zweifeln.org

Softwareschmiede für's WebOffice

Ich mag freie Software. Und ich mag das Internet. Lange Zeit glaubte ich, dass sich im Internet immer freie Software durchsetzen würde, denn das Web als solches ist ja frei und offen. Irgendwann hielt ich inne und merkte: das Internet, wie ich es alltäglich nutze ist in weiten Teilen nicht offen. Viele Dienste, die ich täglich nutze sind nicht offen. Twitter, Facebook, YouTube und Google mit all seinen Diensten ist nicht offen und frei, wie ich es mir wünschen würde. Bei genauem Hinsehen ist mir dann aber auch aufgefallen, dass es für alle diese Dienste auch freie und offene Alternativen gibt. Zu fast jedem Dienst haben sich mal Idealisten hingesetzt und was offenes gebaut um nicht von den großen (quasi)Monopolisten abhängig zu sein. Und das ist einigermaßen großartig - aber leider auch nur einigermaßen. Viele der Dienste lassen sich in viel gefrickel einrichten, aber so schön und einfach wie die Konkurrenz ist die Frickellösung selten. Meinem Vater werde ich die Alternativen vermutlich nicht erklären können (Google versteht er sehr wohl).

In der Piratenpartei gab es die Idee des “OpenLV”, des offenen Landesverbandes, die sich so ein System zum Ziel setzte. Die Ausgangslage war da, dass es in der Piratenpartei unglaublich viele offene Systeme gibt, auf denen irgendwas steht, es aber nahezu unmöglich war (und ist), bei diesen vielen Plattformen die Übersicht zu behalten. Es braucht ein System zum Informationsmanagement. Letzten Sommer entstand das Konzept Gelassenheit durch Transparenz, dass Anfang des Jahres dann zum OpenLV weiterentwickelten und ein wenige konkretisiert wurde.

Wie das in ehrenamtlichen Gruppen aber so ist, kamen von Arbeitstreffen zu Arbeitstreffen weniger Leute und passierte leider auch nur noch sehr wenig. Und schließlich kamen wir an den Punkt, dass uns klar wurde, dass wir ein so umfassendes System nicht ehrenamtlich neben der restlichen ehrenamtlichen Parteiarbeit, bezahlter Arbeit und ggf. Studium durchziehen können. Das ist ein so umfassendes Projekt, dass es von einer ehrenamtlich arbeitenden Partei unmöglich gestemmt werden kann. Es braucht dafür gute Entwickler, die sich Vollzeit darum kümmern können, damit so ein System auch in absehbarer Zeit entsteht.

Der OpenLV wurde abermals umgenannt in OpenOrga und Katja hat auch mal die Domain openorga.net registriert. Seit meinem Rücktritt habe ich wieder deutlich mehr über das Projekt nachgedacht und es ist mir zu wichtig, um es nicht zumindest zu verbloggen. Und eigentlich habe ich wirklich Lust eine Softwareschmiede zu gründen, die sich freie und coole WebOffice-Tools baut - und Mitarbeiter ordentlich bezahlt. Was fehlt ist die Idee, woher das Geld zum Bezahlen kommt, also der Businessplan. Und Leute, die was vom Softwareschmieden verstehen und mitmachen wollen, auch wenn etwas ungewiss ist, was dabei heraus kommen mag. Aber vielleicht gibt es ja Menschen, die da wirklich mitmachen wollen und wir setzen uns einfach mal zusammen und gucken, was wir da tolles draus machen können. Wer an einer coolen Softwareschmiede mitarbeiten will oder noch super Hinweise hat, bitte melden!

 
 

Rücktritt

Ich bin gestern, am 26.05.2013 mit Ende der Vorstandssitzung vom Amt des Beisitzers im Landesvorstand aus persönlichen Gründen zurück getreten. Die “persönlichen Gründe” möchte ich gerne ausführen.

Ich bin noch immer Vollzeitstudent an der Fernuni Hagen und habe letztes Semester auch 2 Prüfungen geschrieben und bestanden (mehr schlecht als recht). Daneben arbeite ich nach wie vor beim Elektrischen Reporter um meine Miete und mein Brot bezahlen zu können. Und dazu kam noch ein gefühlter Vollzeitjob Landesvorstand als Ehrenamt. Das ist <a href=”http://zweifeln.org/2012/280-stress-mein-leben-als-politiker/”wie ich schon schrieb</a> mit sehr viel Stress verbunden. Ich versuchte das zu minimieren und weniger zu machen - und ich habe auch weniger gemacht. Aber das Niveau liegt noch immer deutlich über dem, was ich für gut für mich halte.

Dazu kommt, dass ich meinen eigenen Anforderungen nicht gerecht werde. Ich trat an, um möglichst gute Strukturen zu bauen und auch an tools zu arbeiten, die helfen Diskussionskultur waren und der Chancengleichheit helfen. Ich war auch überzeugt vom Konzept “Gelassenheit durch Transparenz”. Nach einiger Verzögerung lief das im Januar auch an und wir haben aus dem “Teppich” den “OpenLV” gemacht und allerhand Ideen zusammengetragen und teils strukturiert, wie wir uns die vegane eierlegende Wollmilchsau denn haben wollen. Viel weiter kamen wir damit leider auch nicht. Es fehlte an wirklich engangierten Leuten, die sich da rein hängen und das Projekt wuppen. Möglicherweise war es auch falsch, das ganze innerparteilich von Ehrenamtlichen wuppen lassen zu wollen, denn so ein großes Softwareprojekt ist ein großes Softwareprojekt und wenn das ordentlich laufen soll, sind hauptamtliche Entwickler extrem vorteilhaft, damit da wirklich 20-40/Woche dran entwickelt werden kann und das Projekt nicht erst nach der Eröffnung des BER fertig wird.

Daneben habe ich die Liquid-Treffen koordiniert vor allem den großartigen Björn als Hauptadmin und Mario als weiteren Admin vom Liquid mit Arbeit versorgt. (An dieser Stelle mal ganz ganz vielen Dank den beiden!) Die automatisierte Akkreditierung für’s Liquid via Whitelist steht leider noch aus, aber darum werde ich mich wie um eine ordentliche Dokumentation des Liquid-Systembriebs noch kümmern. (Ich will mich dafür beauftragen lassen, damit ich das auch weiterhin tun kann.)

Daneben allerdings ist von dem, was ich mir vornahm sehr wenig passiert. Der Vorstandsjob als solcher frisst sehr viel Zeit für Meta-Organisation, Befindlichkeiten und innerparteilichen Reibereien, in die eins als Vorstand immer wieder rein gezogen wird. Auch das sehe ich als eine Aufgabe des Vorstandes an, mit dem Mitgliedern ordentlich zu kommunizieren. In letzter Zeit allerdings fiel mir eine angemessene Kommunikation zunehmend schwerer. Es passierte, dass ich einzelnen Menschen gegenüber ausfallend wurde. Ich schiebe es auf meinen derzeitigen Lebensstress, weiß aber auch, dass das keine Entschuldigung sein kann. Für einen Vorstand gehört es auch, die nötige Contenance zu wahren und ansprechbar zu sein.

Gerade die Ansprechbarkeit ist bei mir nicht mehr gegeben. Zu den zwei anderen Jobs (Studium und Elektrischer Reporter) kam noch ein Krankheitsfall in meiner Familie, der mir zusätzliche Zeit und vor allem Nerven raubt. Selbst wenn das nicht gewesen wäre, fehlt mir auf Dauer der Ausgleich zu der vielen Arbeit um die Arbeit auch ordentlich machen zu können. Ich merke selbst, dass alle drei Jobs sich in meinem Leben gerade gegeneinander ausspielen und insbesondere mein Studium darunter leidet. Das muss enden. Und da ich mein Studium schon zweimal umsattelte und einen bezahlten Job brauche um meine Miete zahlen zu können, muss der ehrenamtliche Job gehen.

Hinzu kommt, dass ich immer mehr das Gefühl habe vom geplanten, durchdachten Aktivismus zum Aktionismus überzugehen, um überhaupt was zu machen. Und wenn Aktivismus in Aktionismus übergeht, ist es Zeit aufzuhören und darüber nachzudenken. Vielleicht wieder neue Kraft zu tanken neue Ideen aus der neuen Erfahrung zu entwickeln und sich dann auch wieder stärker einbringen. Wenn ich in paar Monaten wieder die Kraft habe, für die Partei zu brennen, dann werde ich mich auch wieder einbringen. Auf welchem Posten ist zweitrangig.

Danke, Berliner Pirat*innen. Das war eine extrem spannende Zeit und ich habe unglaublich viel in der Zeit gelernt. Danke insbesondere auch an meine Vorstandskollegen GA, Benny, Gordon, Manuel, F0o0 und Frank. Ich hätte mir kaum bessere Kollegen wünschen können. Die Zusammenarbeit mit euch war durchweg super. Wie GA sagte: “wir können uns ja auch weiter treffen”. Und ich bin mir sicher, das werden wir - auch wenn vlt nicht mehr so häufig, wie zuvor :)

Kommentare

von: Rohrwallpirat

Danke für deine tolle bisherige Arbeit und Engagement. Ich kann deine Begründung sehr gut nachvollziehen. Du bist dann ja nicht aus der Welt. Einfach mal Danke für deinen bisherigen und aich zukünftigen Einsatz.

von: Etienne

Lieber Gero,

schade, sehr schade, aber sehr gut nachzuvollziehen. Du hast vieles versucht anzuschieben, aber leider fehlt wohl in Berlin an allen Ecken und Enden derzeit die Energie. Und das, was noch da ist, wird aufgesaugt durch unnötige Reibereien.

Erhol Dich, komm zur Ruhe, dann komm wieder, in dem Maße, in dem es Dir möglich ist.

Danke für Deinen Einsatz,

Etienne

 
 

Piratenpartei - fail by design

Pyth ist ausgetreten. Ich möchte der Partei global vor die Füße kotzen. Nicht, dass HerrUrbach und Ennomane nicht schon Grund genug gewesen wären. Ich möchte wild um mich schlagen, zetern und die Partei retten. Allein, ich schaffe es nicht. Und dabei bin ich mindestens mitschuldig. Auch ich sitze im Berliner Vorstand mir meinen Arsch platt und bleibe bei schön klingenden allgemien-Blah-Blah (Link zum Archiv der Berliner Liste - ihr müsst dafür Abonnenten der Liste sein). Auf Nachfrage, dass wir als Vorstand auch konkret vorgehen sollen, reagiere ich nicht. Ich hätte gerne geantwortet, ja, machen wir. Ich würde tatsächlich gerne PAVs verteilen. Allein, ich schaffe es nicht.

