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Ruhe, Rückzug, Twitter. Kommunikationsnirvana.

Ich habe meine Twitter-Accounts (den Privataccount für wenige wirklich gute Freunde @anzweifeln und den offenen Account @zweifeln) deaktiviert und viele sehr liebe Nachfragen bekommen, ob es mir denn gut gehe. Ja, mir geht es gut. Es ist super lieb, wie sehr beeindruckend viele Menschen um mich sorgen <3

Schon im Januar überlegte ich meine Twitteraccounts zu deaktivieren, tat das auch, reaktivierte sie aber kurz darauf wieder, weil in der Piratenpartei extrem viel über Twitter läuft. Nun bin ich seit fast 3 Wochen kein Vorstand mehr, und behaupte, dass aus Parteigründen keinen Grund mehr gibt, Twitter nutzen zu müssen.
Hinzu kommt, dass ich gerade sehr viel studieren muss, weil ich das die letzten Monate sehr vernachlässigt habe – und die gewonnene Zeit durch den Rücktritt zu einem guten Teil auf Twitter verprokrastiniert habe. Und um die Hürde hoch genug zu setzen, nicht gleich wieder “rückfällig” zu werden, habe ich die Accounts deaktiviert, um die gewonnene Zeit auch wirklich zu nutzen. Insgesamt ist mir gerade sehr danach etwas mehr Ruhe zu haben um neben dem Studium auch das weitere Leben zu planen (so überlege ich im November nach Istanbul zu gehen) und muss das vor allem mit mir selbst klären.

Der wirkliche tiefe Grund darunter ist aber, dass ich gefühlt twitterabhängig bin. Gefühlt ist es eine Nachrichtensucht (falls es sowas gibt), der ich inzwischen verfallen bin. Ich will ständig neue Nachrichten lesen, auch wenn sie eigentlich nichts ändern. Twitter war das erste und das letzte eines jeden Tages, was mich beschäftigte. Jede sonst nicht verplante Minute verbrachte ich auf Twitter. Ich mag sehr ungern von irgendwas abhängig sein. Vielleicht ist das gerade auch eine Art kalter Entzug.
Ich glaube, dass ich ohne Twitter gerade deutlich mehr Dinge organisiert bekomme und mich besser auf das Studium konzentrieren kann, zudem weniger Kommunikationskanäle auch zu mehr Übersicht führen und hoffentlich weniger Overhead produziert. Mal gucken, ob das funktioniert.

Twitter ermöglich allerdings noch die Möglichtkeit 30 Tage lang zurück zukehren und die alten Accounts wieder zu übernehmen. Möglicherweise mache ich das auch für den Hauptaccount, werde den dann aber vermutlich Twitter eher im Stile von Sascha Lobo (3x die Woche) nutzen um ein wenig mehr Ruhe in meinem Leben zu haben. Den privat-Account werde ich nicht reaktivieren. Die Vermischung vom Privaten und Politischen mag ich nicht und auch meine private Timeline bestand zu einem großteil aus politischen Inhalten, die über andere Privataccounts gingen (die häufig eher Rageaccounts sind). Weil mich das aber nervt, bleibt das auch weg.
Wie ihr mich Kontaktieren könnt, steht unter Kontakt und Impressum.

tl;dr: Mir geht’s gut, Twitteraccount kommt vielleicht wieder, vielleicht aber auch nicht.

Rücktritt

Ich bin gestern, am 26.05.2013 mit Ende der Vorstandssitzung vom Amt des Beisitzers im Landesvorstand aus persönlichen Gründen zurück getreten. Die “persönlichen Gründe” möchte ich gerne ausführen.

Ich bin noch immer Vollzeitstudent an der Fernuni Hagen und habe letztes Semester auch 2 Prüfungen geschrieben und bestanden (mehr schlecht als recht). Daneben arbeite ich nach wie vor beim Elektrischen Reporter um meine Miete und mein Brot bezahlen zu können. Und dazu kam noch ein gefühlter Vollzeitjob Landesvorstand als Ehrenamt. Das ist mit sehr viel Stress verbunden. Ich versuchte das zu minimieren und weniger zu machen – und ich habe auch weniger gemacht. Aber das Niveau liegt noch immer deutlich über dem, was ich für gut für mich halte.

Dazu kommt, dass ich meinen eigenen Anforderungen nicht gerecht werde. Ich trat an, um möglichst gute Strukturen zu bauen und auch an tools zu arbeiten, die helfen Diskussionskultur waren und der Chancengleichheit helfen. Ich war auch überzeugt vom Konzept “Gelassenheit durch Transparenz”. Nach einiger Verzögerung lief das im Januar auch an und wir haben aus dem “Teppich” den “OpenLV” gemacht und allerhand Ideen zusammengetragen und teils strukturiert, wie wir uns die vegane eierlegende Wollmilchsau denn haben wollen. Viel weiter kamen wir damit leider auch nicht. Es fehlte an wirklich engangierten Leuten, die sich da rein hängen und das Projekt wuppen. Möglicherweise war es auch falsch, das ganze innerparteilich von Ehrenamtlichen wuppen lassen zu wollen, denn so ein großes Softwareprojekt ist ein großes Softwareprojekt und wenn das ordentlich laufen soll, sind hauptamtliche Entwickler extrem vorteilhaft, damit da wirklich 20-40/Woche dran entwickelt werden kann und das Projekt nicht erst nach der Eröffnung des BER fertig wird.

Daneben habe ich die Liquid-Treffen koordiniert vor allem den großartigen Björn als Hauptadmin und Mario als weiteren Admin vom Liquid mit Arbeit versorgt. (An dieser Stelle mal ganz ganz vielen Dank den beiden!) Die automatisierte Akkreditierung für’s Liquid via Whitelist steht leider noch aus, aber darum werde ich mich wie um eine ordentliche Dokumentation des Liquid-Systembriebs noch kümmern. (Ich will mich dafür beauftragen lassen, damit ich das auch weiterhin tun kann.)

