlecht weiter kommt, sucht euch eine Psychotherapie oder geht zu eurem Arzt. Wenn das zu anstrengend ist, fragt Freunde, ob sie mit euch zum Arzt gehen und euch unterstützen. Wenn ihr telefonieren könnt, ruft die Nothilfe an. Es gibt Hilfe.
Gebt euch nicht auf und verteufelt die Welt nicht. Verzweifelt nicht. Es wird besser werden. Der Glaube daran hilft.
Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

These: Staaten werden durch Plattformen abgelöst

Ich denke immer mal wieder über die Plattformneutralität, wie von mspro beschrieben, nach. Ich bin mir sehr unschlüssig, ob tatsächliche Neutralität der Plattform überhaupt möglich ist, aber zumindest das Konzept “Plattform” erscheint mir sehr schlüssig. Wir alle bewegen uns auf Plattformen. Server-Infrastruktur, die in den meisten fällen doch irgendwo gemietet ist (in meinem Fall bei den großartigen Ubernauten), Betriebssysteme, soziale Netzwerke (Twitter, Facebook, G+, tumblr oder soup.io?) – aber auch im RL gibt es überall Plattformen. Wer ein neues Regal braucht, baut das nur sehr selten selbst zusammen, sondern schnell führt der Weg zu IKEA. Wir haben zunehmend weniger eigenen Autos, sondern sind Kunden einer Mietwagenfirma. Und wenn wir erst Kunde sind, wechseln wir nur noch sehr selten. Nicht zu vergessen die Bahn oder die verschiedenen Fluglinien (die sich ja selbst auch schon Allianzen geschmiedet haben), die es gibt.

Das alles sind Plattformen für einen Dienst. Meine These ist, dass diese Dienste immer weiter miteinander interagieren und damit größere Plattformen bilden. Google übernahm erst die Suchmaschine, dann das Smartphone. Mit der Übernahme von YouTube, Nest oder Dynamics Boston zeigt sich, wie sehr die Plattform Google gerade wächst. Samsung ist eine andere Plattform, die einen Haushalt gut von Smartphone über den Kühlschrank bis zum Auto abdeckt.

Wenn Google nun mit der Bahn und Samsung mit Lufthansa Verträge schließt, wird es darauf hinaus laufen, dass Bahntickets an Google-Kunden günstiger verkauft werden und Samsung-Kunden in der Lufthansa billiger fliegen. Betriebseigene Kindergärten gibt es in großen Konzernen schon lange. Die Frage ist, wann diese Kindergärten auch auf Poweruser ausgeweitet werden. Wenn diese Entwicklung noch Krankenhäuser und Schulen erfasst, stellt sich die Frage, wofür Staaten eigentlich noch da sind.
Löst der Kapitalismus damit den Nationalstaat ab? Werden wir statt eines Reisepasses in Zukunft mit Samsung- oder IKEA-ID durch die Welt reisen?

Softwareschmiede für’s WebOffice

Ich mag freie Software. Und ich mag das Internet. Lange Zeit glaubte ich, dass sich im Internet immer freie Software durchsetzen würde, denn das Web als solches ist ja frei und offen. Irgendwann hielt ich inne und merkte: das Internet, wie ich es alltäglich nutze ist in weiten Teilen nicht offen. Viele Dienste, die ich täglich nutze sind nicht offen. Twitter, Facebook, YouTube und Google mit all seinen Diensten ist nicht offen und frei, wie ich es mir wünschen würde.
Bei genauem Hinsehen ist mir dann aber auch aufgefallen, dass es für alle diese Dienste auch freie und offene Alternativen gibt. Zu fast jedem Dienst haben sich mal Idealisten hingesetzt und was offenes gebaut um nicht von den großen (quasi)Monopolisten abhängig zu sein. Und das ist einigermaßen großartig – aber leider auch nur einigermaßen.
Viele der Dienste lassen sich in viel gefrickel einrichten, aber so schön und einfach wie die Konkurrenz ist die Frickellösung selten. Meinem Vater werde ich die Alternativen vermutlich nicht erklären können (Google versteht er sehr wohl).

