Tagged: CogSci

Algorithmen werden nicht den Weltfrieden bringen.

Auf der OpenMind in Kassel habe ich einen Vortrag über Algorithmen gehalten. Im Nachgang wurde mir bewusst, dass
es eigentlich gar nicht um Algorithmen geht, sondern um ein Menschenbild und eine Idee, wie Menschen so sind, geht.
Ich fand den Talk und vor allem die Diskussion im Nachgang echt gut.Darum gibt es den jetzt auch hier:

Dazu gibt es hier auch noch die Folien.

Ein ganz herzlichen Dank an die großartigen Menschen, die auf der OpenMind waren, und vor allem an all die Menschen, die die OpenMind durch vieeeeel Arbeit ermöglicht haben. Danke!

Was genau ist Datenschutz?

Der Datenschutz hat sich lange vor der Privatsphären-Diskussion á la Facebook, Google und co gebildet. Er hat sich auch nicht aus Angst um die “Privatsphäre” gebildet, sondern aus Angst vor der technischen Fremdbestimmung. In den 80ern waren KI-Forscher (Künstliche Intelligenz) deutlich euphorischer als Heute und verkündeten, dass in 10 Jahren Computer das selbe könnte, wie Menschen. Es gab den Turing-Test und dieser sollte innerhalb von 10 Jahren bestanden werden. Heute, 30 Jahre später, hat es noch immer keine Maschine geschafft diesen Test zu bestehen.

Mit der Angst vor diesen denkenden Maschinen kam der Datenschutz auf. Damit hat Julia Schramm recht, wenn sie behauptet, Datenschutz ist sowas von Eighties. Damit aber war nicht der Schutz der Privatsphäre vor anderen Menschen, sondern vor der Maschine gemeint…

Heute nun, sind wir deutlich weniger euphorisch, was die denkende Maschine angeht. Es gibt zwar einige interessante Ansätze, wie die Künstlichen Neuronalen Netze, allerdings gibt es auch gute Gegenargumente, wie das Chinesische Zimmer von John Searle. Das Chinesische Zimmer zielt darauf ab, wie Semantik in der syntaktischen Funktionsweise eines Computers möglich ist. Wie der Computer es schaffen kann ein Bewusstsein zu bekommen – was sehr schwer werden dürfte. Searle behauptet, es funktioniert nicht. Ich bin da auch seeeehr skeptisch (denn so viel ich vom Gehirn verstanden habe, ist es doch deutlich komplexer als jede technische Struktur).

Festhalten lässt sich, dass wir zwar zunehmend mehr mit Technik und Computer arbeiten (und in 10 Jahren noch viel mehr als heute), doch wird der Computer so schnell noch nicht für uns denken. Er wird noch immer nur machen, was wir von ihm verlangen – allerdings gibt es eine neue Macht. Die Macht des Algorithmus. Wir nutzen mehr und mehr Algorithmen, ohne zu verstehen, wie genau diese funktionieren. Wir vertrauen den Algorithmen und hoffe, dass sie das machen, was wir von ihnen wollen. Sicher sein können wir uns dabei allerdings nicht.

Das ist der Punkt, wo der Datenschutz heute greift. Wer nicht weiß, was mit ihm (und seinen Daten) passiert, geht im Allgemeinen eher vorsichtig vor. Das passt im Allgemeinen zu der vor-digital-natives-Generation. Wir alle kennen Menschen, die ohne Internet aufgwachsen sind und diese haben eine unglaubliche Angst davor, überhaupt irgendwo etwas ins Internet zu schreiben. Da gibt es kein Facebook, kein Twitter und erst recht kein Blog.

Der Großteil der digital-natives hat aber auch keine Ahnung, wie die Algorithmen selbst aussehen, bilden sich aber ein, das Internet “verstanden” zu haben. Als einer dieser, sehe auch ich mich. Wir meinen zu wissen, was auf Facebook passiert und schreiben da freiwillig rein – allerdings mit einer Intention. Wir “wollen” Nachrichten über uns verbreiten und uns mitteilen. Um mit Freunden noch in Kontakt zu bleiben, bleibt kaum eine andere Möglichkeit, als social networks zu nutzen. Die Zeit dreht sich schneller – wir leben in einer so kras beschleunigten Welt, dass wir uns nur noch digital verabreden können. Früher ist man einfach zu seinen Freunden gegangen und konnte was zusammen machen. Heute treffen wir unsere Freunde doch gar nicht an, wenn wir vor deren Tür stehen. Dafür sind wir zu viel unterwegs. Daher, so mutmaße ich, kommt es, dass wir uns immer mehr digital unterhalten und social networks nutzen.

