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Philosophiezirkel Postkante

Kant, der wohl bekannteste deutschsprachige Philosoph, ist uns zu wenig. Deshalb sind wir Post-Kant. Und weil wir ein wenig grotesk sind, sind wir Postkante.

Wir wollen philosophieren und laden dazu ein, mitzuphilosophieren. Wir wollen einen regelmäßigen Turnus haben, in dem wir uns Treffen. Am Ende jedes Treffen wird das Thema für das nächste Treffen festgelegt (und auch über die Mailingliste kommuniziert), damit sich alle zum nächsten Treffen vorbereiten können. Ein kurzes Referat soll das Thema vorstellen und anschließend diskutiert werden.

Außerdem haben wir vor, Themen in Blöcken zu bearbeiten, sodass mehrere Treffen hintereinander aufeinander aufbauen, bevor wir ein komplett neues Thema angehen wollen.

Das nächste Treffen wird am Montag, 17.03 um 19.00 Uhr in der Stiftung Johanneum, Tucholskystraße 7, 10117 Berlin, stattfinden. Thema wird die Letztbegründung von Ethik im Allgemeinen und die Letzgebründung in der Diskursethik nach Karl-Otto Apel im Speziellen sein.

Wir haben eine Mailingliste eingerichtet, um Termine und Themen zu kommunizieren. Wenn ihr mitmachen wollt, tragt euch in die Mailingliste ein und kommt vorbei!

[update 2014-03-05] Der Termin am 17.03 bedeutet übrigens nicht, dass zukünftig alle Treffen am Montag stattfinden, sondern ist der nächste Termin, der den Gründungsmitgliedern passte. Der regelmäßige Termin wird ausgedoodelt werden. [/update]

 
 

Wandel

“Change!” - Obamas Wahlkampfmotto hat sich weit verbreitet. Überall fordern Menschen Wandel, dabei ist die Forderung nach “Wandel” falsch. Wandel alleine sagt nichts aus. Wandel lässt sich nur für konkrete Vorhaben fordern. Ein Wandel in der Asyl- oder Wirtschaftspolitik ergibt Sinn. Wandel alleine ist unvollständig. Wandel im ganz Großen gibt es nicht einzeln. Wandel ist immer, denn irgendwas verändert sich immer. Diesen Wandel zu fordern ergibt keinen Sinn. Politik muss nicht vorgeben, wie sich die Welt zu verändern hat, sondern muss den Rahmen schaffen, wohin sich die Welt verändern kann. Politik kann nicht auf jede einzelne Entscheidung eingehen, sondern muss immer die großen Gesellschaftsänderungen beobachten und darauf reagieren. Den Wandel fordert, wer selbst agieren will und das große System verändern will, denn alles andere passiert aus der Eigendynamik der Gesellschaft her und braucht keine grundlegend neue Politik. Dann muss Wandel aber wirklich konkret werden. Was genau soll sich verändern? Es ist eine leere Phrase nur den “Wandel” zu fordern, ohne zu sagen, welchen. Wir, die Piratenpartei, fordern immer wieder den “Wandel”, aber niemand weiß, was genau damit gemeint ist. Wir werden selten konkret oder verbleiben nur in der Reaktion und fordern eine Anpassung vorhandener Gesetze. Wir fordern oft, dass sich Gesetze wieder auf die Grundrechte im Grundgesetz rückbesinnen sollen. Diese Forderung kann kein Wandel sein. Es ist eine Reaktion auf eine veränderte Welt, aber kein Wandel, der grundlegend die Politik verändert.

Der “digitale Wandel” ist kein Wandel. Es gibt einen technologischen Fortschritt, der auf die Gesellschaft Auswirkungen hat. Der technologische Fortschritt hat kein Anfang und kein Ende - beides ist notwendig für den Wandel. Erst wenn anhand dieses Fortschrittes ein neues Gesellschaftskonzept entwickelt wird, ist es ein konkreter und umsetzbarer Wandel. Wenn wir (Piraten) einen Wandel fordern, beziehen wir diesen im Allgemeinen auf den technologischen Fortschritt. Der Wandel muss also ein konkretes Gesellschaftskonzept beinhalten. Dieses Konzept spiegelt sich in vielen unserer Anträge wieder, aber wurde nie ausformuliert. Der Wandel, den wir fordern muss auch Phänomene wie Peak Labour beinhalten. Alles, was aus dem technologischen Fortschritt absehbar ist.

Ich denke darüber nach dieses Gesellschaftskonzept mal auszuformulieren und in ein Buch zu schreiben. Was haltet ihr davon? (Vielleicht schreibt ja @mspro gerade dieses Gesellschaftskonzept in “Das Neue Spiel”, aber gefühlt ist seine Konzeption doch eine andere.)

 
 

Statement

Ich habe gestern Abend ein Statement geschrieben:

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die demokratische Willensbildung darf niemals unterdrückt werden. Die Menschen sind der Souverän. Regierungen und Verwaltungen sind eine Dienstleistung für Menschen, um ihnen die Möglichkeiten zu geben, sich selbst zu organisieren. Es widerspricht dem Gedanken der Demokratie zutiefst, sich gegen diese Menschen zu stellen. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Wenn sich die Staatsgewalt gegen die Menschen stellt, ist die Grundlage der Demokratie zerstört. Im Zweifel für die Freiheit. Im Zweifel für die Pluralität der Meinungen. Wir fordern dazu auf, anhand dieser Grundsätze tiefgehende Demokratisierungsprozesse einzuleiten und alles Handeln der Exekutive streng demokratisch zu kontrollieren. Im Übrigen hassen wir Faschismus.