In der Piratenpartei gab es die Idee des “OpenLV”, des offenen Landesverbandes, die sich so ein System zum Ziel setzte. Die Ausgangslage war da, dass es in der Piratenpartei unglaublich viele offene Systeme gibt, auf denen irgendwas steht, es aber nahezu unmöglich war (und ist), bei diesen vielen Plattformen die Übersicht zu behalten. Es braucht ein System zum Informationsmanagement. Letzten Sommer entstand das Konzept Gelassenheit durch Transparenz, dass Anfang des Jahres dann zum OpenLV weiterentwickelten und ein wenige konkretisiert wurde.

Wie das in ehrenamtlichen Gruppen aber so ist, kamen von Arbeitstreffen zu Arbeitstreffen weniger Leute und passierte leider auch nur noch sehr wenig. Und schließlich kamen wir an den Punkt, dass uns klar wurde, dass wir ein so umfassendes System nicht ehrenamtlich neben der restlichen ehrenamtlichen Parteiarbeit, bezahlter Arbeit und ggf. Studium durchziehen können. Das ist ein so umfassendes Projekt, dass es von einer ehrenamtlich arbeitenden Partei unmöglich gestemmt werden kann. Es braucht dafür gute Entwickler, die sich Vollzeit darum kümmern können, damit so ein System auch in absehbarer Zeit entsteht.

Der OpenLV wurde abermals umgenannt in OpenOrga und Katja hat auch mal die Domain openorga.net registriert. Seit meinem Rücktritt habe ich wieder deutlich mehr über das Projekt nachgedacht und es ist mir zu wichtig, um es nicht zumindest zu verbloggen. Und eigentlich habe ich wirklich Lust eine Softwareschmiede zu gründen, die sich freie und coole WebOffice-Tools baut – und Mitarbeiter ordentlich bezahlt. Was fehlt ist die Idee, woher das Geld zum Bezahlen kommt, also der Businessplan. Und Leute, die was vom Softwareschmieden verstehen und mitmachen wollen, auch wenn etwas ungewiss ist, was dabei heraus kommen mag. Aber vielleicht gibt es ja Menschen, die da wirklich mitmachen wollen und wir setzen uns einfach mal zusammen und gucken, was wir da tolles draus machen können. Wer an einer coolen Softwareschmiede mitarbeiten will oder noch super Hinweise hat, bitte melden!

Anti-Überwachungsdemo am 27.4. in Berlin

[Update]
Die Demo für den 27.4. ist abgesagt.
Am Montag auf dem Bündnistreffen im Haus der Demokratie waren wir konsensual der Meinung, dass für die kurzen Zeit (bis Samstag) sich zu wenig Leute in die Demoorga hängen und haben sie deshalb abgesagt. Die Arbeitsbelastung für die wenigen ist über die kurze Zeit zu hoch und es ist nicht absehbar, dass die Demo am Samstag größer/bedeutender werden würde, als die am 14.4.

Das Bündnis möchte aber explizit weiter aktiv bleiben und sich auf dem 1.6. konzentrieren, an dem Anonymous den “International Day for Privacy” ausruft und eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor geplant ist. Weitere Koordination geht über die Berliner AKV-Liste (abonniert die bitte, wenn ihr mithelfen wollt) und über ein Teampad (auch da dürft ihr euch gerne einen Account klicken und ich werde den dann schnellstmöglich bestätigen). Ansprechpartner für Organisatorisches ist Holger (h.werner [at] clof . eu), Pressearbeit übernehme (vorerst) ich.
[/Update]

Am Sonntag war die BDA-Demo mit etwa 250 Teilnehmer*innen zwar recht klein, aber die Stimmung war super 🙂 Und aus der guten Stimmung heraus entschlossen wir uns, den nächsten BDA-Demo-Termin am Samstag, 27.4. auch wahr nehmen zu wollen.

Um vor allem um coole Aktionen zur Demo zu planen und etwas vorbereiteter in die nächste Demo zu gehen, wollen wir uns nächsten Montag, 22.4. von 17.00 Uhr bis 20.00 Uhr wieder im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, Raum 1209 (2. Hinterhof, 2. OG und dort klingeln). Der Termin kam gerade bei einem Telefonat mit Holger von clof zusammen, die uns unterstützen und die den Raum stellen um parteiübergrifend Politik machen zu können.