Daneben allerdings ist von dem, was ich mir vornahm sehr wenig passiert. Der Vorstandsjob als solcher frisst sehr viel Zeit für Meta-Organisation, Befindlichkeiten und innerparteilichen Reibereien, in die eins als Vorstand immer wieder rein gezogen wird. Auch das sehe ich als eine Aufgabe des Vorstandes an, mit dem Mitgliedern ordentlich zu kommunizieren. In letzter Zeit allerdings fiel mir eine angemessene Kommunikation zunehmend schwerer. Es passierte, dass ich einzelnen Menschen gegenüber ausfallend wurde. Ich schiebe es auf meinen derzeitigen Lebensstress, weiß aber auch, dass das keine Entschuldigung sein kann. Für einen Vorstand gehört es auch, die nötige Contenance zu wahren und ansprechbar zu sein.

Gerade die Ansprechbarkeit ist bei mir nicht mehr gegeben. Zu den zwei anderen Jobs (Studium und Elektrischer Reporter) kam noch ein Krankheitsfall in meiner Familie, der mir zusätzliche Zeit und vor allem Nerven raubt. Selbst wenn das nicht gewesen wäre, fehlt mir auf Dauer der Ausgleich zu der vielen Arbeit um die Arbeit auch ordentlich machen zu können. Ich merke selbst, dass alle drei Jobs sich in meinem Leben gerade gegeneinander ausspielen und insbesondere mein Studium darunter leidet. Das muss enden. Und da ich mein Studium schon zweimal umsattelte und einen bezahlten Job brauche um meine Miete zahlen zu können, muss der ehrenamtliche Job gehen.

Hinzu kommt, dass ich immer mehr das Gefühl habe vom geplanten, durchdachten Aktivismus zum Aktionismus überzugehen, um überhaupt was zu machen. Und wenn Aktivismus in Aktionismus übergeht, ist es Zeit aufzuhören und darüber nachzudenken. Vielleicht wieder neue Kraft zu tanken neue Ideen aus der neuen Erfahrung zu entwickeln und sich dann auch wieder stärker einbringen. Wenn ich in paar Monaten wieder die Kraft habe, für die Partei zu brennen, dann werde ich mich auch wieder einbringen. Auf welchem Posten ist zweitrangig.

Danke, Berliner Pirat*innen. Das war eine extrem spannende Zeit und ich habe unglaublich viel in der Zeit gelernt. Danke insbesondere auch an meine Vorstandskollegen GA, Benny, Gordon, Manuel, F0o0 und Frank. Ich hätte mir kaum bessere Kollegen wünschen können. Die Zusammenarbeit mit euch war durchweg super. Wie GA sagte: “wir können uns ja auch weiter treffen”. Und ich bin mir sicher, das werden wir – auch wenn vlt nicht mehr so häufig, wie zuvor :)

280% Stress – mein Leben als Politiker

[Update]

Danke!

Nun vergingen einige Tage, in denen allerhand passierte und ich mir viele Gedanken gemacht habe – und schiebe Sie mal als Update hinterher.
Danke für die viele Unterstützung, ganz gleich, was ihr mir empfehlt. Ich hab hier ne Menge Kommentare bekommen, viele Mails, Tweets, Anrufe und habe mich auch mit Leute persönlich unterhalten und das Problem gefühlt ganz gut aufgearbeitet.

Am Mittwoch haben wir ein Liquid-Treffen. Meine eigene Vorgabe für dieses Treffen ist es, das gesamte Tagesgeschäft bis mindestens Mitte März weg zu delegieren. Alles, für das sie niemand findet, wird bis Mitte März liegen bleiben. Ich werde (zumindest zeitweise) bei der LMVB und AVB13 sein und habe vor auch weiter zu den Vorstandssitzungen zu gehen. Alles andere, was darüber hinaus nicht super dringend ist, wird bis mitte März warten müssen. Sollte ich mich da nicht dran halten, haut mir bitte auf die Finger! (Damit das mit den Prüfungen was wird ;) )

Vorerst werde ich also nicht zurücktreten, sondern mir die Zeit nehmen, die ich brauche. Wenn das gar nichts wird, dann bleibt die Option als letzte mögliche natürlich auch weiterhin bestehen.

[/Update]

Ich überlege als Beisitzer des Berliner Piraten-Landesvorstandes zurückzutreten und will hier meine Gedanken öffentlich machen und hoffe, ihr könnt mir in der Entscheidung helfen durch eure Ansichten und Ratschläge.