@tollwutbezirk und ich wollten ein Statement zu den Protesten auf dem Maidan schreiben. In einem Piratenpad. Halbfertig ging das Pad in den Orgastreit. Dann schrieb ich ein neues Statement. Es wurde genereller. Es ist ein Statement, dass sowohl Janukowitschs Rücktritt fordert, als auch klar macht, dass wir uns mit den Demonstrierenden solidarisieren und uns gleichzeitig von den ebenfalls dort demonstrierenden Nazis distanzieren.

Es ist auch ein Statement zum #Bombergate: “Im Zweifel für die Freiheit. Im Zweifeln für die Pluralität der Meinungen”.

Meinung ist eine politische Äußerung im bereich der qualifizierten Freiheit. Meinung ist ein Vorschlag, wie die Welt besser sein könnte. Meinung ist nur so lange Meinung, wie sie nicht tiefgehend in das Leben eines anderen Menschen eingreift. Mobbing, Verleugnung, Beleidigung ist keine Meinung.

Ich schrieb im letzten Mai: Piratenpratei - fail by design. Ich muss mich korrigieren. Ich erkenne kein Design. Ich erkennen nur noch fail. Die Piratenpartei ist eine Akkumulation von Antipattern - von Ansammlungen, wie es nicht gemacht werden sollte. Und ich habe keine Ahnung, wie sich dies beheben lässt.

Die Partei arbeitet fast ausschließlich mit Ehrenämtern. Es gibt keine Möglichkeit ehrenamtlich tätigen Personen gegenüber Weisungen zu geben und Konsequenzen zu ziehen. Diese Ehrenämter sind unsere Regierung und die drehen gerade durch - und wir haben keine Möglichkeit sie wieder einzufangen. Womit soll der BuVo der IT denn drohen? Die IT hat den BuVo in Geiselhaft genommen - aber die IT haben wir nie gewählt, geschweige denn, dass wir (die Basis) ihnen gegenüber weisungsbefugt sind. Wir brauchen auch intern die Demokratisierungsprozesse unter strenger demokratischer Kontrolle.

Die Piratenpartei ist nicht arbeitsfähig. Einzelne Mitglieder können einzelne Themen bearbeiten und erzeugen damit regelmäßig wirklich gute Aktionen, aber die Partei als Struktur ist zerstört. Es geht nicht mehr.

Kommentare

von: Gero

Antipattern.

von: Sebastian

An der Pluralität der Meinungen scheint es gerade nicht zu mangeln. Ich kann viele verschiedene Meinungen wahrnehmen. Die Frage ist halt, ob da auch eine konsensfähige dabei ist. Ich vermisse da auf beiden Seiten die Bereitschaft, das jeweilige Gegenüber als legitimen Gesprächspartner mit legitimen Gründen für die jeweilige Meinung anzuerkennen.

Organisations- bzw spieltheoretisch ist das Problem wohl, dass die “Pöbelstrategie” gegenüber der “kollaborativen Strategie” zur Zeit erfolgversprechender ist. Damit werden mittelfristig alle Spieler entweder diese Strategie wählen oder aber aus dem Spiel ausscheiden.

Um diesem Antipattern entgegenzutreten, müsste man die Spielregeln so ändern, dass die Pöbelstrategie weniger erfolgsversprechend wird. Das kann nur dadurch passieren, dass die Basis konsequent diese Strategie ächtet. Wer auch nur ansatzweise shitstormt, darf nicht gewählt werden. Idealerweise auch nicht retweetet, nicht gefolgt, nicht gefavt, kein gar nichts. Da ist es auch egal, ob ich den Pöbler als “meinem Lager” zugehörig empfinde. Dieser Erkenntnisprozess wird wohl noch etwas dauern.

Es gibt demnächst auf der LMVB die Möglichkeit dazu, bei der Wahl auf die bisherigen Kommunikationsformen der Kandidierenden zu achten. Das sollte man tun.

von: @FBMri

Ist die Tatsache, dass die (verantwortlichen) Berliner Piraten ihre Support für LQFB-Plattformen quasi eingestellt haben eigentlich auch #Orgastreik?

von: Gero

Ja.

von: nicht lesen

naja wer hat denn den buvo gewählt? einige privilegierte mit genügend zeit und geld.

 
 

Peak Labour

Die SPD will also Netzpartei werden. Nun ja, nur zu, denn Netzpolitik wird als solche verschwinden. Wir (die bisherigen Netzpolitiker) haben mit “Netzpolitik” einen deutlich zu kleinen politischen Bereich bearbeitet. Wir haben den digitalen Wandel unterschätzt. Wir müssen nochmal von Vorne anfangen und die Skala vergrößern.

Der digitale Wandel wird alles verändern.