Nach Rücksprache mit dem Landesschiedsgericht haben wir geklärt, dass wir, der Landesvorstand, PAVs (gut begründet) beschließen müssen, um sie dann dem BuVo zu geben, der das nochmal beschließt, um dann zurück auf Landeseben vor das Landesscheidsgericht zu ziehen und wenn wir wirklich gut nachgewiesen haben, dass ein “großer Schaden für die Partei” entstanden ist, können wir drauf hoffen, dass ein Mitglied aus der Partei ausgeschlossen wird. Und alles, was selbst daraus folgt ist, dass sich das Mitglied nicht mehr auf Veranstaltungen akkreditieren kann. Es darf dort weiterhin auftauchen und es kann auch weiterhin Mailinglisten und Twitter betrollen. Es kann weiterhin Blogposts schreiben und es kann auch weiter behaupten, im Herzen schon immer Pirat gewesen zu sein. Dagegen gibt es keinerlei Vorgehensweise. Es ist schlicht nicht vorgesehen, dass wir oder irgendeine andere Institution irgendwie dagegen vorgehen kann. “Wir sind doch offen.”

Zusammengefasst: wir können den Vorständen und Schiedsgerichten unglaublich viel Arbeit machen um dann formal korrekt festzustellen, dass die rausgeschmissenen Menschen noch immer die Partei kaputt trollen können. Es also auch nichts bringt - bis auf einen haufen Arbeit, für nicht bezahlte Vollzeitjobs.

Es ist in der Struktur der Partei so angelegt. Wir wollten das so. Wir behaupteten, das sei ein Feature. Wir stellen fest, es ist ein Bug. Fail by design. Die Partei besitzt keine Struktur, die es erlaubt, wirksam gegen trollende, hetzende, pöblende Menschen vorzugehen. Und das ist mit Abstand der größte Fail dieser Partei - und ich habe keine Idee, wie und ob wir das wieder gut machen können.

Kommentare

von: Bunki

Ich finde mit WP001 ist schon die Lösung integriert:

Verrückt ist auch normal

Der Bundesparteitag der PIRATEN möge diesen Antrag gegebenenfalls auch modular beschließen und den Inhalt im Programmbereich Psyche einfügen:

Modul 0

Änderung des Programmbereichstitel

Der Wahlprogrammbereich Psyche wird umbenannt in Verrückt ist auch normal.[…]Das Ziel der politischen Arbeit der PIRATEN ist eine größtmögliche Inklusion aller Menschen. Um dieses Ziel zu erreichen, beziehen wir die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung in unser Programm mit ein. Die Gesundheitspolitik hat die Ziele medizinische und psychosoziale Hilfe zu gewährleisten, eine Behandlung zu garantieren, wo diese nötig ist …

von: corax

Nein. Laut SGO BUND §1 (Abs 2) http://wiki.piratenpartei.de/Bundessatzung#.C2.A71-_Grundlagen

kann kein LV eine abweichende SGO haben die in wesentlichen Punkten abweicht.

Natürlich darf ein Landesvorstand ein PAV beantragen, aber nicht direkt beim LSG sondern erst einmal beim BuVo. Jede niederschwelligere Ordnungsmaßnahme kann er selbst verhängen. Ziel der Regelung ist es, dass der BuVo bei solch schwerwiegenden Entscheidungen informiert ist und sich der Fail mit Bodo Thiesen ‘Ne bis in idem’ http://de.wikipedia.org/wiki/Ne_bis_in_idem nicht wiederholt.

Der LaVo kann ein PAV beantragen, aber beim BuVo, der prüft es und leitet es dann ans zuständige LSG weiter.

verständlich?

von: Gero

Gefühlt bringen “normale” Ordnungsmaßnahmen genau nichts. Davon haben wir inzwischen schon einige verteilt, aber es gibt quasi keinerlei positiven Effekt. Zumal OMen im Allgemeinen nicht-öffentlich beschlossen werden und auch nicht öffentlich zugestellt werden, sodass nur die Betroffenen und wir als Vorstand davon wissen. Pasteiausschluss sagt zumindest ganz deutlich, dass manche Menschen in der Partei nicht willkommen sind.

von: Gero

Ohne Beauftragung oder Amt ist niemand berechtigt, für die Partei zu sprechen. Das ist immer justiziabel. Ob die Person ein Parteiausweis hat oder nicht ist egal.

von: Gero

Mir war dieser Beschluss nicht bewusst. Nun ist er es und ich werde die nächsten Tage und Wochen uns einige Arbeit damit machen, Leute von Mailinglisten zu verbannen.

von: Gero

Es sind zwei Bugs. Der eine ist in der Berliner Satzung, die nicht besagt, dass der Vorstand ein PAV beantragen darf. Das ist unser Berliner Problem.

Der zweite Bug ist (soweit ich das verstanden habe und ich finde das alles einigermaßen verwirrend) die Schiedsgerichtsordnung als Teil der Bundessatzung, die sich nur auf die restliche Bundessatzung bezieht und nicht explizit auf Landessatzungen. In der Bundessatzung steht danach aber nur, dass der BuVo PAVen darf und nicht ein LaVo. Das jedenfalls haben mir neulich unsere Schiedsrichter*innen erklärt. (Und das würde auch erklären, warum das mir einzig bekannte erfolgreiche PAV in MV statt fand, denn da haben sie eine eigene Scheidsgerichtsordnung.)

von: Stefan

Das ist nicht richtig. PAV wird vom Landesvorstand beim Landesschiedsgericht beantragt und von diesem verhängt. Das ist Rechtsprechung des Bundesschiedsgerichts. Alles andere ist Legende.

von: Gero

Danke für den Hinweis des virtuellen Hausverbotes. Mir war schlicht nicht klar, dass wir dazu tatsächlich schonmal Dinge beschlossen haben und kam auch selbst nicht auf die Idee, dazu einfach was zu beschließen. (warum auch immer das nicht von selbst in meinen Kopf kam, weiß ich nicht.) In der Tat haben wir (also unsere Vorgänger*innen) das ziemlich kluges dazu beschlossen: https://wiki.piratenpartei.de/BE:Beschlussantrag_Vorstandssitzung/2011-04-13/03 und genau das werde ich jetzt auf allen MLs, die ich überfliege konsequent durchziehen. Damit hoffe ich zumindest in Berlin an einem besseren Klima arbeiten zu können. Danke nochmal :)

von: Bkill

Muss mich nochmal korrigieren. Ein PAV benötigt die Autorisierung des Bundesvorstands. Frage ist ob man das ändern sollte.

von: Pompeius

Dass ihr PAVs erst noch dem Bundesvorstand vorlegt, ist eine Angelegenheit eurer Berliner Satzung. Andere LVs machen das direkt. Ändert natürlich nichts daran, dass das gut begründet sein muss.

Und natürlich könnt ihr Leute als Ordnungsmaßnahme von Mailinglisten ausschließen, wenn ihr euch da entsprechende Regelwerke gebt. Womöglich haben Parteimitglieder ein Widerspruchsrecht vor dem Schiedsgericht. Nicht-Mitglieder könnt ihr jederzeit ausschließen.

von: corax

PAVs können nur vom BuVo beim zuständigem SG beantragt werden.

§6 (Abs 2) Satz 2

http://wiki.piratenpartei.de/Bundessatzung#.C2.A76-_Ordnungsma.C3.9Fnahmen

Das ist kein Bug der Berliner Satzung, das ist die korrekte Umsetzung der Bundessatzung.

Andere Ordnungsmaßnahmen kann die jeweilige Gliederung selber verhängen.

von: Björn

Psychische Gewalt, z.B. Mobbing sehe ich als vollkommen berechtigten Grund zur Verhängung von Hausverboten. Das IST Gefahrenabwehr. Dass die Dokumentation da vernünftig gemacht werden muss, und das auch durchaus nicht immer ganz leicht abzugrenzen ist - richtig. Die Methode halte ich trotzdem für gerechtfertigt :-)

von: Saliko

Wir können konsequent ignorieren. Jeder einzelne von uns. Wir müssen uns nur jeder dazu entschließen. Bei uns (Sachsen-Anhalt) habe ich den Eindruck, klappt das grade ganz gut. Ignorieren macht auch keine Orga-Arbeit. Bei Veranstaltungen Hausverbote.

von: Oni

Ignorieren ist keine Option. Das hieße, dass Mobber unwidersprochen innerhalb der Partei schlechte Stimmung machen dürfen. Die Angegriffenen *werden* davon verletzt. Das dürfen wir nicht ignorieren.

von: Andreas Romeyke

Ganz ehrlich, jeder Vorstand hat die Mittel sich klar zu positionieren.

Ja, es stimmt, daß wir früher das Problem hatten, Ordnungsmaßnahmen (OM) zu verhängen, einfach weil die Kriterien nicht vorhanden waren. Der damailige Landesvorstand Sachsen ist aber konsequent gegen Leute vorgegangen, die zB. in den Geschäftsräumen der Partei andere angespuckt haben, oder beleidigend wurden. Leider waren es dann Äußerungen von Peukert (scheint ja hinzugelernt zu haben) und Co., die der Meinung waren, diese Maßnahmen wären nicht gerechtfertigt gewesen.

Als Vorstand muß man aufpassen, daß man zum einen Schaden für die Partei abwendet, zum anderen, daß man aber nicht berechtigte, aber unbequeme Kritik sanktioniert. Mittlerweile gibt es ja wenigstens die Diskussion über das Thema und entsprechende Urteile der Schiedsgerichte, die eine Anwendung von Ordnungsmaßnahmen zu lassen.

Dennoch ist es niemals eine leichte Entscheidung. OM zu verhängen bedeutet für einen Vorstand immer auch erheblichen Aufwand, da er ja die Entscheidung (zu recht) dokumentieren und nachvollziehbar und von Schiedsgerichten überprüfbar machen muss.

Die von Occcu ins Gespräch gebrachte Variante der Hausverbote halte ich für ungeeignet, da dort in der vergangenen Zeit genau diese Dokumentation, Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit die OMs erfordern nicht sichergestellt wurde. Ich erinnere hier an das Hausverbot an Herrn Plagge, welches zur Piratinnenkon ausgesprochen, bis heute aber nicht wirklich begründet wurde (es gab 3 “offizielle” Statements, die sich widersprachen). Hausverbote wären IMHO nur zur Gefahrenabwehr auszusprechen.

Ich hoffe, ich habe ein wenig zu einer differenzierten Betrachtungsweise beigetragen

Mit freundlichen Grüßen

Andreas

von: Petra

Danke für deinen Beitrag und danke @netnrd für die Anregungen! Hausverbote - virtuelle und reale - finde ich sehr erwägenswert. Trauen wir uns, eine Liste zu veröffentlichen und dafür zu sorgen, dass sie überall bekannt ist? Ich bin dabei, couragierte Leute zu finden, die die anderen darin zu bestärken, klare Kante zu zeigen und wirklich jemanden rauszuwerfen! Und was Mailinglisten angeht: Klare Regeln und entschiedene Admins. Warum klappt das nicht? Was braucht es hier noch, um das umzusetzen?

von: Bkill

Zum Kommentar von Daniel: das ist möglich und sogar nötig! An die die hier dann noch Offenheit einfordern: Personen die es soweit gebracht haben das sie von einem LSG feierlich zu Ex-Piraten ernannt werden haben ihre Chance gehabt! Es gelten nicht die gleichen Regeln wie für nicht Piraten die sich einbringen wollen!

