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Google kotzt mich an

Google hat eine Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht ins Leben gerufen und vermischt damit (ich behaupte bewusst) ihre eigenen Interessen und die, der LSR-Gegner. Ich finde das Leistungsschutzrecht für Presseverlage schwierig, wenn nicht gar falsch. Aber, ich sehe da durchaus auch sinnvolle Idee drin, denn auch ich halte ein Urheberrecht grundsätzlich für hilfreich.

Mich jetzt weiter gegen das Leistungsschutzrecht zu engagieren, ist quasi unmöglich, ohne Google zu unterstützen. Ja, ich nutze Google, allerdings bezeichne ich mich eher nicht als Fangirl. Genau genommen finde ich die Art und Weise, wie Google seit Jahren die Netzszene lobbyiert schwierig. Ich war selbst Experte in der 6. Initiative des IG Collaboratory und schon da, war mir ein bisschen unwohl. Nein, Google hat keine Inhalte vorgegeben und auch keinerlei Klauseln unterschreiben lassen. Zudem ist nachvollziehbar, dass das Collab quasi ausschließlich von Google finanziert wird und wer im Lenkungskreis von Google kommt.

Billige “Google macht Lobbyismus”-Vorwürfe greifen nicht. Google lobbyiert in sehr vorbildlicher Form – transparent. Google nimmt aber seit Jahren die Netzszene immer weiter für sich ein. Der Collab-Thinktank vereinnahmt natürlich die Experten. Mir hat niemand gesagt, ich dürfe nicht schlecht über Google schreiben und doch fällt es sehr schwer, den Leuten, die mir helfen, aktiv zu sein und möglichst viel erreichen zu können, auf die Finger zu hauen. Ich möchte auch explizit niemanden persönlich beschimpfen. Alle Google-Mitarbeiter, mit denen ich bisher zu tun hatte, haben sich vorbildlich verhalten und keinen möchte ich böse Absichten vorwerfen. Und doch nervt es mich, wie Google uns vereinnahmt – und sie es uns schwerer machen, uns von ihnen loszusagen.

Das System Google kotzt mich trotzdem an. Und zwar gewaltig. Es nervt mich, wie es zum Standart wird, Google zu nutzen. Wie es normal wird, für Google zu kämpfen. Und vor allem nervt mich, wie Google zunehmend unseren Staat außen vor lässt. Ich halte mich für einen durchaus staatskritischen Menschen, aber unser Staat ist zumindest grundsätzlich demokratisch legitimiert. Google ist ein Konzern und Google tut, was Google Geld einbringt. Jede “nette Gabe” ist auch eine Imagekampagne für einen Konzern, dem es darum geht, Geld zu verdienen.

Ich habe Angst davor, dass wir in 10 oder 15 Jahren unsere Staatsmacht an Provider verloren haben, auf die wir keinen Einfluss mehr haben. Ich sehen große Probleme darin, dass wir uns nicht nur auf das geborgte Internet vor Google verlassen, sondern sie auch anfangen unseren Interessen zu vertreten und ein Stück weit unser neuer Staat werden. Und ich möchte, dass wir uns von Google in aller Deutlichkeit lossagen – und das Leistungsschutzrecht trotzdem nicht kommen wird. Pfui Google! Pfui Leistungsschutzrecht!

Was genau ist Datenschutz?

Der Datenschutz hat sich lange vor der Privatsphären-Diskussion á la Facebook, Google und co gebildet. Er hat sich auch nicht aus Angst um die “Privatsphäre” gebildet, sondern aus Angst vor der technischen Fremdbestimmung. In den 80ern waren KI-Forscher (Künstliche Intelligenz) deutlich euphorischer als Heute und verkündeten, dass in 10 Jahren Computer das selbe könnte, wie Menschen. Es gab den Turing-Test und dieser sollte innerhalb von 10 Jahren bestanden werden. Heute, 30 Jahre später, hat es noch immer keine Maschine geschafft diesen Test zu bestehen.

Mit der Angst vor diesen denkenden Maschinen kam der Datenschutz auf. Damit hat Julia Schramm recht, wenn sie behauptet, Datenschutz ist sowas von Eighties. Damit aber war nicht der Schutz der Privatsphäre vor anderen Menschen, sondern vor der Maschine gemeint…

Heute nun, sind wir deutlich weniger euphorisch, was die denkende Maschine angeht. Es gibt zwar einige interessante Ansätze, wie die Künstlichen Neuronalen Netze, allerdings gibt es auch gute Gegenargumente, wie das Chinesische Zimmer von John Searle. Das Chinesische Zimmer zielt darauf ab, wie Semantik in der syntaktischen Funktionsweise eines Computers möglich ist. Wie der Computer es schaffen kann ein Bewusstsein zu bekommen – was sehr schwer werden dürfte. Searle behauptet, es funktioniert nicht. Ich bin da auch seeeehr skeptisch (denn so viel ich vom Gehirn verstanden habe, ist es doch deutlich komplexer als jede technische Struktur).