Der heutige Datenschutz soll genau dieses ja auch nicht unterbinden, sondern sicher stellen, dass wir nur das, was wir mit Freunden austauschen wollen, auch austauschen. Der Datenschutz soll zum einen das Profil unterbinden, dass die Algorithmen von uns erstellen (und damit Macht über uns ausüben, weil sie (so lange wir nicht genau wissen, was die Algorithmen machen) bestimmen, was wir zu sehen bekommen und was nicht. So lange es nicht unsere eigenen Filter sind, sind es fremde Filter, die vor allem eins wollen: Geld.

Dieser Datenschutz wehrt sich gegen die Vorratsdatenspeicherung, den Facebook-like-button und Google. Hier sehe ich auch bei Datenschutzkritikern durchaus parallelen.

Das, was es aber auch gibt, ist der Datenschutzfundametalismus. Es solle kein Häuserfront im Internet auftauchen und man traut es sich auch nicht, überhaupt irgendwo was hin zu schreiben. Die Angst vor den Party-Kotze-Fotos. Hier allerdings kann man es gut runterbrechen auf das “Jeder stellt das von sich ins Netz, was er da haben will”, die informationelle Selbstbestimmung.
Weshalb aber auch dieser Ansatz mit dem Technikdeterminismus negiert wird, verstehe ich nicht. Wie oben schon (anhand der KI) aufgezeigt, gibt es viele Vorstellungen von der Technik, die nicht eingehalten werden. Technik hat Grenzen. Technik schafft es nicht *alle* Informationen allen verfügbar zu machen. Wird sie auch nie. Die Informationen müssen eh noch immer von Hand der Technik zur Verfügung gestellt werden – dann kann man sich auch im Miteinander einigen, dass jeder nur das einstellt, was ihn betrifft. Der Rest kommt einfach nicht rein (oder wird gepixelt). Beim (materiellen) Eigentum funktioniert es ja auch. Nur weil es möglich ist ein Fahrrad zu klauen tue ich es nicht. Man nennt sowas eine “Ethik” und diese Ethik funktioniert so weit sehr gut im Netz. Sie könnte besser funktionieren – und sollte es auch – aber sie funktioniert, wie es auch funktioniert, dass angeschlossene Fahrräder nicht geklaut werden – auch wenn man das Schloss (technisch) knacken kann. Es passiert doch nur sehr selten.

CogSci

Kognitionswissenschaft ist ein interdisziplinäres Studienfach, dass sich aus Psychologie, Philosophie, Mathe, Informatik und all dem zusammensetzt, was man noch brauchen könnte um das Gehirn zu verstehen.

Auf Englisch nennt es sich Cognitive Science und wird daher liebevoll CogSci abgekürtzt.

Und da hatte ich endlich eine gute Idee für mein Blog – wollte ich bloggen.

Ok, ich wollte auch mein Hauptfach – die Philosophie nicht unter den Tisch fallen lassen, aber vor allem sollte es um Kognitionswissenschaft gehen. Und ja – wie das im Netz nunmal so ist, war jemand anders schneller.

Da aber auch das Blog nicht so ganz schlecht aussieht, verlinke ich einfach mal drauf:

http://www.kognitionswissenschaft.org/

Ich werde es in den Feedreader legen und gucken, ob es sich lohnt alles nochmal zu bloggen, ob ich es ganz sein lasse mit dem Bloggen auf einem unbekannten Blog, oder ob ich mich offen zur “Konkurenz” mache und versuche ihm die Leser streitig zu machen. Möglich, dass wir auch einfach beide bloggen, aber doch aus sehr verschiedenen Sichtwinkeln…

Cool wäre da je ein richtiges Wissenschaftsblog bei den Scienceblogs – http://www.scienceblogs.de/ – aber dafür müsste ich dann wohl auch Wissenschaftler sein und kein einfacher Student :-/

Wer sich da aber auch für interessiert kann sich ja noch ein bisschen informieren:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitionswissenschaft

http://www.gk-ev.de/

Oder es in Scroogle eingeben – Google per Proxy ohne Verkauf der Daten!

Bearbeitung: Setzen der Links. WordPress erkennt die URLs leider nicht als Links.