PS: die Tatsache das ihr ein PAV vom BuVo machen lassen müsst ist ein Bug in der Berliner Satzung. In NRW wird das LSG auf Anruf des Landesvorstand sofort tätig!

von: AR

Als Außenstehender, der inhaltlich mit den politischen Zielen der Piraten sympathisiert, sind es diese persönlichen Berichte über das Innenleben der Partei, die interne “Diskussionskultur”, Mobbing, Verleumdungen, falsche Anschuldigungen etc., die mich von einem Parteibeitritt abhalten. Ja, ich habe Sympathien für die Piraten aber ich habe keine Sympathien für eine Partei (und deren Vorstände), die diese Vorkommnisse durch Nichtstun und Totschweigen duldet und akzeptiert.

von: zig

Sry aber “es macht keinen Unterschied” lasse ich nicht gelten. Doch, es macht einen Unterschied. Ich muss mich nicht mehr fragen lassen warum solche Menschen immer noch in der Partei sein dürfen. Ich kann ihnen sagen: Geh weg, du bist hier nicht gewünscht. Ich kann Angegriffenen die Gewissheit geben, dass sie unterstützt werden und sie nicht ohne Halt durch ihren Vorstand dastehen. Ich kann rechtlich gegen diese Menschen vorgehen wenn sie ihre Meinung immer noch im Namen der Partei verbreiten. Und ich als Aussenstehender muss mich nicht mehr fragen warum so ein toller LV wie Berlin solche Idioten duldet…

von: Oni

Einerseits: Ja, neurotische Mobber werden auch von außerhalb Engagierte belästigen. Andererseits: Es macht durchaus einen qualitativen Unterschied ob Menschen von innerhalb der Partei gemobbt werden oder ob offiziell festgestellt ist, dass die Mobber nicht in unsere Partei passen. Davon abgesehen gibt es durchaus andere Ordnungsmaßnahmen die ein Vorstand ergreifen kann, wenn die Hoffnung auf ein erfolgreiches PAV aus seiner Sicht nicht groß genug ist. Auch das setzt ein Zeichen, dass man nicht ungestraft Menschen verletzen darf.

von: @netnrd Daniel Schwerd

Vor allen Dingen kann man ein Hausverbot - also ein Verbot, auf Stamtischen aufzutauchen, aber auch ein virtuelles, also auf Mailinglisten und Foren zu trollen - auch ohne Schiedsgericht ausgesprochen werden. Das kann ein Vorstand einfach so tun, eine Gliederung kann sie auch per Beschluss dazu auffordern. Man realisiert damit die politische Komponente einer solchen Entscheidung: Sich klar zu distanzieren, Position zu beziehen. Die juristische überlässt man den (Schieds-)Gerichten.

Es ist traurig, dass die Partei das nicht begreift, das politisches Handeln, politisches Positionieren auch darin besteht, sich von Brandstiftern und diskriminierenden Personen zu distanzieren. Und es unbedingt sein muss.

von: corax

Legende. Aha. Ich hab den Satzungsabschnitt oben verlinkt. Aber meint ihr alle mal alles besser zu wissen. Hat bei Bodo Thiesen ja auch super geklappt ihr Experten.

von: occcu

Was ist mit Hausverboten? Als Veranstalter haben Vorstände immer das Recht, Hausverbote auszusprechen. Die allein würden vielen Betroffenen schon helfen, weil sie eine gewisse Sicherheit darstellen und unheimlich stark gegen ein Klima der Angst helfen können. Ich selbst war jahrelang nicht auf Veranstaltungen, weil keiner meiner Vorstände sich dazu durchringen konnte. Die Folge war, dass ich nur noch online kommunizierte und die Angst nur immer größer wurde, weil ich nicht in Treffen vor Ort überprüfen konnte, ob mein absolut angstbesetztes Bild dieser Partei noch realistisch ist. Wäre es mir möglich gewesen, solche Treffen zu besuchen, hätte ich viel eher gemerkt, dass bei weitem nicht alle Piraten so sind, wie es in meinem Kopf durch meine Filterbubble wirkte.

von: Gero

Hausverbote sprechen wir durchaus auch aus. Das Problem besteht allerdings nur ganz bedingt auf real-life-Parteiveranstaltungen und viel mehr auf Twitter, Mailinglisten, Blogkommentaren. Und natürlich auf nem Crewtreffen hier und auf nem Biertrinken da, bei dem über die eine oder andere Person hergezogen wird und Verleumdungen und Falschbehauptungen aufgestellt werden. Die direkte Aussprache findet nur ganz selten statt, sondern es ist häufig ein “über dritte”, was die Stimmung so vergiftet. Und ich glaube, es gibt einige Menschen, die ganz besonders gut darin sind, die Stimmung zu vergiften und um die wir uns kümmern müssen, nur das wie ist nicht so ganz leicht zu beantworten.

 
 

Scheitern lernen

Den spannendsten Gedanken der re:publica gab mir Regine Heidorn mit. Den Gedanken des Scheiterns. Seit nun zwei Tagen geht mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf, dass wir das Scheitern lernen müssen. Egal, ob “wir” gerade die Piraten sind, oder die Netzgemeinde. Ich glaube, scheitern sollten alle lernen. Dazu soll es im November auch ein Barcamp geben.

Das Eingeständnis, etwas nicht hinzubekommen ist nicht der Untergang der Welt. Wenn wir die Netzneutralität durch die Telekom gerade kaputt machen lassen, ist das ziemlich doof, aber wir werden davon nicht sterben. Wenn die Piratenpartei den Einzug in den Bundestag vergeigen wird, ist auch das allenfalls ein Beinbruch, nicht aber das Ende der Idee, für die sie sich mal gegründet hat und für die noch immer viele viele Piraten täglich streiten (im guten wie im schlechten Sinne).

Es ist allerdings auch wichtig, den Moment zu sehen, wenn weitere Aktivitäten nichts bringen. Manchmal ist es auch besser zu erkennen, dass das Leben auch noch aus anderen Dingen besteht und all dem Pathos (wie auch Sascha Lobo ihn fordert) zum Trotz keine weiteren Kampagnen mehr fährt, sondern zur Ruhe kommt, in sich geht und guckt, worum es eigentlich geht. Ob sich inzwischen nicht auch neue Wege aufgetan haben, wie die einstigen Ziele erreicht werden können. Vielleicht stellt sich sogar heraus, dass die einstigen Ziele überholt sind und die Aktivitäten nur noch aus Routine weiter betrieben werden.

Die Lage hat sich die letzten Jahre über verändert - sind die Methoden, die wir nutzen, noch die Richtigen? Und wie schaut es eigentlich mit den Zielen aus? Die Piratenpartei hat großartige Programme entwickelt, die ich sehr ungern in Schubladen verschwinden lassen würde, aber sind die Strukturen der Partei funktional in Ordnung, sodass die Partei auch tatsächlich Politik betreiben kann, oder braucht es vielleicht noch viel Hirnschmalz für bessere Strukturen, die uns besser arbeiten lassen? (Wie Möglicherweise die Ständige Mitgliederversammlung ein gutes Strukturupdate sein könnte?) Mir ist dabei wichtig, dass wir nicht einzelne Aspekte (wie hier möglicherweise die SMV) zum Allheilsbringer vergöttern, denn Sicher, wird eine Anpassung nicht alle Probleme der Welt lösen. Vielleicht sind einzelne “Updates” sogar ein Rückschritt, aber wir werden es nicht herausfinden, wenn wir es nicht probieren. Vielleicht kommen in 2 Jahren die Bedenkenträger, wie sie heute schnell diffamiert werden, und werden all ihre Bedenken bestätigt sehen und dann ist es an uns allen, das Scheitern einzugestehen. Vielleicht geht es danach in eine andere Richtung weiter, vielleicht wird der Schaden für die Partei sogar irreparabel, aber ich glaube, wir sollten uns darauf einlassen.

Einst bezeichnete ich die Piratenpartei als Atombombenexperiementierfeld und behauptete, der Point of no return sei überschritten. Heute bin ich mir sicher, dass das falsch war. Es gibt immer ein Zurück. Und die Partei testet auch (noch) keine Atombomben, sondern allenfalls eine Atombombensimulation. Wenn die kaputt geht, müssen wir wohl ein neues Wiki aufsetzen und eine neue Partei machen. Oder vielleicht auch ohne Wiki. Oder vielleicht auch ohne Partei aber trotzdem die gleichen Zielen. Vielleicht haben wir bis dahin auch ganz andere Ziele und erkannt, dass die bisherigen falsch waren. Wichtig ist, dass wir darüber nachdenken, was wir eigentlich tun und uns selbst nicht aus Betriebsblindheit kaputt machen. Wir sind ein Experiement, wir dürfen scheitern. Aber lasst uns das Experiment dokumentieren, damit es ggf. beim nächsten Mal besser gelingt. So lange es nichts besseres gibt, bleibe ich bei meiner Spielpartei.

Kommentare

von: karin

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ja, man muss manchmal den Moment erkennen in dem man aufhört zu kämpfen… Aber man muss bereit sein immer wieder aufzustehen und es weiter zu versuchen! Die Netzgemeinde lebt, wir sind viele und wir werden nur scheitern, wenn wir nicht endlich aufhören uns im Selbstmitleid zu baden… Ich zitiere mal die neue politische Geschäftsführerin der Piraten: Wir müssen uns den Arsch aufreißen und die anderen Parteien (ergo: ALLE PARTEIEN) vor uns her treiben!

von: Regine Heidorn

Im Bereich der Politik ist der Umgang mit dem Scheitern besonders tabuisiert. Schließlich hängt einerseits für sehr viele Menschen sehr viel von politischen Entscheidungen oder dem Aussitzen von Entscheidungen (Aussitzen - das Scheitern der Politik) bzw dem Nicht-Entscheiden ab. “Our job is to get government used to the idea of failing.” http://www.pbs.org/idealab/2013/03/reducing-the-fear-of-innovation-and-failure-at-city-halls072.html In manchen Unternehmen gibt es bereits abgegrenzte Räume (zeitlich, örtlich), in denen experimentiert werden kann, Scheitern darf sogar provoziert werden.

 
 

Anti-Überwachungsdemo: am 27.4. in Berlin

[Update] Die Demo für den 27.4. ist abgesagt. Am Montag auf dem Bündnistreffen im Haus der Demokratie waren wir konsensual der Meinung, dass für die kurzen Zeit (bis Samstag) sich zu wenig Leute in die Demoorga hängen und haben sie deshalb abgesagt. Die Arbeitsbelastung für die wenigen ist über die kurze Zeit zu hoch und es ist nicht absehbar, dass die Demo am Samstag größer/bedeutender werden würde, als die am 14.4.