Unsere anfängliche Idee, uns um das Internet kümmern zu wollen und um die Probleme, die direkt mit der Nutzung des Internets zusammenhängen, ist zu klein. Wir müssen auch alle Veränderungen mitdenken, die mittelbar durch das Internet entstehen. Wir können uns nicht auf Netzneutralität, Datenschutz und Urheberrecht begrenzen. Wir müssen auch Wirtschafts- und Arbeitspolitik mitdenken. Wir müssen auch Verkehrspolitik und Gesundheitspolitik bedenken. Und das größte Problem, dass der digitale Wandel mitbringt ist nicht der Wandeln von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft, sondern das größte Problem ist, dass wir der digitale Wandel die Industriegesellschaft abschaffen wird, ohne neue Gesellschaftsformen zu bilden, die den vielen Menschen Arbeit gibt. Das größte Problem ist, dass sich die Gesellschaft so nachhaltig verändern wird, dass es für viele Menschen keine Arbeit mehr geben wird. Es ist nett, dass die SPD jetzt anfangen will, sich auch um das Internet zu kümmern, aber die SPD ist leider zu spät. Die Lösungen für das Internet haben wir schon seit 5 Jahren. Wir brauchen jetzt eine Politik, die sich mit dem Peak Labour beschäftigt. Wir brauchen jetzt Lösungen, wie wir mit der gewaltigen Massenarbeitslosigkeit umgehen werden, die uns in der Zukunft bevorsteht. Die Politik muss jetzt die Lösungen finden, wie Gesellschaft ohne Arbeit aussehen soll. Der bisherige Gesellschaftsvertrag hat ausgedient. Und das nicht nur, weil die Bevölkerung immer älter wird, sondern auch, weil immer weniger Menschen in der Bevölkerung von ihrer Arbeit leben können. Mindestlohn ist eine gute Idee, aber auch die funktioniert nur so lange, es überhaupt Arbeitsplätze gibt. Unsere Arbeit wird aber zunehmend mehr von Maschinen übernommen. Es ist eine Frage, wie wir mit diesem Fakt umgehen, nicht, wie dieser Fakt genau aussehen wird. Es ist eine Frage, ob wir die Bevölkerung in überholte Gesellschaftsverträge pressen wollen, oder ob wir es uns wagen neue Gesellschaftsverträge anzugehen. Wenn die SPD jetzt Netzpolitik gestalten möchte, kommt sie 5 Jahre zu spät. Wir können nicht mehr alleine über Netzpolitik reden, wir müssen neue Gesellschaftsideen diskutieren, die den digitalen Wandel umfassend mitdenkt. Und es gibt da ja durchaus Ideen, wie das bedingungslose Grundeinkommen, das lange noch nicht ausdiskutiert ist, aber immerhin eine Idee ist, die vielleicht funktionieren könnte. Wenn die SPD sich nun also endlich mit dem digitalen Wandel beschäftigen möchte, muss sie das auf einer größeren Skala machen und sich selbst und ihre Grundwerte grundsätzlich hinterfragen. Die Labour-Bewegung neigt sich zum Ende. Die Sozialdemokratie als Arbeiterbewegung hat ausgedient. Wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag, keine neue Netzpolitik. Die haben wir schon.

Kommentare

von: Philip

Sehr guter Gedanke, den digitalen Wandel einmal nicht aus dem Blinkwinkel eines Netzwerk-Administrators zu betrachten. Ich denke, dass die digitale Welt durchaus eine neue Art von prekärer Arbeit schafft, das nennt man dann Crowdfunding oder Human Intelligence Tasks. Amazon lässt grüßen: www.mturk.com. Das Problem: bei der “selbstständigen” Heimarbeit am Computer gibt es keine Gewerkschaften und keinen Mindestlohn und schon gar keine internationalen Regeln. Die Konzerne schaffen – wie üblich – schneller Tatsachen, als die Politik da geistig mitkommt. Die Welt wird sich rasant verändern, da gebe ich Dir recht. Aber die Menschen werden nicht auf der Straße sitzen und jammern, sondern sie werden sich Ihren Hungerlohn im Internet zusammendaddeln. Das Problem wird nie mehr die Arbeitslosigkeit sein, sondern die Ausbeutung von Billiglöhnern und die Aushöhlung der sozialen Netze.

 
 

Ich weiß nicht weiter

Dies ist ein Depressions-Blogpost in Anlehnung an das Lied von hier an Blind der Helden. Mir geht es schlecht und ich weiß nicht weiter und weil ich nicht weiter weiß schreibe ich mal auf, wo ich nicht weiter weiß. Vielleicht wird es konfus. Meine Probleme sind multikausal und komplex. Meine Mutter müsste mehrfach erwähnt werde, die ich aber explizit nicht erwähne, um die Thematik etwas zu vereinfachen.

Mein Vater wurde Anfang letzten Jahres krank. Als absehbar wurde, dass es sich um einen längeren Krankheitsprozess handeln würde, habe ich mich aus der aktiven Politik zurückgezogen, um mehr daheim sein zu können und mich um ihn und den Landwirtschafts- und Ferienhof kümmern können. Bis Ende August war ich beim Elektrischen Reporter arbeiten. Den September wollte ich mir für Uniprüfungen und meinen Vater und den Hof frei nehmen. Die Krankheit wurde schlimmer und mein Leben konfuser, sodass ich seit Ende August keiner geregelten Arbeit mehr nachgehe. Bis Anfang November sprach ich mehrfach mit meiner Familie, dass ich mein Studium an der Fernuni auch aus Schollene (das ist das Dorf, wo ich aufgewachsen bin und wo unser Hof ist) fortführen kann und anbiete, mich fest um den Ferienhof zu kümmern, wenn wir klären, dass ich davon leben kann. Diese Klärung zog sich lange hin und irgendwann musst ich (mit viel Hilfe meines Therapeuten) erkennen, dass es eine schlechte Idee ist, mein bisherige Leben gänzlich aufzugeben für den Verlauf einer Krebskrankheit, deren Ende nicht absehbar ist.