Ich habe mit der Vorstellung kandidiert, etwa 20 Stunden/Woche für den Landesverband zu arbeiten. Das war eine sehr romantische Vorstellung, die gut mit dem Vollzeitstudium zusammen gehen sollte. Mit der Wahl kam die Einarbeitungsphase. Das waren so 30-40 Stunden/Woche und damtit 10-20 zu viel. Nun gut, das ist die Einarbeitungsphase. Ich musste viel lernen, viele Prozesse und Menschen erst kennenlernen. Irgendwann würde es besser werden.
Inzwischen behaupte ich, ich bin ganz gut eingearbeitet und stelle fest: ich arbeite immer noch 30-40 Stunden/Woche. Es ist ein unbezahlter Vollzeitjob.
Die Zeit, die ich nutze, ist sinnvoller, ich bin produktiver und weiß besser, wie ich mit neuen Dingen umgehe, aber der Arbeitsaufwand hat sich für mich nicht verringert. Vielleicht stürze ich mich in zu viele Projekte (wie gerade in den OpenLV) und versuche auch da möglichst viel zu bewegen. Es war gefühlt *das Projekt*, dass der neue Vorstand sich vornahm und dann ist lange nicht passiert. Also müssen wir es doch nun endlich annehmen. Und dann dümpelt da noch immer der X018 rum, an den ich mich dringend mal eben 3 Tage zusammenhängend setzen muss, analysieren, auswerten, zusammenfassen und kommunizieren. Und dann ggf. Anträge für die nächste LMV schreiben, die besser werden als der X018. Und dann die sMV auf Landes- und Bundesebene, auf der ich mitarbeiten möchte …
Und daneben müssen wir dringend eine Teilnehmerprüfung um Landesliquid haben und den akreditierungsprozess automatisieren und mehr Leute haben, die sich um den Support kümmern. Und vlt. sollte ich als Liquid-LaVo auch mehr mit der saftigen Kumquat zusammen arbeiten, um genauer zu wissen, wie das Liquid so aussehen kann, wenn die API nur fertig ist. Apropos API, wäre es nicht eigentlich an der Zeit, eine Spendenkampagne zu starten, damit wir die als Auftragsentwicklung fertig entlickeln lassen?
Und daneben natürlich das ganze Klein-klein mit hier ein Umlauf, da jemand, der was zum Liquid wissen will, da ein Beauftragter, der auf den aktuellen Stand gebracht werden will … (diese Liste lässt sich beliebig erweitern … wie dieses hässliche Blog, das dringend mal geupdatet werden sollte und mal einen echten Kalendern zeigen sollte)
Das alles ist ein Hamsterrad. Die Idee, damit mal fertig zu werden, ist absurd. Es gibt immer etwas, für das ich mich irgendwie zuständig fühle – oder zumindest das Gefühl habe, dass ich als Vorstand daran arbeiten sollte.

Daneben studiere ich Vollzeit an der FernUni-Hagen Kulturwissenschaften. Das ist sehr flexibel und passt ganz gut, aber in 5 Wochen schreibe ich Prüfungen und muss mir deutlich mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitung nehmen, wenn ich die 3 Prüfungen bestehen will.

All dies, ließe sich aber vielleicht noch irgendwie koordinieren lassen – aber all das ist unbezahlt und meine Miete zahlt sich nicht von alleine. Seit Anfang des Jahres bin ich selbstständig und arbeite 2-3 Tage die Woche für den Elektrischen Reporter um meine Miete und mein Brot bezahlen zu können.
Als i-Tüpfelchen kommt da jetzt noch ein Umzug dazu. Wir haben unsere WG zum 28.2. gekündigt und müssen hier die nächsten 4 Wochen raus und noch haben wir keine Zusage, für eine neue Wohnung. Eine Wohnung sieht ganz gut aus, aber sicher ist das nicht. Wenn das nichts wird, muss ich in den nächsten 4 Wochen noch was anderes finden – und eine Woche später Prüfungen schreiben.

Das überfordert mich. Ich bin 24/7 unter Strom. Fällt der Strom aus, sacke ich zusammen und bewege ich mich 2 Tage lange nicht – geschweige denn, dass ich die Zeit sinnvoll für das Studium nutzen würde. Die Energie ist einfach nicht mehr da. Das ist mein Problem und deshalb überlege ich, mich vom zeitlich größten Posten, dem Landesvorstand, zurück zu ziehen, um zumindest das restliche Leben auf die Reihe zu bekommen. Zumal: selbst bei dem derzeitigen Zeitaufwand für den LaVo werde ich meinen eigenen Ansprüchen an den Landesvorstand nicht gerecht. Vielleicht ist es einfach zu viel, was ich von mir selbst als Landesvorstand erwarte, aber ich reiße dauernd meine eigenen Deadlines und verpeile wichtige Vorhaben (wie das Treffen mit dem Landesdatenschutzbeauftragten, den ich vor 4 Wochen per Mail nach einem Treffen fragte, aber auf seine Antwort es noch immer nicht zu Bürozeiten schaffte anzurufen )
Seit Wochen versuche ich mich irgendwo zurück zu ziehen und weniger zu tun, damit der Rest besser funktioniert, aber ich schaffe es nicht. “Ein bisschen zurückziehen” geht nicht, ohne meine eigenen Anforderungen an den Landesvorstand noch mehr zu widerstreben. Und wie sähe ein “bisschen zurückziehen” aus? Ich antworte nicht mehr auf Anfragen? Ich kümmere mich nicht mehr ums Liquid? Ich versuche nicht mal mehr die Umläufe zu verfolgen? Ich gehe nicht mehr zu Sitzungen?

Ich glaube, es lässt sich nur ganz oder gar nicht machen. “Ein bisschen Politiker” geht nicht. Wenn ich es nicht kann, ist die logische Konsequenz zurück zu treten. Dabei fühle ich mich allerdings auch schlecht. Ich wurde gewählt, also sollte ich das auch durchziehen. Hätte ich die Wahl nicht angenommen, säße jetzt Therese mit im Vorstand, nachrücken kann sie leider nicht. Also überließe ich auch den anderen 6 Leuten noch mehr Arbeit. Macht es das besser? Wenn der Umzug und meine Prüfungen durch sind, sollte ich auch wieder mehr Zeit haben, sodass ich mich dem LaVo wieder mehr widmen könnte. Vielleicht aber auch nicht.

Und nun? Was tue ich in dieser Situation? Habt ihr Empfehlungen für mich?

Von Smartphones, Nerds und Filterbubbles

Ich war 3 Wochen offline in einer Kleinstadt in Frankreich und habe mich so gut gefühlt, wie seit Monaten nicht mehr. Ich bin 2 Tage zurück in Berlin und fühle mich schlecht. Und ich glaube, es hat mit Umgangsformen zu tun, über die ich schon seit Monaten nachdenke, aber mir die Intensität erst jetzt bewusst wird. Der Text ist ad-hoc entstanden und möglicherweise habe ich viele Dinge dabei vergessen.