Das Bündnis möchte aber explizit weiter aktiv bleiben und sich auf dem 1.6. konzentrieren, an dem Anonymous den “International Day for Privacy” ausruft und eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor geplant ist. Weitere Koordination geht über die Berliner AKV-Liste (abonniert die bitte, wenn ihr mithelfen wollt) und über ein Teampad (auch da dürft ihr euch gerne einen Account klicken und ich werde den dann schnellstmöglich bestätigen). Ansprechpartner für Organisatorisches ist Holger (h.werner [at] clof . eu), Pressearbeit übernehme (vorerst) ich. [/Update]

Am Sonntag war die BDA-Demo mit etwa 250 Teilnehmer*innen zwar recht klein, aber die Stimmung war super :) Und aus der guten Stimmung heraus entschlossen wir uns, den nächsten BDA-Demo-Termin am Samstag, 27.4. auch wahr nehmen zu wollen.

Um vor allem um coole Aktionen zur Demo zu planen und etwas vorbereiteter in die nächste Demo zu gehen, wollen wir uns nächsten Montag, 22.4. von 17.00 Uhr bis 20.00 Uhr wieder im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, Raum 1209 (2. Hinterhof, 2. OG und dort klingeln). Der Termin kam gerade bei einem Telefonat mit Holger von clof zusammen, die uns unterstützen und die den Raum stellen um parteiübergrifend Politik machen zu können.

Auf der Demo fehlten leider coole Banner … wo liegen denn die vielen über die Jahre selbstgemalten FSA-Banner? Wenn wir sie nicht wieder finden, lasst uns am kommenden Wochenende doch einfach ein paar neue malen! Das Wetter ist super, und Banner lassen sich ganz super im Park malen :)

Weiter brauchen wir ne coole Demo-Route (die von Sonntag fand ich ziemlich gut, aber ich mag ungern die selbe wieder nehmen :) ) und einen Demoanmelder. Aus Überparteilichkeitsgründen fände ich es ziemlich spitze, wenn Anmelder jemand ohne Parteibuch, oder zumindest jemensch außerhalb der Piraten tun könnte. Wenn sich niemand findet, kann ich das auch machen, aber ich hätte gerne ein Setting, in dem sich auch DigiGes, CCC, Grüne und Linke wohl fühlen :)

Lasst uns einen kreativen Protest haben und verteilit die Infos bitte weiter, mit dem Hinweis, dass die Berliner AK-Vorrat-ML die Koordinations-ML ist. Hier kann mensch sich darauf subscriben.

 
 

Spielpartei

Oder: warum ich nicht austrete.

Die Piratenpartei ist eine Spielpartei. Wir haben wenig, wir können nur wenig verlieren.

Ich mache den Scheiß nicht, weil ich mir die Bestandsdatenauskunft auf den Sack geht. Ich mache den Scheiß sogar trotz den ekelhaften Maskulinisten in dieser Partei. Ich mache den Scheiß, weil es eine Spielpartei ist.

Ich glaube, diese Partei ist ein unglaublich krasses Experiment und ich möchte gerne herausfinden, was wir noch alles in dem Experiment lernen können. Vielleicht scheitert es. Vielleicht geht es aber auch gut.

Die Gesellschaft erlebt eine so umfassenden Neuausrichtung, dass ich es für unbedingt erforderlich halte, dass wir eine neue Politik wagen müssen. Technischer Fortschritt rationalisiert lange Zeit fest geglaubte Arbeitsplätze weg. Die Idee der “Vollbeschäftigung” ist Geschichte. Der kulturelle Unterschied zwischen Berlin und Schollene, dass Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, keine 100km von Berlin, ist größer, als der zwischen Unterschied zwischen Berlin und Tokyo. Die Idee der Nationalstaaten wird zerfallen. Ich sehe einen Politikverdruss, wie es ihn in der Neuzeit noch nicht gegeben hat - und auch der hält sich nicht an Grenzen. Ich bin überzeugt davon, dass wir die aktuellen und vor allem die kommenden Probleme nur mit neue Formen der Mitbestimmung wie Liquid Democracy gelöst werden können.

Vor allem aber sehe ich keine bessere Gesellschaftsschmiede, als die Piratenpartei. Es mag sein, dass sie absolut schlecht ist und noch dabei schlechtes tut. Aber wenn nicht in dieser Partei, wo testen wir dann neue Gesellschaftsformen? Wo können wir an der gesamten Gesellschaft besser ausprobieren, wie die Gesellschaft in Zukunft aussehen wird? So lange es nichts besseres gibt, als die Piratenpartei, in der wirklich Gesellschaft mit all ihren Problemen gelebt wird - so lange werde ich diese Plattform nutzen um Gesellschaft zu entwickeln und zu testen. Wo auch immer ihr das tut, bitte hört nicht auf, an eine bessere Gesellschaft zu glauben und für eine bessere Gesellschaft einzustehen. Ich glaube, das Gesellschaftsupdate ist dringend.

An dieser Stelle ganz herzlichen Dank für die sehr viele Arbeit an Herrn Urbach und Ennomane.

Kommentare

von: Gero

Es waren Anlässe, die sie austreten lassen haben, keine Gründe. Ich weiß von beiden, dass sie seit einigen Monaten darüber nachdachten, die Partei zu verlassen. Das jetzt waren nur Anlässe. Die Gründe gibt es seit Monaten (und davon sehe auch ich genug).

von: johannes

die weisheit “wo wenig zu verlieren ist, ist auch wenig zu gewinnen.” finde ich gut. ich persoenlich halte es fuer viel was sich gewinnen laesst: eine organisation darstellen die wirklich als ein ort der politischen willensbildung funktioniert. ich glaube, dass es viel zu verlieren gibt: das erreichte verspielen. die piraten sind bekannt als gut aufgestellte alternative zu den bekannten atzen. manche sagen vlt zu leichtfertig: wat solls, es bedarf meiner nich, ich such mir was anderes, statt: “I´ll stand my ground.” naja, so halt.

von: Gero

Stimmt, die OpenMind ist super. Die letzten zwei Jahre war ich auch da und dieses Jahr werde ich auch wieder hinfahren. Aber die findet leider nur 1x im Jahr statt - und das restliche Jahr will ich auch irgendwo Utopien entwickeln :)

von: Thobias

Vor allem aber sehe ich keine bessere Gesellschaftsschmiede, als die Piratenpartei. > fahre zur openmind

von: Gero

Diskussionskultur ist ein sehr großer Teil der Gesellschaftsschmiedekunst. Kultur als solches macht eine Gesellschaft aus. Hätten wir eine gute Kultur, bräuchten wir diese Partei nicht. Wir brauchen sie aber, gerade weil wir ganz viele neue Probleme noch nicht gelöst haben und dies zeigt sich unter anderem am Umgang miteinander, der in der Tat sehr schlecht ist.

von: Michael K.

Um eine gute “Gesellschaftsschmiede” zu sein, bräuchte es eine Diskussionkultur, die tatsächlich das Ziel hat Verbesserungen zu erreichen. Das funktioniert aber gerade nicht.

von: Ansgar Michels

Wenn ich mir die Austrittsbegründungen ansehe (Urbach: Das geht euch nichts an, Ennomane: Die haben im Forum ein Plugin aktiviert, das mir nicht passt, ich muss es zwar nicht aktivieren, aber das reicht mir nicht), bin ich vom Durchhaltevermögen beider etwas enttäuscht.

von: Gero

Ich glaube, dass wir tatsächlich viel gewinnen können, aber verlieren? In meiner Wahrnehmung hat die Partei eher wenig erreicht - und ich bin um das erreichte auch eher nicht traurig, wenn das nichts wieder verschwindet. “gut aufgestellte Alternative” sehe ich nicht. Nirgends.

 
 

Netzneutralitätskampagne

Ich mache Politik, weil ich eine Lebenswelt verbessern möchte. Meine Lebenswelt besteht zu einem großen Teil aus dem Netz, darum mache ich Netzpolitik. Zudem ist das Internet die krasseste Entwicklung, die ich mir vorstellen kann und es völlig absurd finde, sich gesellschaftlich nicht darum zu kümmern.

Die letzten Monate, vlt sogar Jahre kamen wir, die wir an der Netz-Lebenswelt arbeiten, immer wieder ins Hintertreffen. Wir, die wir das alle ehrenamtlich nebenbei und ohne Geld machen und von Webseiten und Klick-Aufträge daneben leben, wir haben nicht die Möglichkeiten, uns auf die Schlachten derer einzulassen, die unsere Lebenswelt verkaufen, vermarkten oder zerschlagen wollen. Aber genau das haben wir die letzten Monate und Jahre immer wieder versucht. Wir haben versucht die konservative Maschinerie von alten Verlagen, konservativen Parteien und den alteingesessenen Machtstrukturen auf ihren Gebieten zu schlagen. Ich bin sehr glücklich, dass es so Organisationen wie die DigiGes gibt, die massiv an einer besseren Welt arbeiten. Danke dafür! Das gute: die DigiGes nimmt immer wieder die hochgradig kaputten Initiativen konservativer Machenschaften auseinander und sagt, wie diese in gut aussehen würde. Das schlechte: die DigiGes nimmt immer wieder die hochgradig kaputten Initiativen konservativer Machenschaften auseinander und sagt, wie diese in gut aussehen würde.

Die DigiGes hat sich auf das politische Klein-Klein eingelassen, wie es nur von der Piratenpartei übertroffen wird. Die meint, auf jede Äußerung eines beliebigen Gegners eine nahezu nichtssagende PM zu schreiben. Dieses politsche Klein-Klein ist wichtig und gut. Die PMs sind wichtig - aber sie verändern unsere Welt nicht. Sie sind kein Auslöser, sie machen die Welt nicht besser, sondern sind Standardantworten, die in den Machtkalkulationen mächtiger Menschen in diesem Land eingeplant sind.

Was wir aber neben all dem Klein-Klein vergessen haben, ist das, warum wir den Scheiß eigentlich machen. Die bessere Welt. Lasst uns endlich klar machen, was wir eigentlich wollen - und zwar ganz abseits von dem ganzen tagtäglichen Klein-Klein. Lasst uns wieder auf die Straße gehen und fordern, wie die Welt aussehen soll! Lasst uns unsere Leben leben, ohne uns vom nächsten kaputten Gesetzentwurf aus der Fassung bringen zu lassen!

Ich glaube, dass die wirklich große Debatte sich an der Netzneutralität entzünden wird - wenn wir sie gut angehen. Datenschutz, Netzsperren (wie auch das LSR) sind prinzipiell Verteidigungskämpfe. Wir sagen in den Debatten seit Jahren , was wir nicht wollen. Wir müssen aber wieder auf die Straße gehen und sagen *was* wir wollen!

