Schützt meine Leistung! Los!
“Was tun Sie?”, werde ich gefragt. “Ich antworte” antworte ich. “So beruflich?” werde ich gefragt. “Ich arbeite” antworte ich. “Aber was arbeiten Sie denn?” werde ich gefragt. Ich schweige.
Ich bin Verleger – und jeder kennt mich. Nämlich aus der Zeitung. Ich bin derjenige, der der Welt erklärt, wie sie funktioniert. Und ich bin es, der bestimmt, wie die Welt funktioniert. Ich bin es auch, der bestimmt, dass ich nicht gefragt werde, was ich arbeite. Nicht von einem Eingeborenen. Was soll diese süffisante Fragerei danach, was ich “arbeite”?! Ich arbeite halt, und das sollen diese Eingeborenen gefälligst kapieren!
Was ich arbeite, ist doch wohl klar! Ich verlege.
Was ich verlege? Na, also hören Sie mal! Haben sie keinen Anstand mich sowas zu fragen? Immerhin bin ich es, der anderen Menschen fragen stellt und meine Meinung publiziert wird. Was soll also all diese Fragerei! Das ist doch unerhöhrt!
Ob ich schon mal etwas handwerkliches produziert habe? Natürlich nicht! Warum auch? Ich komme aus einem gebildeten Hause, da gibt es Bedienstete, die sowas machen!
Mir wird vorgeworfen, nur ich nenne es Arbeit. Dazu äußere ich mich nicht, das ist unter meinem Niveau!
Warum ich meine Leistung geschützt haben will? Ja ich fass’ es nicht! Weil es MEINE Leistung ist. MEINS, verstehen Sie das etwa nicht? Ich will doch beschützt werden, vor dieser ekelhaften Welt da draußen. Los! Tun Sie doch endlich etwas! Für mich! Für meine Kinder! Wovon soll ich ihnen denn den privaten Fahrdienst zum Privatgymnasium bezahlen?
Nun fangen diese Internet-Eingeborenen auch noch mit “Immaterialgüter” an. Nein, das geht zu Weit. Mein Kopf gehört mir, und meine Gedanken, die er produziert, ebenso! Und weil ich sie mit aller Macht vor der Welt beschütze, nehme ich sie mit ins Grab, in das ich mich leistungsschutzrechte.
Herzlichst, ihr Verleger