Vielleicht sind es Nachwirkungen von Heideggers Ausflug in die Technikphilosophie (Vorsicht Webseite ist wenig schön, habe “die Frage nach der Technik” und “die Kehre” aber nicht in schöner gefunden), mit der ich mich vor 2 Jahren länger beschäftigt habe. Vielleicht ist es auch die gebetsmühlenartige Technikangst, die gerade von älteren Menschen immer wieder angesprochen wird. Vielleicht interpretiere ich auch zu viel hinein. Trotzdem will ich ein paar systematische Gedanken aufschreiben:

1. Das Smartphone ist eine wunderbare Erfindung. Die Arbeitserleichterung lässt sich kaum in Wörter packen. Egal, ob ich beim Trampen eine Karte brauche, das günstigste Hostel in Laufnähe suche oder zwischendurch wichtige Mails beantworten kann. Es ist verdammt praktisch und möchte es nicht missen – und doch ist es ein riesiges Problem. Es macht uns unfrei. Wenn es piept, gehen wir ran. Die allermeisten Menschen tun dies immer.
Wenn sich zwei Menschen miteinander sprechen, und das Handy piept oder blinkt, wird die Konversation unterbrochen für etwas, das warten kann. Immer. Wir aber (und ich nehme mich da nicht aus) gucken doch mal kurz, was da eigentlich blinkt. Das wir in eben diesem Moment unsere Konzentration vollkommen auf das Smartphone gerichtet ist, statt auf den Menschen, mit dem wir eigentlich reden, wird uns häufig nicht mal bewusst. Es ist eine zu tiefst unsoziale Handlung, die wir tätigen. Und (und das ist der Knackpunkt), wir tun diese Handlung des Missachten der anderen Person nicht einmal als bewussten Akt, sondern wir lassen uns von dem Blinken(!) eines Gerätes dazu verleiten, so unsozial zu handeln. Kaum eine Person möchte bewusst so unsozial handeln, aber das Smartphone, sowie ein diffuses Gefühl von “das machen wir alle so und darum ist es richtig” verleiten uns dazu.

2. Nerds sind sozial inkompetente Menschen. Nerds wollen sich lieber Technik zuwenden, als Menschen. Das ist die Definition des Nerd. Dazu kommt, das es inzwischen cool, oder “hip” ist, Nerd zu sein. Ein diffuses Gefühl besagt, es ist toll ein Nerd zu sein. Gewissermaßen sind die Nerds die Superhelden der Neuzeit. Nerds halte ich für unglaublich bemitleidenswerte Menschen – und zwar vor allem, weil sie bemitleidet werden wollen, weil sie ja so sozial inkompetent sind, dass sie keine (kaum) Freunde haben und sich deshalb lieber mit Technik beschäftigen. Und eigentlich wollen sie das gar nicht, sondern wollen nur in den Arm genommen werden und Freunde haben – was aber nicht geht, weil sie damit ihren Status verlieren würden und nicht mehr als bemitleidenswerte Wesen gesehen werden würden. Und eben dies finde ich wirklich bemitleidenswert. Sie haben ihre Freiheit für einen Status aufgegeben, der vor allem daraus besteht unsozial zu sein.
[update] Wer dies nicht sieht, möge doch bitte auf die Nerds in der eigenen Timeline achten. [/update]

3. Die Filterbubble entstand mit der fortschreitenden Technik, die es erlaubt, sich seine eigene Welt zu konstruieren. Ich muss nicht mehr mit meinen Nachbarn unterhalten, ich kann jetzt auch telefonieren und chaten. Gewissermaßen ist das ein Zugewinn an Freiheit, weil es mehr Möglichkeiten gibt. Auf der anderen Seite ist es ein Verlust von Freiheit, weil die Filterbubble nur über Daten funktioniert, Menschen aber keine Daten sind. Mit standardisierten Zeichen lässt sich die Welt nicht 1:1 abbilden. Die Realität ist nicht nur ein Foto und auch kein Video – in beidem fehlen z.B. Gerüche. Die Welt lässt sich nicht vollständig maschinenlesbar darstellen und wiedergeben. Daraus folgt, dass die Filterbubble nur mit einer Komplexitätsreduktion funktioniert und zugleich die Fülle an Komplexität in der offline-Welt ausblendet, oder zumindest verschleiert. Es handelt sich dabei nur noch um pseudo soziale Aktionen. Es ist zwar nett, eine DM oder Mention mit “<3″ zu schicken, aber eine Umarumung kann es doch nicht ersetzen. Da wir aber in unseren Filterbubbles gewissermaßen fest hängen (und unsere Nachbarn doch nicht kennenlernen), sorgt die Filterbubble für eine soziale Verarmung. Wir, die wir ins Internet gehen, um unsere Freunde zu treffen, merken kaum noch, dass es noch so viel mehr Möglichkeiten gibt, in Interaktion miteinander zu treten, als Chaten, Twittern oder auch mal zu Skypen. Unsere sozialen Interaktionen sind dadurch unglaublich begrenzt.

Ich nehme mich nicht aus und glaube auch nicht, dass ich da groß anders agiere als viele Freunde von mir, aber es stört mich zunehmend mehr. Und das ist auch der Grund, warum ich mich nicht mehr unbedingt mit anderen Nerds treffen will – und wenn, dann unglaublich alergisch darauf reagiere, wenn beim Spieleabend doch das Smartphone raus geholt wird. Es ist eine Beobachtung, die ich sehr bedenklich finde – und ich fürchte, dass diese Beobachtung bald auf die gesamte Gesellschaft zutreffen könnte. Diese “digitale Welt” halte ich für wenig lebenswert und hoffe, dass “uns” noch ein paar gute Ideen einfallen, wie wir diese Welt deutlich lebenswerter machen können.

Wo bleiben die Hacking-Kommunen?