Lasst die Sandförmchen weg und bewerft euch nicht mehr gegenseitig, sondern bewerft wieder die, die unsere Welt wirklich kaputt machen wollen! Ich will wieder eine Bewegung wie es die “Freiheit statt Angst”-Bewegung war. Ich will eine Initiative, die sich nicht an Vereins- und Parteistrukturen hält. Ich will eine Bewegung, wo es egal ist, ob einzelne Akteure sich bei der SPD bei Google oder der der DigiGes engangieren. Ich will, dass das Netz frei ist und ich will, dass es unabhängig ist.

Das Netz ist eine so unglaublich krasse Veränderung alles bisher dagewesenen, dass die Folgen sich nicht abschätzen lassen. Und ich bin überzeugt davon, dass wir für eine freie Gesellschaft freie Kommunikation brauchen und fordere deshalb die Netzneutralität!

Ich habe die letzten beiden FSA-Demos mitorganisiert, ich weiß wie das geht und ich will das wir das wieder tun und werde deshalb Unterstützer für eine Netzneutralitätskampagne suchen! Bitte helft mir bei dieser Kampagne!

 
 

280% Stress - mein Leben als Politiker

[Update]

Danke!

Nun vergingen einige Tage, in denen allerhand passierte und ich mir viele Gedanken gemacht habe - und schiebe Sie mal als Update hinterher. Danke für die viele Unterstützung, ganz gleich, was ihr mir empfehlt. Ich hab hier ne Menge Kommentare bekommen, viele Mails, Tweets, Anrufe und habe mich auch mit Leute persönlich unterhalten und das Problem gefühlt ganz gut aufgearbeitet.

Am Mittwoch haben wir ein Liquid-Treffen. Meine eigene Vorgabe für dieses Treffen ist es, das gesamte Tagesgeschäft bis mindestens Mitte März weg zu delegieren. Alles, für das sie niemand findet, wird bis Mitte März liegen bleiben. Ich werde (zumindest zeitweise) bei der LMVB und AVB13 sein und habe vor auch weiter zu den Vorstandssitzungen zu gehen. Alles andere, was darüber hinaus nicht super dringend ist, wird bis mitte März warten müssen. Sollte ich mich da nicht dran halten, haut mir bitte auf die Finger! (Damit das mit den Prüfungen was wird ;) )

Vorerst werde ich also nicht zurücktreten, sondern mir die Zeit nehmen, die ich brauche. Wenn das gar nichts wird, dann bleibt die Option als letzte mögliche natürlich auch weiterhin bestehen.

[/Update]

Ich überlege als Beisitzer des Berliner Piraten-Landesvorstandes zurückzutreten und will hier meine Gedanken öffentlich machen und hoffe, ihr könnt mir in der Entscheidung helfen durch eure Ansichten und Ratschläge.

Ich habe mit der Vorstellung kandidiert, etwa 20 Stunden/Woche für den Landesverband zu arbeiten. Das war eine sehr romantische Vorstellung, die gut mit dem Vollzeitstudium zusammen gehen sollte. Mit der Wahl kam die Einarbeitungsphase. Das waren so 30-40 Stunden/Woche und damtit 10-20 zu viel. Nun gut, das ist die Einarbeitungsphase. Ich musste viel lernen, viele Prozesse und Menschen erst kennenlernen. Irgendwann würde es besser werden. Inzwischen behaupte ich, ich bin ganz gut eingearbeitet und stelle fest: ich arbeite immer noch 30-40 Stunden/Woche. Es ist ein unbezahlter Vollzeitjob. Die Zeit, die ich nutze, ist sinnvoller, ich bin produktiver und weiß besser, wie ich mit neuen Dingen umgehe, aber der Arbeitsaufwand hat sich für mich nicht verringert. Vielleicht stürze ich mich in zu viele Projekte (wie gerade in den OpenLV) und versuche auch da möglichst viel zu bewegen. Es war gefühlt *das Projekt*, dass der neue Vorstand sich vornahm und dann ist lange nicht passiert. Also müssen wir es doch nun endlich annehmen. Und dann dümpelt da noch immer der X018 rum, an den ich mich dringend mal eben 3 Tage zusammenhängend setzen muss, analysieren, auswerten, zusammenfassen und kommunizieren. Und dann ggf. Anträge für die nächste LMV schreiben, die besser werden als der X018. Und dann die sMV auf Landes- und Bundesebene, auf der ich mitarbeiten möchte … Und daneben müssen wir dringend eine Teilnehmerprüfung um Landesliquid haben und den akreditierungsprozess automatisieren und mehr Leute haben, die sich um den Support kümmern. Und vlt. sollte ich als Liquid-LaVo auch mehr mit der saftigen Kumquat zusammen arbeiten, um genauer zu wissen, wie das Liquid so aussehen kann, wenn die API nur fertig ist. Apropos API, wäre es nicht eigentlich an der Zeit, eine Spendenkampagne zu starten, damit wir die als Auftragsentwicklung fertig entlickeln lassen? Und daneben natürlich das ganze Klein-klein mit hier ein Umlauf, da jemand, der was zum Liquid wissen will, da ein Beauftragter, der auf den aktuellen Stand gebracht werden will … (diese Liste lässt sich beliebig erweitern … wie dieses hässliche Blog, das dringend mal geupdatet werden sollte und mal einen echten Kalendern zeigen sollte) Das alles ist ein Hamsterrad. Die Idee, damit mal fertig zu werden, ist absurd. Es gibt immer etwas, für das ich mich irgendwie zuständig fühle - oder zumindest das Gefühl habe, dass ich als Vorstand daran arbeiten sollte.

Daneben studiere ich Vollzeit an der FernUni-Hagen Kulturwissenschaften. Das ist sehr flexibel und passt ganz gut, aber in 5 Wochen schreibe ich Prüfungen und muss mir deutlich mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitung nehmen, wenn ich die 3 Prüfungen bestehen will.

All dies, ließe sich aber vielleicht noch irgendwie koordinieren lassen - aber all das ist unbezahlt und meine Miete zahlt sich nicht von alleine. Seit Anfang des Jahres bin ich selbstständig und arbeite 2-3 Tage die Woche für den Elektrischen Reporter um meine Miete und mein Brot bezahlen zu können. Als i-Tüpfelchen kommt da jetzt noch ein Umzug dazu. Wir haben unsere WG zum 28.2. gekündigt und müssen hier die nächsten 4 Wochen raus und noch haben wir keine Zusage, für eine neue Wohnung. Eine Wohnung sieht ganz gut aus, aber sicher ist das nicht. Wenn das nichts wird, muss ich in den nächsten 4 Wochen noch was anderes finden - und eine Woche später Prüfungen schreiben.

Das überfordert mich. Ich bin 24/7 unter Strom. Fällt der Strom aus, sacke ich zusammen und bewege ich mich 2 Tage lange nicht - geschweige denn, dass ich die Zeit sinnvoll für das Studium nutzen würde. Die Energie ist einfach nicht mehr da. Das ist mein Problem und deshalb überlege ich, mich vom zeitlich größten Posten, dem Landesvorstand, zurück zu ziehen, um zumindest das restliche Leben auf die Reihe zu bekommen. Zumal: selbst bei dem derzeitigen Zeitaufwand für den LaVo werde ich meinen eigenen Ansprüchen an den Landesvorstand nicht gerecht. Vielleicht ist es einfach zu viel, was ich von mir selbst als Landesvorstand erwarte, aber ich reiße dauernd meine eigenen Deadlines und verpeile wichtige Vorhaben (wie das Treffen mit dem Landesdatenschutzbeauftragten, den ich vor 4 Wochen per Mail nach einem Treffen fragte, aber auf seine Antwort es noch immer nicht zu Bürozeiten schaffte anzurufen ) Seit Wochen versuche ich mich irgendwo zurück zu ziehen und weniger zu tun, damit der Rest besser funktioniert, aber ich schaffe es nicht. “Ein bisschen zurückziehen” geht nicht, ohne meine eigenen Anforderungen an den Landesvorstand noch mehr zu widerstreben. Und wie sähe ein “bisschen zurückziehen” aus? Ich antworte nicht mehr auf Anfragen? Ich kümmere mich nicht mehr ums Liquid? Ich versuche nicht mal mehr die Umläufe zu verfolgen? Ich gehe nicht mehr zu Sitzungen?

Ich glaube, es lässt sich nur ganz oder gar nicht machen. “Ein bisschen Politiker” geht nicht. Wenn ich es nicht kann, ist die logische Konsequenz zurück zu treten. Dabei fühle ich mich allerdings auch schlecht. Ich wurde gewählt, also sollte ich das auch durchziehen. Hätte ich die Wahl nicht angenommen, säße jetzt Therese mit im Vorstand, nachrücken kann sie leider nicht. Also überließe ich auch den anderen 6 Leuten noch mehr Arbeit. Macht es das besser? Wenn der Umzug und meine Prüfungen durch sind, sollte ich auch wieder mehr Zeit haben, sodass ich mich dem LaVo wieder mehr widmen könnte. Vielleicht aber auch nicht.

Und nun? Was tue ich in dieser Situation? Habt ihr Empfehlungen für mich?

Kommentare

von: Gero

Hallo ihdl,

dieses “wie stellst du dir dein Leben denn in 10 Jahren vor” ist ein wirklich guter Punkt. Danke dafür! Ich habe nachdem ich von Fabio im Kinski gefragt wurde, ob ich für den LaVo kandidiere (was mir bis zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht in den Sinn kam, dass ich sowas ja tun könnte), mit ein paar Leuten (u.a. mit Tom aus dem alten Vorstand) gesprochen, was das eigentlich bedeutet. Dann war ich fast 4 Wochen in Frankreich, offline auf einem Workcamp, und habe sehr viel über genau deine Frage nachgedacht. “Was will ich? Will ich das mit der Politik? Will ich das nur am Rande (in Form einer NGO) begleiten? Will ich möglicherweise mal ein Mandat haben und noch viel mehr Tagespolitik gestalten? …” Der Grund, warum ich dann kandidiert habe, war die relativ kurze Amtszeit. Laut Satzung ist der LaVo nach maximal 400 Tagen neu zu wählen. Dieses gute Jahr wollte ich mir nehmen, um zu gucken, was passiert - und ob ich im nachhinein die Fragen, was ich denn eigentlich mit meinem Leben tun will, besser beantworten kann. Die gesamte Zeit, die ich derzeit in der Piratenpartei verbringe, sehe ich gewissermaßen als Experiment, ob ich das kann und will, oder nicht. Und bisher habe ich noch keine endgültige Antwort darauf, aber lerne tagtäglich immer neue Aspekte kennen und möchte diese Erfahrungen auch nicht missen.

