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Sessionformat: frag mich alles

Am kommenden Wochenende bin ich auf dem Festival der neuen Visionäre. Dort gibt es das Sessionformat “Frag mich alles” - offensichtlich angelehnt an Reddits “Ask my anything”. Spannende Menschen hinstellen und sie ausfragen lassen, klingt großartig.

Ich glaube, dieses Format kann gut funktionieren, um Lebensrealität von herausragenden Menschen aufzuzeigen. Wie trinkt Barack Obama eigentlich seinen Kaffee? Wie gehen Tour-de-France-Fahrer auf die Toilette während des Rennens? Warum entschied sich Angela Merkel von der Forschung in die Politik zu wechseln? Und wie lautet eigentlich ihr Kartoffelsuppenrezept? Warum trägt Christian Ströbele immer diesen roten Schal? Hat er da eine Geschichte zu? Warum tun sich Parlamentarier*innen den stressigen Politiker*innen-Alltag an? Warum trägt Kübra Gümüsay ein Kopftuch? Und warum ist Gesine Schwan eigentlich Mitglied der SPD?

Ich finde diese Fragen spannend, denn sie alle geben ein wenig Auskunft über das Leben von herausragenden Persönlichkeiten - und sind Fragen, die am Rande eines Vortrages nicht gestellt werden. Es sind Fragen, die auch in Interviews selten gestellt werden. Es sind Fragen, die eine sehr menschliche Seite dieser Persönlichkeiten zeigt und manchmal durchaus spannende Anekdoten hervor bringen. Und es gibt Fragenden die Möglichkeit inspirierende Menschen in ihren Leben mal fragen, was sie schon immer fragen wollten.

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Was ich allerdings nicht für klug halte, ist einen Kurzvortrag vor den “Frag mich alles”-Sessions - denn damit ist die Richtung der Fragen weitgehend vorgegeben. Wenn eine Person über Robotik spricht, möchte ich sie nicht nach ihren Schuhen fragen. Und: alle Menschen, die mehr als eine Konferenz besucht haben, kennen das Problem der offenen Fragerunden am Ende einer Session: die Fragen verkommen sehr häufig zu wenig hilfreichen Koreferaten.

Auf dem “Festival der neuen Visionäre” gibt es einen kurzen Einführungsvortrag der Personen, bevor sie in die Frag-mich-Alles-Runde gehen. Ich fürchte, dass wird sehr langweilig werden, aber ich bin gespannt - und werde nach der Veranstaltung ein Update hier schreiben und berichten, wie dieses Sessionformat funktioniert hat.

[Update 04.09.2016]

Die zwei Fragesessions, bei denen ich war, waren tatsächlich eher langweilig - aber weit weniger schlimm als erwartet. Nach @kuebras Fragesession habe ich etwas mit ihr über das Format geredet. Sie hatte den spannenden Punkt, dass diese Fragesession die Ebene zwischen Vortragenden und Fragenden deutlich kleiner macht und sich eher auf Augenhöhe unterhalten wird. Dem muss ich zustimmen, es fühlte sich sehr nach Gespräch auf Augenhöhe an. Allerdings machte genau das auch, dass die Sessions etwas oberflächlich blieben und irgendwie keine gut zu debattierenden Thesen hervorbrachten.

[/Update]

 
 

Uni Rant

Universitäten nerven mich. Ich habe bisher an vier verschiedenen Universitäten - Uni Freiburg, HU Berlin, FU Berlin und Fernuni Hagen - in vier Studiengängen sechs verschiedene Fächer - Philosophie, Kognitionswissenschaften, Mathe, Informatik, Chemie und Kulturwissenschaften - studiert.

Ich bin gerade durch mein erstes Modul in der Fernuni durchgefallen - mit einer Hausarbeit. Dass ich durchgefallen bin, stört mich kaum, aber das wie stört mich sehr. Ich habe mir ein sehr großes und nahezu unerforschtes Thema für die Hausarbeit gesucht, habe eine durchaus experimentelle Hausarbeit geschrieben, in der ich mich verschiedener Theorien bediente, weil ich keine passende gefunden habe mit dem starken Verdacht, dass es keine passende gibt. Ich habe zu lange nach eben dieser Theorie gesucht und mir deutlich zu wenig Zeit für das eigentliche Schreiben gelassen. Die Hausarbeit ist zu kurz, allenfalls mäßig gut formuliert, beinhaltet noch Tippfehler und ich habe mich vom ausgehandelten Thema etwas entfernt, weil ich vor allem über die Grundlagen zum eigentlich abgemachten Thema schrieb. Für das abgemachte Thema musste ich mich auf irgendwelche Grundlagen beziehen, die es noch nicht gibt. Zudem fehlte mir die Zeit, mich noch tiefer in das Thema einzuarbeiten.