No-Pants-Day in Paris. Kommunen leben, auch ohne Hosen.
Kommunen leben, auch ohne Hosen. CC-BY-NC-SA 2.0 Tonio Vega

Dieses Blog ist ein Stück weit ein offenes Tagebuch, in dem ich u.a. über meine Depression schreibe, vor allem aber über Strukturen, an denen ich versuche zu erkennen, wie das auf die Depression so einwirkt – und ich mache das öffentlich, weil ich davon ausgehe, dass es vielen Menschen ähnlich geht. Und zu sehen, dass es anderen Menschen ähnlich geht, bringt diese Menschen zusammen und manchmal können sie sich gegenseitig helfen.

In der letzten Zeit geht es mir (siehe mein letzter Blogpost) um meine Lebensform, die sich irgendwie vom “normalen Leben” unterscheidet – und ich irgendwie zum normalen Leben “zurück” will – und irgendwie nicht. In diesem Blogpost geht es mir darum, dass Hackingspaces kein zu Hause sind – und “wir Hacker” ein zu Hause brauchen und Kommunen bilden sollten. Und unsere Lebensform vielleicht auch zu unserem “normalen Leben” machen sollten.

In den Hackerspace-Design-Patterns steht u.a., dass mensch niemanden im Hackingspace wohnen lassen sollte. Und das ist auch gut so, denn ein Hackingspace ist zum Hacken da, nicht zum Wohnen.
Andererseits ist das auch hoch problematisch, denn wo leben eigentlich Haecksen und Hacker?
Irgendwo in ner kleinen Wohnung/WG vor ihren Rechnern verschanzt mit nem Tiefkühl-Pizza-Vorrat und für den Koffeinmagel auch mit nem Bett. Alles Haben ist (nach mspro) virtuell, der Kontakt zu Mitmenschen in der selben Wohnung und/oder Stadt sind häufig eingeschrenkt – die Kontakte werden ganz der Filtersouveränität nur mit den Menschen gepflegt, zu denen auch der Kontakt gewünscht ist. Das führt schnell dazu, dass alle wichtige Kontakte online gehalten werden.

Wenn ich mir mein Leben seit dem Abi 2009 angucke, habe ich ne Weltreise und 4 verschiedene (mehr oder weniger feste) Wohnorte hinter mir. Nirgends lebte ich länger als 9 Monate. (Berlin durchbricht die 9 Monate gerade … sogar in der selben WG). Und irgendwie war ich all die Zeit mehr oder minder in der selben Szene, der Hackingszene. Mein Freundeskreis hat sich in der Zeit relativ konstant aufgebaut, relativ unabhängig vom Ort, wo denn gerade mein Bett steht und wo ich denn “wohne”.

Weil wir uns selbst häufig von den Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung aus unterschiedlichen Gründen eher abkapseln, vereinsamen wir häufig – und (so behaupte ich) daraus entsteht dann unter Umständen eine Depression. Dazu kommen häufig Lebensentwürfe, wie Polyamorie und das Ablehnen von klassischen Geschlechterrollen und Familienbildern. Was ich ausdrücklich gut finde, aber der sozialen Interaktion mit anderen Menschen häufig eher abträglich ist – und sich die Haecksen und Hacker noch mehr in ihre eigene Welt zurück ziehen, in der soziale Interaktion auf Twitter mit #Flausch und *hug* wohl ihren Höhepunkt haben. Leider.

Mitfühlende Tweets sind super, können echte soziale Interaktionen aber nicht ersetzen. In Berlin gibt es inzwischen den Luxus, dass es hier so viele tolle Leute gibt, die auch einfach mal an der Tür klingeln, die Wohnung stürmen um den *hug*-Tweet im Meat-Space umzusetzen. Und: das ist super, klappt aber nicht immer. Schon gar nicht immer dann, wenn mensch es wirklich braucht. Hinzu kommt: je depressiver die Stimmung, je schwieriger ist es, sich Hilfe zu organisieren – oder gar zu anderen Menschen hin zu gehen, um die Einsamkeit aktiv zu unterbrechen. Wirklich hilfreich wäre es, wenn die Menschen, die sich derzeit auf Twitter/Jabber/IRC … gerade aktiv gegenseitig stützen einfach zusammen wohnen würden, damit sie für einander da sein können. Beim zusammen Wohnen sieht mensch deutlich leichter, wer gerade ernsthaft Hilfe braucht. Und das sollte nicht auf die 2er oder 3er WG beschränkt sein, sondern große WGs werden, damit Menschen sich wirklich unter einander stützen können – und immer irgendwer da ist. Ganz wie in dem Kommune-Gedanken der 68er-Generation. (Rainer Langhans hat das in den Elemantarfragen mal ganz gut dargestellt (neben vielem anderen))

Kommunen, wo unsere Lebensentwürfen akzeptiert sind und mensch sich zu Hause fühlen kann und Menschen für einander da sind, weil sie sich auch verstehen, weil sie aus der gleichen Subkultur kommen. Ich glaube, dass “wir” uns zu selten zu wenig Gedanken darüber machen, wo wir gerade wie wohnen. Wir brauchen ja nur ein Bett, Netz und ne gute Zug- und Flughafen-Anbindung. Zu Hause machen wir ja doch wenig – außer auf ein Gerät mit Netzanbindung gucken.
Und das halte ich für ein Problem. Unser Zuhause muss keine exorbitanten Anforderungen erfüllen – aber es sollte voll mit Menschen sein, die wir gern haben – und nicht mit “irgendwem”, mit dem wir doch nichts zu tun haben, und dann “vereinsamen”, weil wir unsere guten Freunde nicht mehr im RealLife Treffen, wobei das so wichtig ist.

Diese Kommune, das Zuhause soll ein Rückzugsort sein – in das “wir” uns zurück ziehen können und aufgefangen werden. Wie dieses “uns” definiert wird, und wer da rein darf/soll, wird die jeweilige Kommune dann entscheiden. Vor gut ‘nem halben Jahr habe ich an dieser Idee mit einzelnen Leuten mal gesponnen, ist dann aber wieder runter gefallen. Dabei finde ich sie gut. Und halte sie für eine Beseitigung von vielen Problemen.