Sehr viel denke ich allerdings darüber nach, nicht wieder für den LaVo zu kandidieren und nach dem Bundestagswahlkampf (der vermutlich noch sehr anstrengend werden wird) nochmal eine längere Auszeit zu nehmen und mir klarer zu werden, was ich eigentlich will. Derzeit geistert mir die Idee durch den Kopf für ein paar Monate durch den arabischen Raum zu trampen und nochmal eine ganz andere Welt zu sehen. Vielleicht von Berlin aus einfach (mit viel Zeit zwischendrin) nach Indien trampen. Mit dem Fernstudium ist das prinzipiell auch möglich in der Zeit weiter zu studieren. Außerdem denke ich immer wieder über einen Master am Berliner Bernsteincenter nach, und damit wieder in die Neurologie einzusteigen: http://www.bccn-berlin.de/Graduate+Programs/Master+Program/ In Freiburg habe ich neben der Philosophie ja Kognitionswissenschaft studiert (und abgebrochen) und daneben einige Neurologievorlesungen der Biologen oder Mediziner besucht und fand die nicht unspannend. Ob ich mit einem B.A. als Kulturwissenschaftler auf einen doch sehr mathematischen Master mit 10(!) Plätzen pro Semester eine Chance habe, ist da allenfalls der Realitätsabgleich. Ob ich darin glücklich werde, weiß ich nicht. Und wie sich das (ggf.) mit der Politik verbindet, weiß ich auch nicht. Das sind alles nur Ideen, die immer mal wieder durch meinen Kopf gehen und für die ich mir nach der Bundestagswahl und nach der Amtszeit mehr Gedanken machen will.

von: tante

Es klingt eindeutig danach, dass Du den LV Job aufgeben solltest und Dich lieber auf einzelne Teil Projekte in der Arbeit für den LV konzentrierst.

von: Boomel

Tu das was du schaffst für Piraten und der Rest fällt eben hinten runter. Wer sich darüber aufregt bekommt “Du hast den Job!” an den Kopf geworfen oder du schickst ihn zu mir und ich erklär dem/derjenigen das dann :)

Viel Erfolg bei den Prüfungen und beim Umzug!

von: ein_pirat

meiner meinung nach müssen die bundesvorstände und landesvorstände endlich aufwandsentschädigungen bekommen für ihre arbeit.

es ist inzwischen viel geld in den kassen, aber es wird immer noch zu wenig für 3 wesentliche dinge ausgegeben 1) räumlichkeiten, in denen sich piraten treffen und zusammenarbeiten können 2) fahrtkostenerstattungen, die allen piraten die mitarbeit ermöglichen 3) aufwandsentschädigungen für amtsträger

wenn sich hier nichts tut, wird die piratenpartei viele engagierte mitglieder verlieren. sie werden sich zurückziehen und sich auf privates konzentrieren, um klarzukommen. übrig bleiben die, die es sich leisten können und die, die eh nix zu verlieren haben (wie z.B. job oder familie).

an deiner stelle würde ich tatsächlich zurücktreten, wenn du nicht das angebot von basispiraten aus deinem verband bekommst, deine arbeit in form von beauftragungen zu übernehmen.

du musst immer zuerst an dich denken, bevor du an die partei und die rettung der menschheit denkst! sonst wirst du weder die partei noch die menschheit verbessern können.

von: Stefan

Du musst in erster Linie dich schützen, also gib den Vorstandsposten auf. Es ist schwer bis unmöglich, da das Tempo zu drosseln, das ist ganz oder gar nicht.

Und niemand hindert andere Piraten daran, deine Arbeiten zu übernehmen. Man muss nicht im Vorstand sein, um zu arbeiten.

von: Michael Eisner

Ich biete mal meine Mitarbeit bezüglich des X018 an, um möglichst bald Klarheit hinsichtlich des LQFB zu haben. Sinnvoll wäre wohl ein Treffen zusammen mit dem Initiator und anderen Interessierten, um entweder den Antrag in den Teilen zu retten die umsetzbar sind oder einen neuen umsetzbaren Antrag zu verfassen. Du kannst mich über @AMEis_e erreichen oder die ML der Piraten Lichtenberg.

Ansonsten kann ich nur delegieren empfehlen oder wenn das nicht funktioniert und die Gesundheit geschädigt wird eben die richtige Konsequenz.

von: rka

Das was du beschreibst kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch muss sich an der derzeitigen Situation auf jeden Fall etwas ändern. Ich komme aber zu einer anderen Schlussfolgerung als die meisten hier, und denke nicht, dass die Aufgabe des LV Vorstandspostens die richtige Konsequenz ist. Du hattest zu deiner Kandidatur ja angekündigt, nur 20 Std. für diese Aufgabe aufwenden zu können. Mehr haben deine Wähler nicht erwartet, sonst hätten sie dich nicht gewählt. Daran solltest du dich also orientieren. Aber wie? Priorisieren, delegieren (ich weiß, einfach gesagt, und du hast ganz andere Voraussetzungen als ich derzeit - trotzdem, versuchen!). Nicht alles was erledigt werden muss, musst du selbst machen. Ev. hilft auch nochmal der Vortrag von Bernd über Stabsarbeit weiter, den ich selbst leider auch immer noch nicht gesehen habe. https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&ved=0CDIQtwIwAA&url=http%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DCLJTvzjENAA&ei=LhkJUcfYEc7Bswa344GgDA&usg=AFQjCNFwzvWwrog2oaeQZPaefqtY4fsQqQ&bvm=bv.41642243,d.Yms

Was ich als hilfreich empfunden habe, sind regelmäßige (wöchentlich bis monatlich) Treffen mit deinen Unterstützern, die dir konkrete Arbeit abnehmen möchten.

Ich möchte dir aber hier eigentlich auch gar keine superschlauen Tipps geben, die du vielleicht schon ausprobiert, und ‘aus Gründen’ verworfen hast. Ich ruf dich einfach nochmal an (auch aufgrund meiner Kommentare ;)) http://zweifeln.org/ich-und-das-atombombenexperimentierfeld-piratenpartei/#comment-256 http://zweifeln.org/ich-kandidiere/#comment-277

Mein leichtfertig dahingeschriebener Wunschzettel:

  1. behalte dein Amt als Vorstandsmitglied bei
  2. wende weniger Zeit für die Piraten auf
  3. fordere Unterstützung ein (gerade, wenn Dinge erledigt werden sollen)
  4. mache nachvollziehbar, was liegenbleibt

von: @celfridge

Erstmal ein großes Danke, dass du mit deinen Problemen in die Öffentlichkeit gehst. Als einer der dich grad mit Kleinigkeiten zusätzlich stresst und der sich selber immer viel zuviel vornimmt, will ich auch mal meinen Senf dazu geben.

Auch wenn das jetzt vermutlich alles sehr altklug klingt und ich sowas eigentlich ziemlich ekelig finde, will ich doch ein paar Hinweise geben, an die ich versuche mich zu halten um als Bezirksverordneter klar zu kommen:

  1. Lerne ‘NEIN’ zu sagen! Ich weiß es ist verlockend sich bei neuen Projekte reinzuhängen, weil sie interessant sind, weil sie Spaß bringen und weil sie tlw. Abwechselung bringen. Aber du solltest dabei immer auf dich und deinen Körper achten. Wenn du weißt, dass etwas eigentlich zu viel wird, sag nein. Und sage auch anderen, dass sie darauf achten sollen und dich im Fall der Fälle darauf aufmerksam machen.

  2. Als LaVo trägst du Verantwortung für das Ergebnis, nicht für die Umsetzung. Daher solltest du so viel wie möglich delegieren. Sei es nun die Arbeit um den X018 oder die Bezirksliquids. Wir haben viele schlaue, fähige und engagierte Menschen im LV die dir das sicherlich abnehmen würden. Nutze das doch.

  3. “Ein LaVo muss tun, was ein LaVo tun muss”… oder so ähnlich… mach als LaVo nichts, was nicht unbedingt sein muss und was nicht in deinem Aufgabenbereich liegt. In meinen Augen schreiben LaVos keine Anträge. In meinen Augen entwicklen LaVos nicht an OpenLV mit oder übernehmen die Projektkoordination. In Meinen Augen kümmern sich LaVos nicht um die Umsetzung einer SMV. Wenn dir diese Sachen wichtiger sind, ist ein Posten im LaVo vielleicht doch nicht die beste Wahl.

  4. Mut zur Lücke… wenn sich für eine Aufgabe mal niemand findet… wird sie halt nicht gemacht. Wenn es irgendetwas wichtiges ist, wird sich schon Jemand (TM) finden, der das übernimmt. Wenn nicht, wars wohl nicht so wichtig.

  5. Setze Prioritäten! Zuerst du, dann deine Freunde, dann je nach Situation Broterwerb oder Partei. Wenn dann Parteiaufgaben hinten runter fallen, dann ist das halt so.

Und zum Schluss noch eine Sache: Bitte tritt nicht zurück. Du machst einen großartigen Job im LaVo und ich bin mir sicher, er wird nicht weniger großartig, wenn du die Zeit die dafür draufgeht auf ein für dich verträgliches Maß reduzierst.

von: Silja goetzmann

Gero, Du hast meinen gößten Respekt und Achtung für Deine Arbeit und mein vollstes Verständniss für Deine missliche Lage. Wie Dir geht es wohl vielen angagierten Piraten. Wir dürfen Euch nicht verheizen!!!Wir brauchen Euch! Ich wünsche Dir, daß Du einen Weg findest Dich zu schützen. Silja

von: Fabio Reinhardt

Hi Gero,

im Grunde das was der RKA sagt. Mache dir klar, dass derjenige, der die strengsten und höchsten Erwartungen an dich und deine Arbeit hat, du selbst bist und schraube sie herunter.

Alles Liebe, Fabio

von: ihdl

vielleicht ist das abgrenzen, nein sagen, deligieren, runterschrauben, was viele hier vorschlagen, das beste was du machen kannst, die verschiedenen interessen in deinem leben unter einen hut zu kriegen. das bedeutet aber kontinuierliche arbeit, die du (zusätzlich) auch noch einplanen musst und die, gerade in noch relativ unstrukturierten kontexten wie deinem, nicht aufhören. wie oft macht man sachen am ende doch selbst, weil das sich mit anderen absprechen und dann damit leben, dass sie es etwas anders machen als man selbst, zeit kostet und unbefriedigend ist? und wie lange dauert es manchmal, sich durchzuringen, ob man x jetzt auch noch übernehmen will oder es *wirklich* nicht geht. du kennst das sicher.

mein tipp wäre, mal ne schritt zurück zu gehen und zu überlegen, wo deine prioritäten sind und wie das in deine lebensplanung schaffst. und zwar ergebnisoffen. willst du dich intensiv im kontext der uni mit akademischen sachen beschäftigen, das studium also nicht nur nur nebenbei irgendwie durchziehen mit der gefahr, dass es doch nicht klappt? dann muss die politik platz machen. oder kannst du dir gut vorstellen, dass der gero in 10 jahren vielleicht gar keinen abschluss hat, aber dafür viel politische erfahrung und andere praktische skills, die dir was nutzen? auch auf die gefahr hin, dass das fehlende studium oder der BA erst mit anfang 30 irgendwelche leuten komisch aufstoßen? das ist auch eine legitime entscheidung, die aber auch ihre konsequenzen hat. das erscheint jetzt sehr radikal, und wie gesagt, vielleicht funktioniert das vereinbarkeitsmodell ja doch. aber man muss sich manchmal die freiheit nehmen, die sache grundsätzlicher zu betrachten. viel erfolg!

von: Angelika

Hallo Gero,

zunächst einmal vielen Dank für den großartigen Vorstandsjob. Ich kann mich nur celfridge und rka anschließen. Lerne nein zu sagen und zu delegieren. Bitte nicht den Posten aufgeben.