Dass eben dieses kritisiert werden würde, war mir klar und ist auch völlig okay. Was mich nervt, ist der Punkt, dass es in der Bewertung der Hausarbeit null darum geht, was ich erforscht habe. Denn ja, in der Tat habe ich ein Thema erforscht, dass es bisher als solches nicht gibt: der kulturelle Unterschied zwischen dem Dorf- und Stadtleben. (Dass es einen Unterschied gibt, ist recht offensichtlich, aber woran dieser nachgewiesen oder gar gemessen werden kann, dazu habe ich keinerlei Theorie gefunden.)

Nun ist es Ansichtssache, wofür die Uni genau da sein soll. Und offensichtlich habe ich eine andere Ansicht, als der Großteil der Mitarbeitenden aller Universitäten, an denen ich studierte.

Oft wird kritisiert, dass die Universitäten zu theoretisch und praxisfern sind. Das Erlernte helfe im späteren Job allenfalls minimal. Auf der anderen Seite wird auch oft kritisiert, dass Universitäten zu Masseneinrichtungen verkommen sind. Bachelor und Master wurden eingeführt, die Universitäten mit der Bolognareform verschult.

Ich glaube, ein Problem ist, dass Universitäten beides zugleich sein wollen: Masseneinrichtungen und Elfenbeinturm, Ausbildung und Wissenschaft. Beides schließt sich gegenseitig aus. Das ist das Dilemma der Universitäten. Es führt dazu, dass der Unialltag bürokratisiert wird. Es geht nicht darum, etwas erforscht zu haben, sondern darum, formale Anforderungen zu erfüllen. Akademische Texte sollen keinen Wissenszuwachs generieren, sondern Nachweise über erbrachte Arbeitsleistungen sein. Die Bewertung obliegt allein der Lehrperson. Neben der Bürokratie geht es folglich (zumindest in Teilen) darum, eine Arbeit zu produzieren, die dieser Lehrperson gefällt. Ein klassisches Schüler*-Lehrer*-Verhältnis. Ausbildung. Ich tue, wie es der*die Lehrer*in mir sagt.

Alles andere benötigt viel Zeit, die es in den Masseneinrichtungen nicht mehr gibt. Auf der anderen Seite halten die Universitäten ihre “Wissenschaft” hoch, ihren akademischen Habitus. Sie seien natürlich keine Massenausbildungen, sondern alle besonders renomierte Universitäten, die alleine das Wissen verwalten. Wer nicht dem akademischen Habitus folgt, kann auch keine Wissenschaft betreiben, kein Erkenntnisse hervorbringen. Ohne formal korrekte Zitationsweise, kann es keine Erkenntnisse geben.

Ich will nicht sagen, dass die Zitationsweise egal ist - ganz im Gegenteil. Ordentliches kenntlich machen, woher welche Erkenntnis stammt halte ich für sehr wichtig. Der akademische Habitus aber führt dazu, die Arbeiten von Ghostwritern in Auftrag geben zu lassen. Ich kann mir meine Arbeitsleistung erkaufen, von den Expert*innen, die genau so zitieren können, wie der*die Dozentin es haben will. Ein professionelles Lektorat für Hausarbeiten scheint inzwischen normal zu sein.

Lange fühlte ich mich an der Fernuniversität sehr wohl, weil mir dort dieser Habitus nicht begegnete, vermutlich durch den wenigen Kontakt zu Dozent*innen und Kommiliton*innen. Jetzt, wo ich nur noch Hausarbeiten und Bachelorarbeit vor mir habe, ist er wieder da und ich denke darüber nach auch das vierte Studium aus dem selben Grund abzubrechen.

Ich habe die letzten sechs Jahre, seit dem ich studiere wirklich viel gelernt. Vor allem, weil mich Dinge interessierten und ich diesen hinterher forschte; weil ich viel ausprobierte und mit vielen klugen Menschen viele kluge Gedanken austauschte. Das alles aber fast ausschließlich außerhalb der Uni. Die letzten sechs Jahre fühlte sich die Universität oft hinderlich an, bei dem Versuch tatsächlich etwas zu lernen oder zu erforschen.