Super fände ich auch, wenn diese Nerd/Hacking-Kommunen dann auch ein Anlaufpunkt in einer anderen Stadt sind. Um auch in einer anderen Stadt ein “Zuhause” zu haben – so viel wie “wir” unterwegs sind. Ein bisschen wie ein Hackingspace, nur eben nicht zum Hacken, sondern zum Sein. Zum Leben. Zum Zurückziehen – und dabei dann sogar noch ein bisschen “überall”.

tl;dr: Hackingspaces sind Orte, wo (gemeinsam) an Projekten gehackt wird – und wo es ums Hacken geht. Lasst uns Kommunen bilden, wo wir für einander da sind und auch einen Lebensraum haben, wie wir ihn haben wollen. Und wo #Flausch nicht ein verbranntes Hashtag ist, sondern ein echtes für-einander-da-sein.

Leben, Politische Korrektheit und Depression

Ich hab den Aktivismus aufgegeben, um wieder mehr “echtes Leben” zu leben. Und die Entscheidung war gut – aber es reicht nicht.

Ich lehne aus politischen/ethischen/moralischen Gründen viele Lebenseinstellungen ab (wie ich es z.B. nicht lustig finde, sich über andere Menschen lustig zu machen – schon gar nicht aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung u.ä.) – und aus diesem Grund halte ich mich von vielen Menschen fern, die eben dieses tun. Irgendwie versuche ich ein diffus “politisch korrektes Leben” zu leben. So ohne massiven Drogenkonsum, möglichst ohne Ausbeutung anderer Menschen und mit möglichst wenig Gesetzeskonflikten (Generell finde ich nämlich Gesetze eine gute Sache).

Und ich werde das Gefühl nicht los, dass mir diese Lebenseinstellung einen großen Teil dessen, was ich eigentlich Leben möchte, “verbietet”.

Nein, mir geht es dabei nicht um den massiven Drogenkonsum und auch nicht darum, mich über andere Menschen lustig machen zu können. Da habe ich keine Freude dran.
Mir geht es um eine leichtere Lebensweise. Mir geht es u.a. um Extremsport. Nicht, dass ich ihn selbst dringend machen muss – aber er ist ein gutes Beispiel dessen, was ich an meinem Leben nachhaltig vermisse. “Verrückte Dinge tun”

Menschen, die dies tun, haben diese “leichtere Lebensweise” (behaupte ich). Sie machen sich nicht zu viele Gedanken darüber, was passiert, wenn der Fallschirm nicht aufgeht – oder was passiert, wenn sie beim Skaten falsch aufkommen und sich den Arm brechen. Bei den Menschen, die dies tun, nehme ich überproportional häufig “Kackscheiße” wahr. Da wird den Mädels der Arsch gegrabscht und “schwul” als Schimpfwort genutzt.
Aus eben diesem Grunde meide ich sehr häufig diese Menschen.

Ich schaffe es nicht einmal, ohne Helm Fahrrad zu fahren. Also, ich fahre schon auch ohne Helm (und habe auch keine Angst davor), halte es aber für eine äußerst gute Idee, mit Helm zu fahren (Es erhöht die Chance zu Überleben im Falle eines ersten Unfalls einfach massiv). Dazu kommt, dass ich längere Zeit als Fahrradkurier gearbeitet habe (ich kann also wirklich Fahrrad fahren ;-) ) – und mich in der Zeit daran gewöhnt habe, mit Helm zu fahren. Das mit-Helm-fahren wiederum führt dazu, dass jede Person, die mich sieht, sich denken muss “ach, der fährt mit Helm. Ist ja ein ganz sicherer …”. Oder zumindest interpretiere ich das in andere Menschen hinein, was wiederum dazu führt, dass ich mich eben so verhalte, als würde sie das denken – und versuche mich irgendwie abzugrenzen (weil die anderen ja ohne Helm fahren und bestimmt doof sind).

Natürlich ist das etwas überspitzt, aber zur Verdeutlichung, was in mir so für Gedanken sind, wohl ganz gut.

Und ich glaube, dass diese Haltung mich häufig in die Depression zieht. Das, was von außen wohl so aussieht, als hätte ich ‘nen Stock im Arsch. Und wahrscheinlich habe ich das auch – aber genau das ist es auch, weshalb mich von den Menschen, die das so sehen, abwende. Und übrig bleiben Menschen, die (ähnlich wie ich) sich sehr viele Gedanken zu allem machen und politisch korrekt leben.

Diese Menschen sind wahrscheinlich auch die allermeisten, die mein Blog lesen – und, ihr politisch korrekt lebenden Menschen: Ich mag euch. Ich mag euch sogar sehr – aber mir fehlt das “Verrückte Dinge tun”. Vielleicht tut ihr das die ganze Zeit, und ihr nehmt mich einfach nicht mit (was ich gemein fände!), vielleicht ist aber auch das verrückteste, was ihr tut, am Linux-Kernel mit zu programmieren. Ja, das ist irgendwie auch verrückt – und politisch super korrekt und wichtig. Und ich bitte euch, dies auch weiterhin zu tun, denn Linux ist super! – aber es ist nicht das “verrückt”, was ich meine. Mir verleiht so ein Linux-Kernel einfach keinen Adrenalin-Schub. Und das ist es, was mir in meinem Leben so häufig fehlt.

Update: Was mir so fehlt, in noch deutlicher:

Und das Video ist schon ganz schön kackscheiße.