Auf der Demo fehlten leider coole Banner … wo liegen denn die vielen über die Jahre selbstgemalten FSA-Banner? Wenn wir sie nicht wieder finden, lasst uns am kommenden Wochenende doch einfach ein paar neue malen! Das Wetter ist super, und Banner lassen sich ganz super im Park malen 🙂

Weiter brauchen wir ne coole Demo-Route (die von Sonntag fand ich ziemlich gut, aber ich mag ungern die selbe wieder nehmen 🙂 ) und einen Demoanmelder. Aus Überparteilichkeitsgründen fände ich es ziemlich spitze, wenn Anmelder jemand ohne Parteibuch, oder zumindest jemensch außerhalb der Piraten tun könnte. Wenn sich niemand findet, kann ich das auch machen, aber ich hätte gerne ein Setting, in dem sich auch DigiGes, CCC, Grüne und Linke wohl fühlen 🙂

Lasst uns einen kreativen Protest haben und verteilit die Infos bitte weiter, mit dem Hinweis, dass die Berliner AK-Vorrat-ML die Koordinations-ML ist. Hier kann mensch sich darauf subscriben.

Netzneutralitätskampagne

Ich mache Politik, weil ich eine Lebenswelt verbessern möchte. Meine Lebenswelt besteht zu einem großen Teil aus dem Netz, darum mache ich Netzpolitik. Zudem ist das Internet die krasseste Entwicklung, die ich mir vorstellen kann und es völlig absurd finde, sich gesellschaftlich nicht darum zu kümmern.

Die letzten Monate, vlt sogar Jahre kamen wir, die wir an der Netz-Lebenswelt arbeiten, immer wieder ins Hintertreffen. Wir, die wir das alle ehrenamtlich nebenbei und ohne Geld machen und von Webseiten und Klick-Aufträge daneben leben, wir haben nicht die Möglichkeiten, uns auf die Schlachten derer einzulassen, die unsere Lebenswelt verkaufen, vermarkten oder zerschlagen wollen. Aber genau das haben wir die letzten Monate und Jahre immer wieder versucht.
Wir haben versucht die konservative Maschinerie von alten Verlagen, konservativen Parteien und den alteingesessenen Machtstrukturen auf ihren Gebieten zu schlagen.
Ich bin sehr glücklich, dass es so Organisationen wie die DigiGes gibt, die massiv an einer besseren Welt arbeiten. Danke dafür! Das gute: die DigiGes nimmt immer wieder die hochgradig kaputten Initiativen konservativer Machenschaften auseinander und sagt, wie diese in gut aussehen würde. Das schlechte: die DigiGes nimmt immer wieder die hochgradig kaputten Initiativen konservativer Machenschaften auseinander und sagt, wie diese in gut aussehen würde.

Die DigiGes hat sich auf das politische Klein-Klein eingelassen, wie es nur von der Piratenpartei übertroffen wird. Die meint, auf jede Äußerung eines beliebigen Gegners eine nahezu nichtssagende PM zu schreiben. Dieses politsche Klein-Klein ist wichtig und gut. Die PMs sind wichtig – aber sie verändern unsere Welt nicht. Sie sind kein Auslöser, sie machen die Welt nicht besser, sondern sind Standardantworten, die in den Machtkalkulationen mächtiger Menschen in diesem Land eingeplant sind.

Was wir aber neben all dem Klein-Klein vergessen haben, ist das, warum wir den Scheiß eigentlich machen. Die bessere Welt. Lasst uns endlich klar machen, was wir eigentlich wollen – und zwar ganz abseits von dem ganzen tagtäglichen Klein-Klein. Lasst uns wieder auf die Straße gehen und fordern, wie die Welt aussehen soll! Lasst uns unsere Leben leben, ohne uns vom nächsten kaputten Gesetzentwurf aus der Fassung bringen zu lassen!

Ich glaube, dass die wirklich große Debatte sich an der Netzneutralität entzünden wird – wenn wir sie gut angehen. Datenschutz, Netzsperren (wie auch das LSR) sind prinzipiell Verteidigungskämpfe. Wir sagen in den Debatten seit Jahren , was wir nicht wollen. Wir müssen aber wieder auf die Straße gehen und sagen *was* wir wollen!

Lasst die Sandförmchen weg und bewerft euch nicht mehr gegenseitig, sondern bewerft wieder die, die unsere Welt wirklich kaputt machen wollen!
Ich will wieder eine Bewegung wie es die “Freiheit statt Angst”-Bewegung war. Ich will eine Initiative, die sich nicht an Vereins- und Parteistrukturen hält. Ich will eine Bewegung, wo es egal ist, ob einzelne Akteure sich bei der SPD bei Google oder der der DigiGes engangieren. Ich will, dass das Netz frei ist und ich will, dass es unabhängig ist.