Anfang November zog ich mich dann weitestgehend vom Hof in Schollene zurück, um mich wieder meinem Leben zu widmen. Dem Studium und einem Job, von dem ich leben kann. Ich fand keine passende Gelegenheit wieder beim Elektrischen Reporter einzusteigen, war mir aber auch nicht so sicher, ob ich das eigentlich will, oder ob ich nicht einen anderen Job suche. Dann gab es einen neuen Krankheitsschub bei meinem Vater, sodass ich 3 Tage am Stück mit im Krankenhaus verbrachte, bis klar war, dass er kein Morphium verträgt. Danach war ich auf der “Woche der Philosophie” in Hagen, dann in Bremen alte Bekannte treffen, zurück in Berlin und wieder in Bremen auf dem Bundesparteitag. Zurück in Berlin verbrachte ich die meiste Zeit mit krank im Bett liegen. Dann kam Weihnachten bei meiner Familie. Am vierten Tag des <a href”https://events.ccc.de/congress/2013/wiki/Main_Page”>30c3</a> kam die Nachricht, dass mein Vater daheim verstorben ist. Mein Cousin aus Dänemark nahm mich aus Hamburg mit nach Schollene. Silvester bin ich zurück nach Berlin gefahren um Zeit für mich und zum Realisieren zu haben. Am 10. Januar war die Beerdigung mit etwa 200 Gästen. Die Tage, die ich in Schollene war, haben wir über das aufzuteilenden Erbe gesprochen. Explizit über das Erbe habe ich länger mit @arte_povera und @rhotep gesprochen und eine für mich akzeptable Lösung gefunden. (Danke an dieser Stelle diesen beiden wunderbaren Menschen für die Unterstützung! Ihr habt mir sehr geholfen.)

Status quo: Depression. Ich kriege mein Leben nicht auf Reihe. Weder kümmere ich mich ordentlich um mein Studium, noch darum, einen neuen Job zu bekommen. Ich kümmere mich weder um Kindergeld und Halbwaisenrente noch räume ich mein Zimmer auf. Ich öffne keine Post mehr und habe Angst vor Rechnungen, die mein letztes Geld auffressen. Ich komme damit noch etwa 2 Monate hin. Irgendwann werde ich ein 3-Familien-Haus in Schollene erben, aber wann genau das sein wird, ist unklar. Von den Mieterlösen sollte ich mein Lebensstandard halten können, aber werde weder Rücklagen für das Haus bilden können, noch ist das die tatsächliche Lösung für meine derzeitige Lage. Und auf Dauer möchte ich mich eigentlich auch nicht um ein Haus in Schollene kümmern.

Mit dem Tod meines Vaters hat sich gefühlt meine Familie aufgelöst. Zwar beteuern alle, jetzt besonders zusammen zu halten und sich gegenseitig helfen zu wollen, aber mein Gefühl sagt mir, dass sich der Zusammenhalt meiner Familie auflöst. Ich weiß nicht, wo ich hingehöre und weiß nicht, wo ich hin möchte. Mir fehlt ein Rückzugsraum. Ich habe eine wunderbaren Mitbewohner, aber dieser Tage denke ich viel darüber nach, mir eine eigen Wohnung zu suchen, um besser allein sein zu können - auch wenn ich mir sicher bin, dass das alleine nicht die Lösung sein wird. GA ist mir seit Monaten eine unfassbare Stütze und hilft mit sehr. Ich weiß nicht, wie ich ihm dafür angemessen Danken kann. Ich weiß auch nicht, ob er mein Familienersatz sein möchte - und auch nicht, ob ich ihn als Familienersatz haben möchte. Häufig denke ich darüber nach, wieder zu reisen. Nach San Francisco, Marseille, Istanbul, Hongkong oder Goa. Ich denke darüber nach den Jakobsweg zu pilgern oder nach China in ein Shaolin-Kloster zu gehen. Ich denke darüber nach, meine Depression wegzustressen und mich als Ersatzhandlung wieder völlig der Politik zu zuwenden und auf Ämter und Mandate zu kandidieren. Ich will wieder Musik machen und Theater spielen. Außerdem will ich mein Studium beenden und wieder einen geregelteren Alltag mit Erwerbsarbeit nachgehen. Und ich will wieder mehr nerden und Software coden.

Aber all das kriege ich gerade nicht geregelt und priorisiert. Es fängt damit an, dass mir die Kraft fehlt, mich um mein Kindergeld und Halbwaisenrente zu kümmern. Ganz zu schweigen von der anstehenden Steuererklärung. Wenn ich eine eigene Wohnung haben will, muss ich mich auch darum kümmern. (Und dafür fehlen mir gerade die Gehaltsnachweise). Ich brauchen eine Impuls, der meiner Welt die Drehung zurück gibt, aber ich weiß nicht, wo ich nach dem Impuls suchen soll.

Und ohne Impuls mache ich gar nichts und bleibe Tage lang im Bett liegen. :-/

Schließen möchte ich den Blogpost mit einem anderen Lied von Wir sind Helden: Bring mich nach Hause

Nachtrag:

Ihr seid toll. Danke für die vielen lieben Menschen, die sich per Mail, DMs, Mentions und SMS gemeldet haben. Ihr gebt mir viel Kraft und sagt mir sehr deutlich, dass es auch in Ordnung ist, langsamer zu sein. Ich kommuniziere gerade wenig, merke aber, dass es mir hilft, einfach Zeit zu haben. Bitte setzt mich nicht unter Druck und taucht nicht einfach vor meiner Tür auf. Ich brauche meinen Rückzugsraum und werde wohl auch noch die nächsten Tage und Wochen Termine sehr kurzfristig absagen, weil mir einfach nicht danach ist. Ich bitte euch darum, mir das nicht übel zu nehmen.

Aber: ich glaube, ich komme voran - wenn auch nur sehr langsam. Gestern habe ich mich an meiner Uni zurückgemeldet und eine Prüfung abgesagt, heute schreibe ich einen Vortragsentwurf für die re:publica. Viel mehr als einen Task kriege ich gerade nicht hin, aber vielleicht musst ich das auch gar nicht. Ich nehme mir für morgen vor mein Zimmer aufzuräumen und zu putzen und will mich Samstag an die vielen Formular für die Halbwaisenrente setzen. Vielleicht kümmere ich mich dann Sonntag um mein Kindergeld und nächste Woche dann wieder inhaltlich um mein Studium. Vielleicht bleibe ich aber auch noch zwei Tage länger einfach im Bett und schiebe alles noch etwas auf. Aber ich habe (dank euch) das Gefühl, dass ich dabei nichts falsch mache, sondern mir nur gerade Zeit lasse.