Festhalten lässt sich, dass wir zwar zunehmend mehr mit Technik und Computer arbeiten (und in 10 Jahren noch viel mehr als heute), doch wird der Computer so schnell noch nicht für uns denken. Er wird noch immer nur machen, was wir von ihm verlangen – allerdings gibt es eine neue Macht. Die Macht des Algorithmus. Wir nutzen mehr und mehr Algorithmen, ohne zu verstehen, wie genau diese funktionieren. Wir vertrauen den Algorithmen und hoffe, dass sie das machen, was wir von ihnen wollen. Sicher sein können wir uns dabei allerdings nicht.

Das ist der Punkt, wo der Datenschutz heute greift. Wer nicht weiß, was mit ihm (und seinen Daten) passiert, geht im Allgemeinen eher vorsichtig vor. Das passt im Allgemeinen zu der vor-digital-natives-Generation. Wir alle kennen Menschen, die ohne Internet aufgwachsen sind und diese haben eine unglaubliche Angst davor, überhaupt irgendwo etwas ins Internet zu schreiben. Da gibt es kein Facebook, kein Twitter und erst recht kein Blog.

Der Großteil der digital-natives hat aber auch keine Ahnung, wie die Algorithmen selbst aussehen, bilden sich aber ein, das Internet “verstanden” zu haben. Als einer dieser, sehe auch ich mich. Wir meinen zu wissen, was auf Facebook passiert und schreiben da freiwillig rein – allerdings mit einer Intention. Wir “wollen” Nachrichten über uns verbreiten und uns mitteilen. Um mit Freunden noch in Kontakt zu bleiben, bleibt kaum eine andere Möglichkeit, als social networks zu nutzen. Die Zeit dreht sich schneller – wir leben in einer so kras beschleunigten Welt, dass wir uns nur noch digital verabreden können. Früher ist man einfach zu seinen Freunden gegangen und konnte was zusammen machen. Heute treffen wir unsere Freunde doch gar nicht an, wenn wir vor deren Tür stehen. Dafür sind wir zu viel unterwegs. Daher, so mutmaße ich, kommt es, dass wir uns immer mehr digital unterhalten und social networks nutzen.

Der heutige Datenschutz soll genau dieses ja auch nicht unterbinden, sondern sicher stellen, dass wir nur das, was wir mit Freunden austauschen wollen, auch austauschen. Der Datenschutz soll zum einen das Profil unterbinden, dass die Algorithmen von uns erstellen (und damit Macht über uns ausüben, weil sie (so lange wir nicht genau wissen, was die Algorithmen machen) bestimmen, was wir zu sehen bekommen und was nicht. So lange es nicht unsere eigenen Filter sind, sind es fremde Filter, die vor allem eins wollen: Geld.

Dieser Datenschutz wehrt sich gegen die Vorratsdatenspeicherung, den Facebook-like-button und Google. Hier sehe ich auch bei Datenschutzkritikern durchaus parallelen.

Das, was es aber auch gibt, ist der Datenschutzfundametalismus. Es solle kein Häuserfront im Internet auftauchen und man traut es sich auch nicht, überhaupt irgendwo was hin zu schreiben. Die Angst vor den Party-Kotze-Fotos. Hier allerdings kann man es gut runterbrechen auf das “Jeder stellt das von sich ins Netz, was er da haben will”, die informationelle Selbstbestimmung.
Weshalb aber auch dieser Ansatz mit dem Technikdeterminismus negiert wird, verstehe ich nicht. Wie oben schon (anhand der KI) aufgezeigt, gibt es viele Vorstellungen von der Technik, die nicht eingehalten werden. Technik hat Grenzen. Technik schafft es nicht *alle* Informationen allen verfügbar zu machen. Wird sie auch nie. Die Informationen müssen eh noch immer von Hand der Technik zur Verfügung gestellt werden – dann kann man sich auch im Miteinander einigen, dass jeder nur das einstellt, was ihn betrifft. Der Rest kommt einfach nicht rein (oder wird gepixelt). Beim (materiellen) Eigentum funktioniert es ja auch. Nur weil es möglich ist ein Fahrrad zu klauen tue ich es nicht. Man nennt sowas eine “Ethik” und diese Ethik funktioniert so weit sehr gut im Netz. Sie könnte besser funktionieren – und sollte es auch – aber sie funktioniert, wie es auch funktioniert, dass angeschlossene Fahrräder nicht geklaut werden – auch wenn man das Schloss (technisch) knacken kann. Es passiert doch nur sehr selten.

Das Problem Google

Google ist eines der mächtigsten Unternehmen der Welt. Kein Unternehemen ist je zuvor in so kurzer Zeit so erfolgreich geworden. Google hat es geschafft. Google ist da, wo jedes Unternehemen hinkommen will.

Wie hat Google das gemacht? – Voll im Zeitalter der “Wissensgesellschaft”, hat es Wissen gesammelt und verkauft. Einfaches Konzept.

Soweit, sogut. Oder eben nicht. Denn es gibt Widerstand. Die Menschheit beginnt zu begreifen, dass Daten einen Wert haben. Und dass, wo man mittels moderner Technik alle Daten unendlich verfielfältigen kann. Jeder hat alles immer.