Das Netz ist eine so unglaublich krasse Veränderung alles bisher dagewesenen, dass die Folgen sich nicht abschätzen lassen. Und ich bin überzeugt davon, dass wir für eine freie Gesellschaft freie Kommunikation brauchen und fordere deshalb die Netzneutralität!

Ich habe die letzten beiden FSA-Demos mitorganisiert, ich weiß wie das geht und ich will das wir das wieder tun und werde deshalb Unterstützer für eine Netzneutralitätskampagne suchen! Bitte helft mir bei dieser Kampagne!

Urheberrechtsbarcamp

Die Akteure der Urheberechtsdebatte hören sich nicht zu. Wer sich nicht zuhört, kann auch keine gemeinsame Lösung finden.
Um einen Dialog zu versuchen, ist ein Urheberrechtsbarcamp in Wien geplant, zum kollektiven Brainstorming auf der Suche nach einer Lösung, mit der Verwertungsgesellschaften und Immaterialschaffende zufrieden sind, ohne “unser” Internet kaputt zu machen.
Die Planung für das Urheberrechtsbarcamp findet im Etherpad statt, und es gibt einen Termin-Doodle um einen Termin für das Barcamp fest zu machen.

Tragt euch ein und beteiligt euch – und vor allem: ladet Vertreter der Verwertungsgesellschaften, Kreativschaffende ein, sowie alle anderen, die vom Urheberrecht betroffen sind/leben.

Eine Urheberrechtslösung mit der alle glücklich werden, lässt sich nur gemeinsam finden.

Vom Urheberrecht zur Urheberanerkennung

Auf SpOn hat mspro Steile Thesen vorgelegt und auf seinem Blog noch ein wenig berichtigt.

Frei zusammengefasst schreibt er: “Das Urheberrecht gehört abgeschafft, weil im Internet immer kopiert wird.” – und der Begründung kann ich nicht widersprechen. Ob die Abschaffung aber die richtige Folgerung daraus ist, bezweifele ich. Aber mal langsam:

Das Urheberrecht entstand aus dem Patentrecht, welches entwickelt wurde, damit Menschen die unglaublich viel Zeit (und Geld) in die Entwicklung von Ideen (Erfindungen, Geschichten, Bilder, Filme, Musik …) stecken, nicht leer ausgehen – für den Fall, dass eine andere Person kommt und ihre Ideen kopiert um sie dann selbst zu vermarkten (weil die andere Person möglicherweise besser vermarkten kann).

In Zeiten, in denen jeder Mensch arbeiten muss, damit er sich Nahrung kaufen kann und an der Gesellschaft teilhaben kann, war es zudem ein Mittel zum Lebensunterhalt verdienen. Da wir diese Zeit aber gerade überschreiten (in der Menschen sich mittels Technik selbst ihre Arbeit “zerstören”), müssen wir auch in der Urheberrechtsdebatte zurück auf Null und von Vorne beginnen.

Es geht um die Frage der Anerkennung einer anderen Person (oder Gruppe) gegenüber, die großartige Immaterialien geschaffen haben. Ein Tischler, der Schränke baut, baut Schränke, die er dann verkaufen kann (in der Theorie …). Das derzeitige Urheberrecht gibt Schriftstellern, die einen Roman schreiben, das gleiche Recht – was nun obsolet wird, weil der Inhalt quasi Kostenfrei kopiert werden kann (bis Makerbots Schränke drucken dauert das noch ein wenig). Nicht obsolet ist aber die Anerkennung für das Werk, welches Geschaffen wurde. Der Tischlerin danken wir indirekt, indem wir den Schrank kaufen und sie damit bezahlen.

Wie aber danken wir den Schriftstellern? Das ist die Frage nach der Anerkennung – und da müssen wir von vorne beginnen uns ein Modell auszudenken, wie wir uns in angemessener Form bedanken können.
Die (ebenfalls von mspro eingeworfene) Idee “warum geben wir den künstlern nicht einfach geld?” basiert auf dem Prinzip, dass Kreative sich auch selbst vermarkten – was sie häufig aber gar nicht tun wollen – und daher ja die Verwertungsgemeinschaften geschaffen haben (die uns nun zu einem so großen Problem sind). Wenn sich Kreative nicht selbst vermarkten, braucht es immernoch ein gesellschaftliches Anerkennungsmodell um sich von der Tischlerin nicht vorwerfen lassen zu müssen, sie würden nichts tun und der Gesellschaft nichts zurück geben.