P.S: Der Person, die vor meiner Wohnungstür stand: bitte habe Verständnis dafür, dass ich dich nicht rein ließ. So geht das nicht und ich habe arge Zweifel, dass du mir mit diesem Verhalten wirklich helfen kannst. Lass mir bitte meine Zeit!

Kommentare

von: Gero

Danke! (Hugs nehme ich in den allermeisten Fällen gerne. Sowohl virtuell, als auch im RL (falls wir uns irgendwann mal treffen))

von: Kathrin

Ich kenne dich ebenfalls nicht persönlich, möchte dir allerdings ein bisschen von meiner Erfahrung mitteilen.

Ich habe vor drei Jahren meinen besten Freunden plötzlich nach nur wenigen Tagen Krankenhausaufenthalt verloren. Das kam 2 Monate vor meinen Abiprüfungen, nach dem ersten Schock, habe ich mich schnell zusammengerissen und gelernt, weil ich wirklich nicht begriffen habe, was das nun eigentlich heisst. Gleichzeitig habe ich meinen Freund kennengelernt und er hat mich wirklich in einer komischen Zeit kennengelernt. Er hat mich durch diese Zeit gebracht und mir Halt gegeben. Meine Eltern und auch gemeinsame Freunde konnten mit dieser Situation weniger gut umgehen. Der Einbruch oder besser das Verstehen was passiert ist, kam dann aber erst nach den Abiprüfungen. Ich habe danach viel Zeit gebraucht zu begreifen, was mir mein Leben nun eigentlich wert ist. Wie ich damit eigentlich leben soll, dass da nun so ein Riesenloch ist, was niemand füllen kann und soll. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich wieder etwas wirklich geniessen konnte. Manchmal ist es jetzt noch so, dass ich mich an den besten Tagen, wo alles gut läuft sehr an ihn erinnere, weil ich das nun gerne mit ihm teilen würde. Ich kann nicht sagen ob ich das wirklich begriffen habe, ich denke schon, aber ich habe auf jeden Fall gelernt, das zu machen was ich will oder meine zu wollen, und nicht in einem Jahr sondern jetzt. Ich habe viel Zeit gebraucht und Ruhe, aber auch Menschen um mich herum, die mir wirklich wichtig sind und die mich so mögen wie ich bin. Es ist super wenn du einen guten Therapeuten hast, den Schritt habe ich bis jetzt noch nicht gemacht, und natürlich ersetzt ein MItbewohner keine Familie, aber für mich war es damals wichtig, wenigstens nicht allein zu sein, zumindest auch gefühlt jemanden in der Nähe zu haben. Jeden den ich neu kennenlerne und schätze erzähle ich nach ein paar Treffen von meinem besten Freund, und es nervt mich selbst irgendwo, aber es tut auch gut, weil er einfach ein klasse Mensch war. Vielleicht hat dir das ein bisschen geholfen, vielleicht auch nicht. Ich wünsche dir viel Kraft!

von: Gero

Danke dir! Ja, es hilft durchaus Geschichten von anderen Menschen zu hören, denen es ähnlich geht/ging.

Den Therapeuten habe ich seit gut einem Jahr und das, weil ich depressiv bin - völlig unabhängig von der Geschichte mit meinem Vater. Natürlich verstärkt der Tod die Depression, aber mit einer anhaltenden Depression habe ich seit Jahren zu tun, auch wenn ich noch nie in so einem krassen Loch war. (Und ich merke, wie es mir hilft, überhaupt darüber zu kommunizieren.)

Oh, und GA (@tollwutbezirk) ist nicht mein Mitbewohner, sondern mein Freund/Verhältnis/Beziehung. Also, vielleicht ergeht es mir da ein bisschen ähnlich wie dir. Nur geht es mir so, dass ich auch ihn nicht an mich heran lasse, obwohl ich ihn sehr gerne hab. Irgendwie verwahre ich mich auch ihm gegenüber immer wieder. Mein Mitbewohner ist @dedalusroot, ebenfalls ein sehr toller Mensch, aber der ersetzt meine Familie tatsächlich nicht - da hab ich mich doof ausgedrückt :-/

von: r.

Das klingt alles nach sehr viel Stress. Ich kenne dich nicht persönlich, aber schicke dir mal virtuelle Hugs (falls ok) und viel was-auch-immer-du-gerade-brauchst. Pass auf dich auf. <3

von: samy

du weißt jetzt, wo du mich finden kannst - wann immer - lieben Gruß

 
 

These: Staaten werden durch Plattformen abgelöst

Ich denke immer mal wieder über die Plattformneutralität, wie von mspro beschrieben, nach. Ich bin mir sehr unschlüssig, ob tatsächliche Neutralität der Plattform überhaupt möglich ist, aber zumindest das Konzept “Plattform” erscheint mir sehr schlüssig. Wir alle bewegen uns auf Plattformen. Server-Infrastruktur, die in den meisten fällen doch irgendwo gemietet ist (in meinem Fall bei den großartigen Ubernauten), Betriebssysteme, soziale Netzwerke (Twitter, Facebook, G+, tumblr oder soup.io?) - aber auch im RL gibt es überall Plattformen. Wer ein neues Regal braucht, baut das nur sehr selten selbst zusammen, sondern schnell führt der Weg zu IKEA. Wir haben zunehmend weniger eigenen Autos, sondern sind Kunden einer Mietwagenfirma. Und wenn wir erst Kunde sind, wechseln wir nur noch sehr selten. Nicht zu vergessen die Bahn oder die verschiedenen Fluglinien (die sich ja selbst auch schon Allianzen geschmiedet haben), die es gibt.