Viel Erfolg bei Deinen Prüfungen Angelika

von: @chaosrind

Lieber Gero,

RKA und Fabio haben Recht. Du bist gewählt worden für das, was Du gesagt hast. Niemand kann und wird Dir Deine Gesundheit erhalten, wenn DU es nicht tust. Dass Du im Vorstand bist, heisst nicht, dass Du alles allein machen musst. Gib Aufgaben ab, die Dich belasten und die nicht zwangsweise ein Vorstandsmitglied machen muss.

Wir wollen keine Berufspolitiker, sagen wir immer. Darum MUSS Dein Privat- und Dein Berufsleben Priorität haben. Wir können es uns nicht erlauben, engagierte Leute wie Dich einfach ausbrennen zu lassen. Du hast viele Aufgaben genannt, die jedes andere Mitglied auch machen kann, dann ist halt mal weniger Zeit zum Nörgeln.

Ich rufe darum alle auf: Helfen statt meckern!

Und: Danke, Gero!

von: Therese

Lieber Gero,

stopp, bitte pass auf Dich auf, Deine Gesundheit, Dein Studium und Deine Existenzsicherung haben immer Vorrang vor dem Ehrenamt. Trete einen Schritt zur Seite und nimm die hier in den Kommentaren schon angebotene Hilfe ohne den kleinsten Gewissensbissen an.

In Prüfungsphasen und Deinen momentanen existentiellen Baustellen, ist es besser alles zu stoppen, nimm Dir ruhig 6 Wochen vorstandsfrei, vielleicht kannst Du Umläufe beobachten und bei Bedarf entscheiden, die Berichte der Beauftragten und Mithelfer lesen, abnicken und bitte mehr nicht. Ich rate, erst dann wieder aktiv projektbezogen zu arbeiten, wenn diese akute existentielle Notphase überstanden ist. Zurücktreten musst und solltest Du deshalb bitte nicht.

Danach überlege, ob Du nicht wirklich ein Zeitmanagement ohne schlechtes Gewissen mit höchstens 10 Stunden Woche + kleinen Pufferzonen für Dein Amt probieren möchtest. (mehr ist bei Erwerbsarbeit + Vollzeitstudium nicht realisierbar) Ich beobachte bei den Bezirksverordneten z. B. ein ganz ähnliches Problem, da müssen wir mit unseren Ansprüchen und unserem Perfektionismusstreben achtsamer werden.

Ich drücke Dich und bin zuversichtlich, dass Du das schaffst

Lieber Gruß von Therese

von: siusmart

Gero, mein Lieber,

falls es Dir schwer fallen sollte, Aufgaben abzugeben, weil sie eigentlich zu spannend sind/ gerade in einer entscheidenden Phase/ Du doch da schon so viel Arbeit reingesteckt hast/ Du doch gewählt worden bist und Deine Wähler nicht enttäuschen möchtest, oder was sonst auch immer, bedenke bitte auch Folgendes: Vielleicht hatten (und haben) die Piraten zu wenig Geld und waren und sind auf ehrenamtliche, unentgeltliche Arbeit wie die Deine angewiesen; das mag für eine Zeit gehen. Wer aber ein solches Arbeitspensum zu bewältigen hat wie die Piratenpartei, der hat irgendwann auch die Verpflichtung, das so zu organisieren, daß Leute, die diese Arbeit erledigen, nicht dabei drauf gehen. Es dann weiter so laufen zu lassen, bedeutet, es zuzulassen, daß die (Des-) Organisation systematischen Charakter annimmt - und es zeigt Desinteresse: an der Arbeit und den arbeitenden Leuten. Das nennt man dann Ausbeutung. Unter diesem Aspekt ist es nur gerechtfertigt, JEDE Aufgabe, die Dir zuviel wird (aus welchen Gründen auch immer), abzugeben. Du wirst sehen: das System kollabiert nicht, es wird, in ähnlicher Weise wie bisher, weiter funktionieren. Unterschied: Du steckst nicht mehr oder in anderer Form drin, und Du schädigst Dich nicht mehr selbst in elementarer Weise. Und noch was: natürlich ist der Leidensdruck gerade bei Dir am größten, der Du mit den Aufgaben unmittelbar befaßt bist. Dennoch ist es eigentlich nicht DEINE Aufgabe, für Strukturen zu sorgen, in denen Du diese Arbeit auch delegieren kannst (und gleichzeitig eine Ergebnissicherung betreiben kannst). Das wäre schon der nächste Job, solche Strukturen zu schaffen.

Ich bin einigermaßen entsetzt über das, was ich gerade gelesen habe. Laß Dir sagen, daß das sehr typische Strukturen und Abläufe in so jungen politischen Bewegungen sind; sie sind barbarisch, nehmen ALLES, was man ihnen gibt und fressen es in sich hinein und bereichern sich daran, und zwar genauso lange, WIE man ihnen etwas gibt. Sie sind genauso wie vorzugsweise suchtkranke Menschen, die einen so lange ausbeuten, wie man sie läßt, um ihre Sucht zu füttern, und sich in dem Moment, wo man sich von ihnen abwendet, andere Opfer suchen, die sie ausbeuten können.
Deine Arbeit ist offenbar gut; dann kann die Partei sie auch honorieren. Finanziell. Sonst hat sie sie auch nicht verdient.

Yours very sincerely, S.

von: @00v3rdr1v3

Kein Scheiss, lerne Deligieren. Du bist zu wichtig im Vorstand, um alles selbst zu machen. Ernsthaft, das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun. Du bist in den Vorstand gewählt worden, weil man Dich, Deine Einschätzungen und Deine Art dort haben möchte. Wenn Du vor lauter Arbeit nicht mehr dazu kommst, Dich einzubringen, ist das nicht im Sinne der Wähler. Deshalb: Such Dir ein paar Leute, die bereit sind, Jobs von Dir zu übernehmen. Und nochmal: das hat nichts mit Chef-gehabe zu tun. Es dient dazu, dass Du auch morgen noch den Job machen kannst, den die Wähler dir gegeben haben: Dich in den Vorstand einzubringen.

von: Bugspriet

Nimm Dir mal eine Woche oder zwei Wochen Urlaub, und guck Dir an, was in der Zeit gut oder nicht gelaufen ist. Die Zeit kannst Du für Deine Erholung nutzen und Dir dann überlegen was du von den Jobs abgeben kannst oder mit weniger Zunder befülltern musst. Ansonsten bin ich jetzt ruhig. Die schlauen Dinge hat ja schon der rka geschrieben.

von: Manu

Lieber Gero, wie auch schon besprochen, halte ich, wenn du dich (was ich für den LaVo gut fände) gegen den Rücktritt entscheidest, eine Begrenzung der Zeit, die du effektiv für den LaVo hergibst, für erforderlich. Ich selbst organisiere mich inzwischen recht gut mit einem persönlichen “Stundenplan”. Ich überlege, welche Projekte anstehen, und wie viel Zeit ich für diese aufbringen kann. So werden die Tage strukturiert. Was in dieser Zeit geschafft ist, ist weg. Was liegenbleibt, war nicht zu schaffen. Wenn das überhaupt nicht zusammenpasst, müssen Aufgaben abgegeben/anders verteilt/anders bewertet werden. Aufschreiben der Tasks (der “kleinen Portionen”) und des - auch unsichtbar - effektiv Erledigten (auch banal Scheinendes wie “1/2h nachgedacht”)hat mir dabei wirklich bei der Selbsterkenntnis, wo die Zeit eigentlich hin ist, geholfen.

Ich finde den Vorschlag sehr sinnvoll, die nächsten ca. 4W Vorstandsurlaub zu machen - so bekommst du mehr dringend benötigte Zeit für die Prüfungen und den Umzug. Ggf. kannst du in der Zeit ja 1/2-1h pro Tag für Umläufe etc. einplanen, aber mehr nicht. Dann heißt es allerdings auch, dass du dich an deinen Urlaub halten musst. Soll dich jemand dran erinnern? ;-)

Vergiss übrigens nicht, ganz egal, wie deine Entscheidung am Ende ausfällt: Du machst es für dich genau richtig.

LG Manu

von: Etienne

Hi Gero,

pass auf Dich auf - ja das haben schon alle hier geschrieben, ich tu es trotzdem noch mal, da ich das was Du beschreibst in meiner Zeit als ich studiert habe ebenso erlebt hab (damals als Mitarbeiter im AStA der Hochschule).

Du hast das einzig richtige gemacht: es ausgesprochen. Denn das verdrängt man oft viel zu lang. Jedoch können die anderen nur dann darauf reagieren.

Ich würde auch gerne so viel mehr machen in der Partei, aber es geht neben Job und Freund nicht - und das ist auch gut so.

Zum Schluss noch ein konkretes Angebot: Du weißt ja so in etwa, worin meine Fähigkeiten liegen - wenn Du also etwas konkretes hast, was sich fest umreißen lässt und Du loswerden willst/kannst, dann lass es mich wissen. Wenn ich es zeitlich und inhaltlich leisten kann, werde ich es gerne tun.

Alles Gute, halt die Ohren steif und viel Glück bei allem was da auf Dich zukommt in den kommenden Wochen und darüberhinaus.

LG Etienne

 
 

Google kotzt mich an

Google hat <a href”http://www.google.de/campaigns/deinnetz/”>eine Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht</a> ins Leben gerufen und vermischt damit (ich behaupte bewusst) ihre eigenen Interessen und die, der LSR-Gegner. Ich finde das Leistungsschutzrecht für Presseverlage schwierig, wenn nicht gar falsch. Aber, ich sehe da durchaus auch sinnvolle Idee drin, denn auch ich halte ein Urheberrecht grundsätzlich für hilfreich.

Mich jetzt weiter gegen das Leistungsschutzrecht zu engagieren, ist quasi unmöglich, ohne Google zu unterstützen. Ja, ich nutze Google, allerdings bezeichne ich mich eher nicht als Fangirl. Genau genommen finde ich die Art und Weise, wie Google seit Jahren die Netzszene lobbyiert schwierig. Ich war selbst Experte in der 6. Initiative des IG Collaboratory und schon da, war mir ein bisschen unwohl. Nein, Google hat keine Inhalte vorgegeben und auch keinerlei Klauseln unterschreiben lassen. Zudem ist nachvollziehbar, dass das Collab quasi ausschließlich von Google finanziert wird und wer im Lenkungskreis von Google kommt.