Die Menschen fangen an zu verstehen, dass es in dieser “Jeder-hat-alle-Informationen-immer-überall” keine Geheimnisse mehr geben kann, es sei denn, sie werden nicht digitalisiert und in den unendlichen Rachen des Internets geschmissen.

Da Computer und Internet aber inzwischen überall sind und das Leben bestimmen, sind auch alle Daten überall. Auch die, die eigentlich mal geheim bleiben sollten. Pech gehabt, denn wenn die Daten interessant sind, hat sie jeder. Und ohne das nötige Kleingeld verschwinden sie auch nicht wieder. Manchmal verschwinden sie nie, egal was man macht.

Nun hat Google eine Suchmaschine gebaut und jeder wirft da die aller intimsten Fragen rein. Kann man auch machen, denn die weiß dann ja auch nur Google und der liebe Onkel Google erzählt es ja niemanden. Hoffentlich.

Nun hat Google sich was ganz tolles ausgedacht. Nachdem das gesamte Internet nur noch mittels Google beherrschbar ist und ganz ganz viele Bücher in den Rachen von Google geschmissen wurde, wird nun auch die restliche Welt katalogisiert und unter die Herrschaft von Google gestellt.

Doof dabei ist, dass nicht nur das Internet Google gehört, sondern demnächst auch noch die normale Welt. Eigentlich ist aber auch das garnicht schlimm, denn Google tut ja nichts böses und wir können die richtige Welt von unseren Computern und Smartphones aus begucken. Da kann der Tramper gucken, wo die beste Stelle ist, sich wieder auf die Reise zu begeben, da kann mit neuen Freunden gucken, wo man wohnt und wo man den Abend noch hingeht und da kann man den Urlaub planen. Alles super Sachen.

Nun kommt aber der doofe Datenschutz und macht alles kaput. Aber warum?

Google fotografiert nicht nur Straßen und Häußern, nein, wie das auf Fotos so ist, sind da auch Menschen, Autos und das altägliche Leben abgebildet. Schlimm ist das aber auch nicht, solange da nichts schlimmes drauf zu sehen ist. Was ist nun aber, wenn ich gerade aus einem Pornoladen komme und meine Oma sieht das auf Google? Da wird mir dann aber nochmal eine lange Geschichte über Moral, Bienen und Blüten erzühlt werden.

Ich werde mich bei Google beklagen und die werden das Bild unkenntlich machen. Was ist aber, wenn ich nicht aus dem Pronoladen kam, sondern beim Bücken fotografiert wurde und mein Tiger-Tanga sichtbar ist? Dann wird nicht nur Oma mit mir reden, sondern auch all meine Freunde, wenn sie das Bild auf Facebook geladen haben und sich drüber lustigmachen.

Dann werde ich mich wieder bei Google beklagen, das Bild wird da verschwinden, aber auf Facebook wird es bleiben. Und wenn nicht auf Facebook, dann vielleicht auf Flickr, Picasa, StudiVZ, MySpace oder es liegt noch auf irgendeinem Blog. Pech gehabt.

Das ist das Problem mit dem Datenschutz und Google. Ich sehe da aber noch ein ganz anderes. Konstantin von Notz (MdB für die Grünen) hat es auf seinem Blog im letzten Absatz kurz angerissen.

Es geht um den Verkauf des öffentlichen Raumes. Es geht darum, dass wir mit Google nicht nur Sexspielzeuge suchen, sondern auch gucken, wo wir in den Urlaub fahren. Unter der Aufsicht von Google.

Es geht darum, dass Google sein Monopol ausbaut und die gesamte Gesellschaft Gefahr läuft, sich dem Monopol nichtmehr widersetzen zu können. Wir machen uns gerade abhängig von einem einzigen Unternehmen, dass soviel Einfluss auf uns hat, dass es uns vorschreiben kann, was wir anklicken und welche Internetseiten wir sehen. Demnächst wird es uns auch vorschrieben, wo wir Urlaub machen und in welchen “Offline-Geschäften” wir einkaufen. Bald werden wir ein Streetview haben, dass uns auf dieses oder jenes Geschäft aufmerksam macht.

Das ist das eigentliche Problem mit Google.

Streetview selbst ist eine wunderbare Sache, mit der viel Sinnvolles getan werden kann. Aber warum bauen wir dann nicht unser eigenes Streetview? Die Wikipedia (wie umstritten sie auch sein mag) hat geschafft, den Bertelsmann abzulösen. Warum löst ein Gemeinschaftsprojekt nicht auch Google ab? Warum bauen wir nicht unser eigenes Streetview? Fotos haben wir mehr gemacht, als Google je machen kann – wir haben die Telefone zu Millionen mit Megapixel-Kameras. Nicht Google. Und trotzdem sind wir abhängiger von Google als Google von uns. Vielleicht ist Google nicht nur eines, der mächstigsten Unternehmen der Welt, sondern wahrscheinlicher ist, dass es DAS mächtigste Unternehem der Welt ist. Und wir sind abhängig davon. Wir können uns davon nicht befreien und werden es in der Zukunft noch viel weniger tun können.