Das alles sind Plattformen für einen Dienst. Meine These ist, dass diese Dienste immer weiter miteinander interagieren und damit größere Plattformen bilden. Google übernahm erst die Suchmaschine, dann das Smartphone. Mit der Übernahme von YouTube, Nest oder Dynamics Boston zeigt sich, wie sehr die Plattform Google gerade wächst. Samsung ist eine andere Plattform, die einen Haushalt gut von Smartphone über den Kühlschrank bis zum Auto abdeckt.

Wenn Google nun mit der Bahn und Samsung mit Lufthansa Verträge schließt, wird es darauf hinaus laufen, dass Bahntickets an Google-Kunden günstiger verkauft werden und Samsung-Kunden in der Lufthansa billiger fliegen. Betriebseigene Kindergärten gibt es in großen Konzernen schon lange. Die Frage ist, wann diese Kindergärten auch auf Poweruser ausgeweitet werden. Wenn diese Entwicklung noch Krankenhäuser und Schulen erfasst, stellt sich die Frage, wofür Staaten eigentlich noch da sind. Löst der Kapitalismus damit den Nationalstaat ab? Werden wir statt eines Reisepasses in Zukunft mit Samsung- oder IKEA-ID durch die Welt reisen?

Kommentare

von: Philip

Einerseits: ja, ja, ja. Dadurch, dass Wirtschaftsunternehmen inzwischen erfolgreicher sind alsS taaten, wenn es darum geht, den Bürgern Geld aus der Tasche zu ziehen, werden diese internationalen “Plattformen” immer mehr Einfluss auf das Leben nehmen. Mehr, als das ein demokratischer Staat je getan hat. Man geht öfter zur IKEA als ins Wahllokal. Viele geben mehr für Unterhaltungsmedien aus als für Steuern (ok, das ist eine gewagte Theorie). Aber es gibt nicht nur demokratische Staaten, und die Marginalität von “Staatsgewalt” im heutigen Deutschland ist - geschichtlich gesehen - ein irrer Luxus. Hoffen wir dass sich der Staat nicht mit Gewalt zurückmeldet, weil dem Wahlvolk plötzlich Sicherheit vor Freiheit geht.

von: http://canada-goose-i-norge.pordy.net/

This iѕ a topic that is neɑr to my heart… Takе care! Exactly whereе are yoսr contact details though?

von: Gero

Hey du! Sry, dass ich erst jetzt antworte. Mein Leben funktioniert gerade nicht, wie ich es will und dann lasse ich viele Dinge (vorübergehend) unbeantwortet - siehe folgender Blogpost.

Aber zur Plattform-These:

Ich glaube nicht, dass der (National)Staat einfach verschwindet, sondern betrachte ihn eher auch als “einfache” Plattform. Ob ich einen deutschen, japanischen oder indischen Pass habe als Äquivalent zum Google-, Apple- oder Hotmailaccount.

Vielleicht bin ich etwas kulturwissenschaftsgeschädigt, aber ich glaube nicht, dass der Kapitalismus, sich aus Gesetzen ableitet, die in Staaten gemacht werden. Kapitalismus ist gänzlich andere Kategorie, die in völlig verschiedenen Staatsformen funktioniert (auch in wenig demokratischen Staaten, siehe China). Und Inkassounternehmen werden auch funktionieren, wenn es keinen Staat mehr gibt. Spätestens, wenn der Mailaccount gesperrt wird, weil die Rechnung nicht bezahlt ist, wird klar, dass das Einschreiten eines Staates eher die formale Herangehensweise ist.

Insbesondere supranationale Konstrukte, wie die EU oder auch der Commonwealth fassen die These der Plattform deutlich besser, als des Staates. Hier sind die Staaten nämlich selbst in einer Art “Überstaat”, die untereinander durch Verträgen handeln. Der Staat, wie es ihn heute gibt, leitet sich ja vor allem aus dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Nation, beginnend im 19. Jh. her. Und genau dieses Zusammengehörigkeitsgefühl verliert sich zunehmend und wird durch andere Zusammengehörigkeiten (wir sind auf Twitter, die da sind auf Facebook!) abgelöst. Formal werden Staaten natürlich weiter bestehen, aber die Form ändert sich stark von der Nation zur Plattform.

(Und im 19. Jh. war das Konzept Nation auch sehr fortschrittlich, vorher wurde die Welt ja im Wesentlichen von Monarchien regiert. Und erst mit der Geburt der Nation wurde der Staat, was er heute (noch) ist: eine Zusammenfassung von gleichwertigen Menschen auf einem bestimmten Gebiet.)

von: Maureen

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von: mark793

Wer nichts hat als einen Sprung in der Platte, dem erscheint die ganze Welt als Plattform. ;-)

Richtig ist, dass sich der Staat aus der sogenannten Daseinsvorsorge schon sehr weit zurückgezogen hat, und die Annahme, dass dieser Prozess noch nicht seinem Endpunkt erreicht hat, scheint mir auch nicht weit hergeholt. Aber daraus ein Verschwinden des (National-)Staates insgesamt abzuleiten, scheint mir sehr gewagt. Das riecht nach dem typischen Netz-Zentrismus, in den auch Michael Seemann gerne verfällt. Beim Verwalten, Gesetze machen und durchsetzen seiner Regelungen kann ich beim besten Willen keinen nachlassenden Eifer des Staates erkennen, im Gegenteil.