Flattr ist ein solches Anerkennungsmodell, da es vor allem zählt, wie viele Menschen sich wofür bedanken und damit die Arbeit anerkennen. Das es bei Flattr “auch” um Geld geht, halte ich für ein zweitrangiges Feature. Damit es aber wirklich funktioniert, müsste jeder Flattr nutzen und wir auch alles Flattrn können – was de facto nicht geht. Aber vielleicht kommen wir da ja noch hin (und wenn es nicht Flattr ist, vielleicht ein anderer Dienst, der sich noch entwickelt).

Die Frage nach dem Lebensunterhalt stellt sich nicht “nur” bei den Kreativen, sondern auch bei allen Menschen, die durch den technischen Fortschritt keine Arbeit mehr haben und muss auch aus diesem Ansatz heraus angegangen werden. Das Urheberrecht dafür zu “missbrauchen” kann das Problem nicht lösen.

Liste: Straftaten im Internet

Heute gab es mal wieder eine VDS-Diskussion auf Twitter. Alle waren sich einig, die Vorratsdatenspeicherung ist doof. Bei der Definition, wo die Vorratsdatenpeicherung anfängt und wo sie aufhöhrt, war man sich dann schon nicht mehr so einig.

Seit Jahren wird Alvar Freude immer wieder ins Kreuzfeuer genommen, da er laut Kritikermeinung die “IP-VDS” fordere. (An dieser Stelle der wichtige Hinweis, dass Alvar nicht “umgefallen” sei. Er fordert die IP-Speicherung, seit dem ich ihn kenne!)

In der heutigen Diskussion ging es mal wieder um genau diese IP-Speicherung. Ob man sie braucht, oder nicht. Ob sie gut ist, oder nicht. Ich bin ein Gegner der Vorratsdatenspeicherung, einschließlich der IP-Speicherung – allerdings gibt es selbstverständlich auch gute Argumente für die systematische Speicherung von IPs.

Ich hoffe, ich tue Alvar nicht unrecht, wenn ich ihn zusammenfasse mit: “IP-Adresse sollen gespeichert werden für die Strafverfolgung – also für all das, was juristisch die “Straftat” erfüllt”. Die Twitterdiskussion kann man nachlesen. Ich finde es richtig, dass Straftaten verfolgt werden. Und ich frage mich, was an Straftaten im Internet geschehen können und möchte sie daher hier mal sammeln.

Ich bin kein Jurist und werde mit Sicherheit eine ganze Reihe vergessen. Daher bitte ich weitere Straftaten im Internet in den Kommentaren zu posten, damit ich diese hier updaten kann. Mit der Liste kann man vielleicht verdeutlichen, um was es eigentlich geht. Was für Hürden es braucht, um an die Daten heranzukommen, wenn die IP-Speicherung (wieder) aktiv ist, aber auch, wofür sie gut sein kann.

Mir fällt spontan ein mit Update (2.):

  • Betrug (z.B. auf falschen Namen bestellen)
  • Verleundung
  • Beleidigung
  • üble Nachrede
  • Aufforderungen zu Straftaten (sind selbst auch eine Straftat)
  • Diebstahl (Konto cracken)
  • Diebstahl “geistigen Eigentums” – Alvar merkt an, es handele sich (immer?) um Urheberrechtsverletzungen.(
  • Verbreitung Kinderpornografischen Materials
  • Plagiieren
  • Kreditkartenbetrug
  • Stalking
  • Missbrauch der “Meinungsfreheit” für Leugnung des 3. Reichs u.ä.
  • Mordaufrufe
  • Mailaccounts / digitale Identitäten hacken. (Digitaler Landfriedensbruch?)
  • Diebstahl wichtiger Informationen (Daten nur in Cloud gespeichert – Account gehackt, daten kopiert und Orginale gelöscht)
  • Bombendrohungen

Update:
Hier fehlt ein ganz essentieller Punkt, auf den mich fasel aufmerksam gemacht hat (und ich vorher vollkommen verdrengt), denn es fallen hier natürlich auch alle Morde, Vergewaltigungen, Raubmorde, schwerer Diebstahl … rein, die irgendwie mit über das Internet geplant wurden – oder wie im Mord, wo der Täter das Opfer im Internet kennengelernt hat. Da wäre die gespeicherte IP-Adresse natürlich auch seeeehr hilfreich, wenngleich wohl kaum das einzige Spur. Sollte dies doch so sein, so wäre eben diese Spur mit der IP-Adresse verloren gegangen. Das ist sehr wohl ein gutes Argument für Alvars Standpunkt, wenngleich die Frage bleibt, ob damit der “Generalverdacht” im Verhältnis steht. (Und Alvar argumentiert weiter mit der geringen Eingriffstiefe der IP-Speicherung im Vergleich zur Handyortung.)