Oder:

Weniger offensichtliche kackscheiße, dafür mehr krasse First-World-Probleme. Und das Gefühl den Rucksack nehmen zu wollen um für ne Zeit nach Indien zu gehen. Und dann das Problem haben, krass reicher Mensch aus dem Westen zu sein, der es sich dort quasi ausbeuterisch gut gehen lassen kann. Und womit ist zu rechtfertigen, das es mir so gut geht, wo ich so wenig arbeite – und warum es vielen Indern so schlecht geht, obwohl sie viel mehr arbeiten als ich. Müsste ich denen nicht all mein Haben geben?
Krasse Gedankengänge in meinem Kopf. Aber so sind sie.

Ich und das Atombombenexperimentierfeld Piratenpartei

Eingetreten.

Seit Mai 2009 spiele ich mit dem Gedanken, nun habe ich es getan.
Ich bin “Pirat”, halte das System “Partei” aber für falsch. Die Piratenpartei, das Atombombenexperimentierfeld der Demokratie – ein Ort wo mensch die Sinnhaftigkeit von Parteien hoffentlich ganz grundsätzlich diskutieren kann, was ich so hoch spannend finde, dass ich mich da nun einfach mal gucke, was passiert.

Parteien halte ich für das Hauptproblem heutiger Politikverdrossenheit. Politik ist hochkomplex – sich effektiv einbringen macht extrem viel Arbeit. Die Ochsentour verschleißt viele gute Ideen, Initiativen und vor allem Menschen.
Es gibt gute Gründe warum im antiken Griechenland kein Stadtstaat mehr als 10.000 Einwohner hatte – da kannten die Menschen sich unter einander und haben bei Problemen direkt miteinander gesprochen. Die heutige Demokratie ist eine Stellvertreter-Demokratie. Niemand ist selbst verantwortlich – immer war es jemand anders oder die einzelne Person übernimmt die Verantwortung für etwas, um Glaubwürdigkeit zu beweisen. Das diese Person aber tatsächlich verantwortlich ist, ist sehr unwahrscheinlich, da unser gesamtes Gesellschaftssystem nur durch Delegation funktioniert.
Wo nur noch delegiert wird, wird es schwierig die Bürger offen mit einzubeziehen. In dieser Krise stecken alle modernen Demokratien und insbesondere die Parteien, die die Demokratien verkörpern.

Aus eben diesem Grund halte ich Parteien per se als Teil des Problems und nur bedingt als Teil der Lösung – und aus diesem Grund habe ich es vermieden einer Partei – trotz jahrelangem politischen Engagement – beizutreten.

Mit der Piraten-Bewegung verändert sich die Parteienlandschaft nachhaltig. Es scheint, als würde es eine Neuerfindung des politischen Rads geben – und zugleich bilden sich in den Piraten auch die gleichen Muster wie in allen bisherigen Parteien auch. Es geht zunehmend um “die Partei”, um Umfragen und Machtansprüche, es bildet sich ein Fraktionszwang.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Utopie “Größtmögliche Freiheit bei maximaler Chancengleichheit” – und das große Feld von “Technik und Gesellschaft”, das im politischen Alltag bisher nur bei den Piraten gelebt wird. (Auch wenn z.B. die netzpolitischen Beschlüsse der Grünen denen der Piraten in nichts nachstehen … aber das die Grünen mit dem Piraten zusammen gehen sollten, bloggt ich ja schon mal.)

So bin ich nun teil der Piraten-Crew, will aber nicht Partei, sondern Utopie und gute Politik – unabhängig vom Parteibuch und nach Möglichkeit irgendwann ganz ohne Parteibuch. Mal sehen was sich auf dem Atombombenexperimentierfeld so ergibt und wo die Reise noch so hingeht.

Ich lasse das mit dem Aktivismus

Wie ich heute schon auf Twitter verkündet habe, lasse ich das mit dem Aktivismus. Ich ziehe mich zurück.

Warum?
Weil ich kann. Und weil ich will.
Wie im Winter üblich, wurde ich ende November wieder depressiv. Zunehmend dunklere Tage, ekelhaftes Wetter, kaum Freizeit. Ich habe (nachdem ich Franks Blogpost zur Winter-Depressionsbekämfpung gelesen habe) mein Tagesablauf umgestellt – und kurz danach bin ich in der Uni kürzer getreten und habe ein Fach aufgegeben. Es wurde ein wenig ruhiger und es wurde Weihnachten, der 28c3 kam – alles war gut. Dann ging die Uni wieder los und ich lag eine Woche krank im Bett. Kaum war ich zurück in der Uni wurde mir klar, dass ich Java einfach zu schlecht kann, als dass ich mich mit den “Grundlagen der Programmierung” weiter plagen sollte. Das zweite Fach von dreien schmiss ich über Bord.

Dann hatte ich wieder Zeit, mich “dem Aktivismus” zu zuwenden, was ich auch recht bald tat. Ich sortierte und laß Hunderte von Mails der AK-Vorrat-ML um mich irgendwo einzubringen – vergeblich. Mir fehlte der Punkt, an dem ich mich hätte einbringen sollen.

Vor zwei Tagen schrieb ich eine Mail auf die Liste zur Europäischen Bürgerinitiative (man überlegt im AK, ob man diese Bürgerinitiative nutzen möchte, um mit 1.000.000 Unterschriften die Kommission aufzufordern, die Vorratsdatenspeicherung abzuschaffen), in der ich für eine Professionalisierung des AKV plädierte – es sollten endlich Leute bezahlt werden, die sich wirklich einbringen können und daran arbeiten könnten – statt sich vor allem in Mailinglistendiskursen zu verstricken, die häufig das gesamte Pensum an Zeit, die man für den AK “opfert”, aufbraucht. (Zumindest ist das bei mir so).
Dies wurde abgelehnt. Möglicherweise zurecht, da der AKV eben genau so funktioniert. Da wird niemand bezahlt. Punkt.