Dass einzelne administrative Teilbereiche an private Dienstleister outgesourct werden oder ein immer größerer Teil der Rechtssetzung auf europäischer Ebene stattfindet, setzt trotzdem weiterhin einen Staat voraus. Der wird bestimmt nicht von selbst verschwinden, nur weil wir Bürger vielleicht nicht mehr ganz so viel mit ihm zu tun haben wie in der Vergangenheit. Der Kapitalismus bedarf des Staates weiterhin zur Gewährleistung der optimalen Bedingungen seines Weiterfunktionierens, schon Marx hat das Stichwort vom Staat als dem “Exekutivkommitee des Kapitals” geprägt. Dass das das Kapital (oder weniger ideologisch ausgedrückt: der privatwirtschaftliche Sektor) zunehmend staatliche/hoheitliche Aufgabenbereiche übernimmt, steht dazu nicht grundsätzlich im Widerspruch.

Kurz gesagt, wenn Sie mehr nicht mehr (und bessere) Indizien als die Existenz von privaten Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern für ein Verschwinden des Staates anführen können, würde ich sagen, Ihre These schwebt ziemlich im luftleeren Raum.

 
 

Space

Mir fehlt ein Platz zum Sein. Ein Platz für Kunst, für Musik, für Theater, für Bücher und für Technik. Ein Platz zum Leben. Ich kenne einige Hackerspaces und ich werde nie so richtig warm mit ihnen. Die Ausrichtung eines Hackerspaces liegt mir zu sehr auf Technik und zu wenig auf Kultur.

In Essen wäre ich Stammgast im Unperfekthaus, aber in Berlin fehlt mir ein derartiger Platz. Deshalb überlege ich einen derartigen “Space” zu gründen. Und um zu gucken, ob es Mitstreiter*innen dafür gibt, schreibe ich diesen Blogpost und gucke mal, was ihr von der Idee haltet und wer vielleicht mitmachen möchte. Anregungen in die Kommentare, per Mail oder Twitter.

Ein Space für Bandproben, Theatergruppen, gemeinsames Kunstschaffen, Hacken oder einfach mal in der Ecke sitzen, Bücher lesen und ausprobieren. Was es braucht? Den Ort selbst und Leute, die sich mir anschließen wollen um diesem Space zu gründen und zu gestalten.

[Update 2014-02-27] Ich habe mal ein Doodle aufgemacht um Interessierte zusammen zu bringen. Tragt euch ein, wenn ihr mitmachen wollt! [/Update] [Update 2014-03-20] Wir treffen uns am 25.03.2014 um 20.00 Uhr im Prassnik. Alle Interessierten am Space/Salon sind herzlich eingeladen :) [/Update]]]>

Kommentare

von Tasmo

Ich kenne leider dieses Haus in Essen nicht, würde aber sehr gern Teil einer Kultur-Hack-Bewegung sein!

von Pjotr

Warum dafür nicht einfach ins nächste Atonome Zentrum (AZ) gehen?

von Gero

Hm. Ich bin nicht sooo in der autonomen Szene drinnen und so richtig wohl fühle ich mich da eher selten, wobei ich auch keinen richtigen Grund habe - eher ein Bauchgefühl. Vielleicht ist es mein doch recht spießiges Erwachsenwerden, vielleicht auch die mir zu hedonistische Auslegung von Autonomie. Vielleicht sind sie mir auch schlicht zu basisdemokratisch und konsensual - und bei den Piraten habe ich damit schlechte Erfahrungen gemacht. Allerdings ist das durchaus eine Option und ich halte die mal im Hinterkopf für das anstehende Treffen und gucke mal, was andere Menschen so zu dem Vorschlag sagen.

 
 

Der Kartoffelkreislauf auf dem Ponyhof

Ein Ponyhof macht viel Arbeit. Ponies wollen ihren Freilauf, also bringt man sie auf die Weide. Auf der Weide fressen die Ponies viel Gras. Aber weil Ponies nie genug haben können, wollen sie immer auf eine andere Weide. Dann muss man sie auf eine andere Weide bringen. Manchmal machen sie sich auch alleine auf den Weg und landen plötzlich im Kartoffelfeld. Dann muss man sie schnell wieder einfangen, denn Kartoffeln sind sehr giftig für Ponies.

Wenn die Ponies wieder eingefangen sind, müssen die kaputt gemachten Zäune repariert werden. Außerdem muss man Ponies regelmäßig misten. Den Mist bekommen dann die Kartoffeln, damit sie viele Nährstoffe daraus aufnehmen können. Kartoffeln sind wichtig. Man muss auf die Kartoffeln achtgeben. Mal wollen die bösen Kartoffelkäfer sie fressen und mal sind sie von Kartoffelfäule betroffen. Und wenn sie dann groß sind, werden sie geerntet. Geerntet wird nicht die giftige Frucht, sondern die im Boden liegenden Knollen. Die Knollen werden im Keller gelagert. Die Kartoffelknolle darf nur wenig Tageslicht abbekommen, damit sie nicht giftig wird. Meistens werden die Kartoffeln während eines langen Winters alle verzehrt. Und wenn der Winter vorbei ist und im Frühling wieder alles zu wachsen anfängt, gibt es schon bald wieder die nächsten Frühkartoffeln. Und später im Jahr gibt es dann die reguläre Kartoffelernte. So ist der Kartoffelkreislauf auf einem Ponyhof.

Ich danke @tollwutbezirk für das Lektorat.

 
 

Salzig wie die Träne - Analyse #btw13

Ohne Grundsätze ist der Mensch wie ein Schiff ohne Steuer und Kompaß, das von jedem Wind hin und her getrieben wird, aber gegen den Wind zu kreuzen bringt einen manchmal schneller zum Ziel als mit dem Wind zu segeln.