(Sollte ich Alvar noch immer sinnentstellend zitiert haben, bitte ich ihn, doch selbst was zu bloggen, dass ich dann selbstverständlich verlinken werde 😉 )
Alvar hat selbstverständlich häufiger dazu gebloggt – daher verweise ich einfach auf sein Blog als solches, da sind mehrere Artikel dazu.

Kontrollverlust ist kein Urteil, sondern eine Aufgabe

Der Urvater des Kontrollverlusts, @mspro, hat sein Bild des Kontrollverlustes mal in der c’t beschrieben. An diesem Bild, dass man nicht mehr Herr seiner Daten ist, möchte ich anknüpfen.

Für die Spackeria ist es ein Anlass über eine Gesellschaft zu spekulieren, die ohne Privatsphäre besser wäre, was ich (unter Berücksichtigung der Informationellen Selbstbestimmung) auch gut finde. Nun aber soll es um den Kontrollverlust selbst gehen – und dem Umgang mit ihm. Viel zu häufig wird er als Urteil erkannt und erklärt, man könne daran nichts ändern. Diese Haltung klingt für mich nach einer Kapitulation vor den eigenen Aufgaben. Wir – als “Netzgemeinde” (diese Gemeinde als solche gibt es nicht) – können doch nicht diejenigen sein, die von dem Rest der Welt verlangen, dass sie vor dem Internet kapitulieren müssen. “Wir” sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir mit dem Internet umgehen können, ohne alle Kritiker sofort zu verscheuchen. Wir wollen das Internet – dann sollten wir uns auch Gedanken darüber machen, wie wir es am verträglichsten mit der Gesellschaft kombinieren können.

Der Kontrollverlust ist kein Urteil, sondern eine Aufgabe, wie wir mit den neuen Möglichkeiten umgehen wollen. Wie sehr wir einander achten und Rücksicht auf einander nehmen. Wenn wir wollen, dass die Mehrheitsgesellschaft im Internet angstfrei bewegt, dann müssen wir ihr Schutzräume bieten. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, ob es wirklich in Ordnung ist, alles sofort zu veröffentlichen. Vielleicht sollten wir wieder über eine Moral nachdenken – eine Moral, die uns Werkzeuge in die Hand gibt, zu entscheiden, was offen im Web stehen muss, und was auch auf nicht-öffentlichen Mailinglisten oder Foren gepostet werden soll. Wir sollten uns überlegen, wie wichtig die Anonymität ist, um gesellschaftliche Prozesse lostreten zu können. In der Anonymität kann man sich selbst testen, ausprobieren, spielen, um zu erfahren, ob etwas auch für das öffentliche Leben taugt. Anonymität ist wichtig, um erste Erfahrungen zu sammeln, um in einer öffentlichen Debatte schon zu wissen, über was man überhaupt spricht. Sie ist keine Dauerlösung, aber ein dauerhafter Schutzraum.

Unsere Aufgabe ist es, die Gedanken zu entwickeln, die für unser Gemeinwohl wichtig sind, in dem die ganze Gesellschaft in der erweiterten Realität des Internets angekommen ist. Und wir brauchen Werkzeuge für die Nachzügler, damit sie uns nicht unterlegen sind. Datenschutz ist ein altes Werkzeug für Minderheiten. Sollte der Datenschutz im Kontrollverlust unter gehen, so brauchen wir ein neues Werkzeug, damit Minderheiten sich schützen können. Dieses Werkzeug sehe ich in dem Schutzraum der Anonymität und Pseudonymität, sowie in einer Moral, nach der wir entscheiden, was veröffentlicht wird. Die Moral aber, muss noch entwickelt werden, auch wenn es gute Ansätze wie die Hackerethik schon gibt.
Das, liebe Spackeria, ist die eigentliche Aufgabe.