Dann setzte sich ein Denkprozess in Gang, der noch immer nicht abgeschlossen ist. Genau genommen gab es ihn schon vorher, nur habe ich ihn gewissermaßen unterdrückt. Ich fragte mich “wofür” das alles? Warum bin ich eigentlich Aktivist. Dazu kam, dass ein Freund mich fragte, warum ich so selten Zeit habe “You’re always so busy … You have never time to go out!” und ich ihm erklärte, dass ich das mit dem Aktivismus ja noch neben dem Studium mache. Und genau dann feststellte, dass dieser Aktivismus mich fast 2 Jahre quasi nicht mehr ausgehen lassen hat. Alle Freizeit, die ich entbehren konnte, steckte ich darein, Mailinglisten zu lesen und selbst voll zu schreiben, auf Twitter zu ranten oder Abgeordnete anzuschreiben. Häufiger war ich auch auf irgendwelchen Kongressen und Meetings, um über Überwachungsbekämpfungsmaßnahmen zu diskutieren.
Ich stellte fest, dass ich seit dem ich im August nach Berlin gekommen bin, nicht einmal richtig feiern war (mit Ausnahme der 28c3-Afterparty, sowie Silvester – wiederum in der C-Base).

Ich glaube, meinen Rant gegen das Studium trifft das falsche Opfer. Noch immer finde ich das Studium “irgendwie” doof, aber mein Lebensinhalt stahl nicht das Studium, sondern meine falschen Vorstellungen vom Aktivismus. Ich redete mir ein, ich müsse doch noch etwas gegen die neue, personalisierte “Google+ Suche” machen, weil sie böse sei. Dies seien die tatsächlichen Aufgaben, statt in der Uni Übungsaufgaben zu lösen. Vor zwei Tagen wollte ich mich gar für das Europaparlament aufstellen lassen, um mehr ausrichten zu können, im “Kampf gegen die Bösen”.

Ich glaube ich habe mich da in etwas hinein gesteigert, in das ich mich nicht hätte hinein steigern sollen. Seit etwa 2 Jahren optimiere ich mein Leben dahin gehend, mehr Aktivismus betreiben zu können – und zugleich lasse ich mir persönlich wirklich wichtige Dinge hinten runter fallen “die können warten, bis dass wir die Welt gerettet haben”.

Und genau deshalb mache ich jetzt Schluss mit dem Aktivismus. Vorerst.
Ich habe mich von allen AKV-Listen gestrichen, um mir Ruhe zu verordnen. Ein paar andere Listen (mit deutlich weniger Traffic) lese ich weiter, um zumindest das Wesentlich mit zu bekommen. Ich brauche diese Ruhe, um mir selbst mal wieder Gedanken darüber zu machen, wie mein Leben eigentlich aussehen soll. Und was ich damit noch so anfangen will.

Diese Entscheidung ist in mir gereift. Sie betrifft zwar vor allem (neben mir selbst), den AK Vorrat – aber er ist nicht schuld. Die Leute, die sich noch immer im AK Vorrat engagieren, machen eine unglaublich tolle Arbeit. Danke dafür! Gerne würde ich mich bei jedem(!) persönlich bedanken, weiß aber, dass ich immer irgendwen unter den Tisch fallen lassen würde – und damit mir selbst, aber vor allem deren Arbeit nicht gerecht werden würde. Deshalb Danke ich nur pauschal: DANKE!

Vielleicht komme ich bald wieder. Vielleicht auch nicht. So lange aber, bleibe ich den AKV-Liste fern. Für diesen abartigen Tweet, entschuldige ich mich. Das ist Bullshit. Natürlich kann man im Aktivismus etwas erreichen – und ich fordere jeden weiter auf, sich einzumischen. Das ist wichtig. Aber, man möge sich auch weiter selbst-hinterfragen: “Was genau tue ich hier? – Und: Warum?”.
Ich suche darauf nun erst mal eine Antwort. Und sehe dann weiter.

Wie ein Mensch zum Nazi wird

Im Kraftfuttermischwerk habe ich den Arte-Film “This is England – Ende der Kindheit” gefunden. Außdrückliche Filmempfehlung, um zu verstehen, wie Menschen zu Nazis werden. Dank depublizieren ist der nicht mehr online, aber es gibt noch den Trailer:

Wer es mal schafft, den Film zu sehen, schaut ihn euch an!

Ich bin auf dem Land in Sachsen-Anhalt aufgewachsen und war eine Zeit lang in einer ganz ähnlichen Szene. Einige behaupteten Punks zu sein, andere behaupteten Nazis zu sein. Ein Teil davon findet Ausländer scheiße – und alle grölten zu den “Bösen Onkelz”. Einige, weil sie ihre Nazi-Parolen gut fanden, andere behaupteten, sie machten sich mit den Parolen über Nazis lustig und sie selbst seien sicher keine Rassisten.

Rassisten sind wir aber alle, weil wir nach Hautfarbe unterscheiden. So lange wir die Hautfarbe überhaupt als Erkennungskriterium nehmen, sortieren wir die Menschen in ethische Gruppen ein und sind damit Rassisten. Andere Menschen mit dem Qausi-Schimpfwort “Rassist” zu betiteln halte ich übrigens auch für wenig sinnvoll. Es geht nicht darum, ob wir dies sind, sondern wie wir damit umgehen.

“Ich bin kein Nazi (Wahlweise auch Rassist), aber was die $Volk machen …” geht eben gar nicht. Es geht bei der Diskriminierung nicht darum, was impliziert wird, sondern darum, was bei dem Empfänger ankommt.

Der kleine Junge Shaun hat nicht verstanden, was da passiert – aber er hatte auch keine Alternative. Nazis rekrutieren sich zumeist aus gesellschaftlich wenig angesehenen Schichten. Sie geben den Außenseitern eine Heimat, wie es kaum eine andere Organisation schafft. Sie nehmen sie mit auf und setzen dann abartige Gedanken in den Kopf, die mit der Zeit reifen und menschenverachtende Ausmaße annimmt.