Billige “Google macht Lobbyismus”-Vorwürfe greifen nicht. Google lobbyiert in sehr vorbildlicher Form - transparent. Google nimmt aber seit Jahren die Netzszene immer weiter für sich ein. Der Collab-Thinktank vereinnahmt natürlich die Experten. Mir hat niemand gesagt, ich dürfe nicht schlecht über Google schreiben und doch fällt es sehr schwer, den Leuten, die mir helfen, aktiv zu sein und möglichst viel erreichen zu können, auf die Finger zu hauen. Ich möchte auch explizit niemanden persönlich beschimpfen. Alle Google-Mitarbeiter, mit denen ich bisher zu tun hatte, haben sich vorbildlich verhalten und keinen möchte ich böse Absichten vorwerfen. Und doch nervt es mich, wie Google uns vereinnahmt - und sie es uns schwerer machen, uns von ihnen loszusagen.

Das System Google kotzt mich trotzdem an. Und zwar gewaltig. Es nervt mich, wie es zum Standart wird, Google zu nutzen. Wie es normal wird, für Google zu kämpfen. Und vor allem nervt mich, wie Google zunehmend unseren Staat außen vor lässt. Ich halte mich für einen durchaus staatskritischen Menschen, aber unser Staat ist zumindest grundsätzlich demokratisch legitimiert. Google ist ein Konzern und Google tut, was Google Geld einbringt. Jede “nette Gabe” ist auch eine Imagekampagne für einen Konzern, dem es darum geht, Geld zu verdienen.

Ich habe Angst davor, dass wir in 10 oder 15 Jahren unsere Staatsmacht an Provider verloren haben, auf die wir keinen Einfluss mehr haben. Ich sehen große Probleme darin, dass wir uns nicht nur auf das geborgte Internet vor Google verlassen, sondern sie auch anfangen unseren Interessen zu vertreten und ein Stück weit unser neuer Staat werden. Und ich möchte, dass wir uns von Google in aller Deutlichkeit lossagen - und das Leistungsschutzrecht trotzdem nicht kommen wird. Pfui Google! Pfui Leistungsschutzrecht!

Kommentare

von: Nicolai

Oberlehrerkommentar:

Standard ist ein 2D-Wort!

Es nervt mich, wie es zum Standart wird, Google zu nutzen.

von: V.

Ich wäre hingegen gar nicht traurig, wenn wir in 10 oder 15 Jahren unsere Staatsmacht verloren haben. Letzlich schützt die Staatsmacht nämlich immer das Kapital - also auch Google.

 
 

Konkurrenz

Vorweg: Vielen lieben Dank an @rya für das 2. Augenpaar!

Lange zögerte ich, in die Piratenpartei einzutreten, weil ich Parteien lange Zeit nicht für die richtige Organisationsform hielt, etwas an der Welt in die richtige Richtung zu schieben. Seit jeher geben mir Parteien ein merkwürdiges Gefühl (Nicht nur die Piraten, auch die Grünen fühlten sich merkwürdig an, als ich bei Malte Spitz Praktikant war).

Was genau das war, konnte ich lange nicht in Worte fassen und war nur ein diffuses Gefühl von “was passiert da komisches?”. Im April bin ich den Piraten beigetreten, weil ich glaubte, diese Partei sei die Institution, die die Macht habe, unsere Gesellschaft nachhaltig zu verändern - zu einer toleranteren, offeneren und politischeren Gesellschaft. In der Piratenpartei sah ich viele Menschen, die sehr ernsthaft an einer neuen Gesellschaft arbeiteten und ich vernahm die Hoffnung, dass dies gut ausgehen könnte - und wollte ihr dabei helfen. Schließlich kandidierte ich für den Landesvorstand und wurde auch gewählt. Ich übernahm den Geschäftsordnungsbereich Liquid Feedback und kümmere mich seither organisatorisch um Liquid Feedback, das von den Piraten eingesetzte Liquid Democracy-Tool. Ich halte dieses Tool für unglaublich mächtig und bin überzeugt davon, dass es der Gesellschaft Gutes tun kann.

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, was mich so lange von Parteien ferngehalten hat. Es ist die Konkurrenz. Parteien sind konkurrierende Institutionen - sowohl die Parteien untereinander als auch parteiintern. Und ich habe damit ein Problem. Nein, Konkurrenz ist nicht per se schlecht, doch kann Konkurrenz durchaus merkwürdige Züge annehmen. Seit Jahren schleicht sich zunehmend der Neoliberalismus in die Gesellschaft und die zwischenmenschliche Konkurrenz wird stärker. Das Abitur wurde auf 12 Jahre verkürzt, damit die Schüler international konkurrenzfähiger seien. Es wurden Bachelor und Master eingeführt - Masterplätze begrenzt, ein heftiger Konkurrenzkampf um die Masterplätze entsteht - z.T. werden wichtige Bücher in Bibliotheken zerstört, um strategische Vorteile zu bekommen. Hartz4 wurde eingeführt und Geschichten über faule Sozialschmarotzer werden erzählt, wie sie uns auf der Tasche liegen.

Mit dem Refugeecamp auf dem Pariser Platz beginnt gerade ein längst überfällige Flüchtlingsdebatte. Seit Jahren werden die Außengrenzen Europas verstärkt, das Mittelmeer durch Agenturen wie Frontex komplett überwacht, Flüchtlingsboote zum Umkehren aufgefordert - auch auf die Gefahr hin, dass sie kentern könnten. Zugleich nehmen internationale Spekulationen massiv zu, die Schere zwischen Arm (und häufig weniger gebildet) und Reich (häufig mit viel Geld jede Bildung erkauft) nimmt zu. Selbst Lebensmittel werden verspekuliert - und mit der Subventionspolitik der EU auch gebilligt, wenn nicht gar gefördert.

Die insbesondere in der Piratenpartei sehr heftige Auseinandersetzung um eine mögliche Frauenquote sehe ich ebenfalls für ein Symptom dieser zunehmend konkurrierenden Gesellschaft. Slogans wie “Kompetenz statt Geschlecht” führen dazu, dass Männer massiv gefördert werden - mit der nahe liegenden Folgerung, dass Frauen inkompetent seien. Es setzt sich durch, wer das Spiel der Konkurrenz besser beherrscht und sich weniger um andere kümmert - und dies sind häufig Männer. Die Diskussion, dass die Quote nur die Symptome und nicht die Ursachen bekämpft ist ein Henne-Ei-Problem. Wenn wir gute Leute, die auch auf andere Acht geben haben wollen, wie können wir dies durchsetzen, wenn wir keinen geschützten Raum anbieten? Und wenn Frauen häufiger im Konkurrenzkampf nachgeben, ist dies nur ein weiteres Argument dafür, dass wir mehr Frauen auf allen Ebenen brauchen. Im Zweifel für die Quote.

Alle Menschen, die sich irgendwo angreifbar machen, werden angegriffen. Johannes Ponader wagt sich häufig weit aus der Deckung heraus, um auch progressiv neue Themen zu besetzen und ist regelmäßig Ziel eines Shitstorms. Ähnlich sehe ich es auch mit Julia Schramm, die immer wieder provokant auftritt. Ich finde dies gut und wichtig.

Auch in dem Fall Marina Weisband und dem Spiegel sehe ein krasses Konkurrenzproblem. Marina ist ohne Frage das bekannteste Gesicht der Partei und hat eine sehr ausgewogene Art, Themen vorzubringen, ohne sich dabei zu weit vor zu wagen. Damit ist (war?) sie sehr erfolgreich und ich nehme einen sehr massiven Neid ihr gegenüber wahr. Insbesondere die Erwiderung von Merlind Theile kommt in einem sehr schnippischen Ton daher, die jegliche inhaltliche Auseinandersetzung unterbindet. Die Schlussfolgerung von ihr, dass die Piraten nun ihre eigenen Ziele mit Füßen treten, versucht die Debatte als Parteidebatte abzutun und den Piraten Versagen vorzuwerfen. Ich halte diese gesamte Aktion für ein billiges “Klicks generieren”. Die Piraten selbst nehmen derartige Artikel immer wieder zum Anlass, ausführlich drüber zu debattieren und sorgen damit für eine massive Öffentlichkeit für solche Artikel, statt sie einfach zu ignorieren. Sie sind Teil des Konkurrenzkampfes.

Jegliche Personaldebatten sind Konkurrenzdebatten. Ich halte es für vollkommen irrelevant, wer welche Position in welcher Partei (oder auch außerhalb der Partei) inne hat. Es geht darum, wo was passiert, was die Gesellschaft in die tolerantere, offenere und politischerere Richtung schiebt. Debatten, wie sie gerade um Birgit Rydlewski geführt werden (Ob Politiker auch anzügliche Dinge twittern dürfen oder nicht) ist für mich ein massiver Einschnitt in das, was ich mir von der Partei erhoffe. Es ist eine offene und authentische Äußerung von Birgit, sich auch zu langen Sitzungen zu äußern. Wenn Medien dies hochstilisieren, ist dies ein Medienproblem und keins von Birgit. Niemand wird gezwungen, ihr auf Twitter zu folgen und zu lesen, was sie so von sich gibt. Wenn die Bild oder SPON derartige Themen aber aufgreifen und mit pseudomoralischen Ansichten kommen, dass dies schlecht sei, ist das eine Verdrehung unserer Ansichten. Wir (ich jedenfalls) kämpfe in der Piratenpartei dafür, dass auch solche Äußerungen fallen dürfen, ohne, dass es zu einem Gate hochstilisiert wird.

Dass es dennoch immer wieder zu einem Gate hochstilisiert wird, nehme ich sehr verzweifelt wahr. Ich habe inzwischen auch hier die Vermutung, dass es um einen insgeheim ausgetragenen Konkurrenzkampf geht - und nicht mehr um die eigentlichen Inhalte. Wer beginnt einzelne Köpfe heraus zu picken und zu bekämpfen (innerhalb und außerhalb der Partei), gibt sich diesem Konkurrenzkampf hin. Wenn wir nur noch unfehlbare oder verschlossene Politiker hervorbringen, die sich der Gesellschaft, deren Medien mit prüden Ansichten versuchen die Bewegung klein zu halten, haben wir den Kampf um eine offenere, tolerantere und politischere Gesellschaft verloren.

Der Kampf beginnt intern mit den Diskussionen um den Bundesvorstand, um einzelne Abgeordnete und damit, wie wir “nach außen” wirken wollen. An dem Punkt, wo uns die Außenwahrnehmung wichtig wird, als unsere Inhalte, haben wir uns dem Konkurrenzkampf der alten Parteien unterworfen und spielen ihr Spiel mit. Ich hoffe, dass wir damit wieder aufhören und wir uns dazu äußern, was uns und nicht irgendwelchen Medien wichtig ist und uns nicht einzig und allein der Konkurrenz wegen streiten.