Aus den Ereignissen der letzten zwei Jahre können wir aber schlußfolgern, daß wohl kein Wind demjenigen günstig ist, der nicht weiß, wohin er segeln soll. Und wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist auch kein Wind der richtige. Andererseits fällt auf einem wankenden Schiff um, wer stillsteht und nicht wer sich bewegt.

Es ist nicht die Größe des Bootes, sondern die Bewegung des Ozeans. Das Meer ist salzig wie die Träne, die Träne ist salzig wie das Meer. Das Meer und die Träne sind sich durch die Einsamkeit verwandt. Wir haben die See zu lange gekannt, um an ihren Respekt für Anständigkeit zu glauben. Da rast die See und will ihr Opfer haben!

Worte sind zwar Luft - aber die Luft wird zum Wind, und der Wind macht die Schiffe Segeln. Wir müssen jedoch da vorsichtig sein, wo mehr Segel als Ballast vorhanden ist.

Wenn’s Schiff gut geht, will jeder Schiffsherr sein, aber auf einem Dampfer, der in die falsche Richtung fährt, kann man nicht sehr weit in die richtige Richtung gehen. Und letztendlich sitzen wir immer mit Pyrrhons Schwein im selben Boot, denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Komplikationen entstehen, dauern an und werden überwunden. Das sicherste Mittel gegen Seekrankheit ist natürlich, sich unter einen Apfelbaum legen.

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer! Wir dürfen das Schiff aber auch nicht an einen einzigen Anker und das Leben nicht an eine einzige Hoffnung binden. Doch welch ein Anker ist die Hoffnung!

Ein richtiger Steuermann fährt mit zerrissenem Segel, und wenn er die Takelage verloren hat, zwingt er dennoch den entmasteten Rumpf des Schiffes an den Kurs. Piraten sind Politiker des Meeres. Wind und Wellen sind immer auf der Seite des besseren Seefahrers. Auf, Matrosen, die Anker gelichtet, Segel gespannt, den Kompass gerichtet!

Wir danken: Lucius Annaeus Seneca St. Matthäus Evangelista Michel de Montaigne Friedrich Schiller Wilhelm Christoph Gerhard Horatio Nelson, 1st Viscount Nelson William Penn Joseph Conrad Karl Gutzkow Antoine de Saint-Exupéry Sully Prudhomme Ambrose Bierce Edward Gibbon Michael Ende Jack Sparrow

Danke dem Co-Autor: @tollwutbezirk

Kommentare

von: F0O0

Danke :)

 
 

Ich wähle Piraten und sage euch auch warum

Meine gesamten politischen Forderungen kann ich auf zwei Grundforderungen runterbrechen: soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Fortschritt. Beides kommt in der Piratenpartei zusammen, wie in keiner anderen Partei - und deshalb werde ich sie wählen.

Der Linkspartei nehme ich es (als einziger im Bundestag vertretenen Parteien) ab, wirklich für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen, habe aber häufig das Gefühl, dass sie den technologischen und gesellschaftlichen Wandel nicht weit genug verstanden hat und in ihre Ideen einbaut. Die Grünen haben wirklich gute Netzpolitiker und sind mir durchweg sympathisch. Ich finde die Energiewende ein wirklich wichtiges Thema und glaube auch, dass wir dort weiter dran arbeiten müssen. Meine Wahlausrichtung liegt aber noch weiter in der Zukunft. Ich glaube, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir die Energiewende vollzogen haben und uns vollständig mit Erneuerbarer Energie versorgen. Ich mache mir allerdings viele Sorgen darüber, wie wir es als Gesellschaft schaffen in das digitale Zeitalter mit möglichst wenig Kollateralschäden zu wechseln. Je früher wir diesen Wandel angehen werden, je weniger Kollateralschäden wird es geben. Und genau deshalb werde ich die Piraten wählen. Ich will, dass der Bundestag sich mit den Fragen der Zukunft beschäftigt und ich glaube, dass es für diese Fragen hilft, wenn eine neue gesellschaftliche Generation mit einer eigenen Fraktion im Bundestag vertreten ist. Und neben all den Fortschrittsproblemen vernachlässigen die Piraten auch die Frage der sozialen Gerechtigkeit nicht, sondern passen die Frage auf die heutige Zeit an und beantworten sie mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen.

Es stimmt, dass es in der Partei auch sehr viele Probleme gibt. Wir haben keine ständige Mitgliederversammlung (SMV) auf Bundesebene und es gibt noch immer Arschlöcher in der Partei. Ich sehe, dass an beiden Problemen mit Hochdruck gearbeitet wird. Ich gehe stark davon aus, dass wir die SMV auf dem nächsten Bundesparteitag in Bremen beschließen. Ein Vorbereitungstreffen zur SMV gibt’s Anfang Oktober in Heidelberg und zumindest für den Landesverband Berlin weiß ich, dass Parteiausschlussverfahren gegen die Arschlöcher der Partei angelaufen sind.

Zu guter Letzt hat die Piratenpartei durchaus einige wirklich gute Kandidaten wie Miriam Seyffarth oder Lena Rohrbach und ich traue denen auch zu die Ausfälle auf anderen Listen zu kompensieren.

Und ob es wirklich für den Einzug in den Bundestag reicht oder nicht, ist mir egal. Auch wenn wir mit 4,8% am Einzug gehindert werden, so ist das trotzdem ein deutliches Zeichen, dass sich die Politik dieses Landes mehr der Zukunft widmen muss.

In diesem Sinne: Geht am Sonntag wählen und wählt die Piraten!