Und jetzt werde ich weiter über Theorien des Improtheaters lesen, obwohl ich nicht weiß, ob ich die jemals in Creditpoints verwandeln kann.

 
 

Woran scheitert die offenen Gesellschaft?

Seit Monaten stelle ich mir die Frage, was eigentlich falsch läuft, in der europäischen Gesellschaft. Ich habe wirklich keine Ahnung und bin gänzlich ratlos, was da passiert. Ich verstehe nicht, wie eine so offene und freie Gesellschaft so abdriften kann; wie das Vertrauen in jegliche Institutionen so massiv verschwinden kann.

Eine gewisse Skepsis gegenüber dem Staat halte ich grundsätzlich für angebracht - immerhin hat der Staat das Gewaltmonopol und sollte immer kritisch betrachtet werden. Nun ist der gesamte Staatsapparat sehr differenziert.

Es gibt da den Föderalismus mit seinen vielen Regierungen und Parlamenten (und all seinen langwierigen Prozessen) um die Macht möglichst stark zu zertäuben. Es gibt die Europäische Union, quasi die Föderalismus auf europäischer Ebene - um die Freiheit und Offenheit europaweit zu garantieren. Es gibt die öffentlich-rechtlichen Medien, ein Konstrukt mit selbstständiger Finanzierung, um sicher zu stellen, dass keine Regierung ihre Agenda darüber verbreiten kann. Es gibt die Deutsche Welle, die tatsächlich ein Regierungssender ist, aber im Inland gar nicht aktiv gesendet wird. Es gibt private Medien, die so ziemlich alles berichten können, was sie wollen - solange sie sich an Gesetze halten. Es gibt ein gut funktionierendes Bildungssystem - und wird in Deutschland zum großen Teil vom Staat bezahlt, um die Einstiegshürden gering zu halten. Es gibt eine unabhängige Justiz vom Amtsgericht über Verfassungsgericht, dem Europäischen Gerichtshof bis hin zum internationalen Gerichtshof in Den Haag. Es gibt unzensiertes Internet und es ist ein leichtes Medien aus allen Ländern der Welt zu konsumieren (soweit die Sprachkenntnisse es erlauben). Es gibt einen beachtlichen Topf an Kulturförderung für (politische) Kunst, die einen enorm hohen Rechtsschutz bietet.

Mir fällt kein großes Freiheitsrecht ein, dass es in der europäischen Gesellschaft nicht gibt - und sobald etwas an einem Freiheitsrecht geändert werden sollen, kommen NGOs und schaffen eine große Debatte darüber.

Und TROTZDEM gibt es seit Jahren wachsende Verschwörungs-Montagsdemo-Pegida-Demos.

Ich kriege das nicht zusammen. Wie können Menschen in einer so krass offenen Gesellschaft auf derartig abstruse Gedanken hervorbringen? Ich verstehe nicht, was den Menschen fehlt. Ich. Verstehe. Es. Nicht.

Wie kann ein Mensch behaupten, dass *alle* Instanzen der offenen Gesellschaft gegen ihn agieren? Wie kann ein Mensch ernsthaft behaupten, Angela Merkel und die “Lügenpresse” arbeiten zusammen? Alle die Landesregierungen, Gerichte, Schulen und Hochschulen? All die Künstlerinnen und Künstler in Theatern, Ausstellungen? Museen? NGOs? (Wo immer ich mir die offene Gesellschaft betrachte, sehe ich Debatten und Streit. Wie kann behauptet werden, dass die alle zusammenarbeiten?)

Wie kann sich ein Mensch gleichzeitig gegen alle Institutionen der offenen Gesellschaft richten? Ich. Verstehe. Es. Nicht.

Dabei sei völlig unbenommen, dass es politische Differenzen gibt. Es gibt vieles an den einzelnen Institutionen zu kritisieren und zu verbessern. Es geht aber nicht um Politik. Wenn hunderte Gebäude in einem Jahr “politisch motiviert” angezündet werden, ist das keine Politik, sondern Terror. Wenn Büros aller politischen Parteien angegriffen werden, ist es kein Angriff auf eine Gruppe innerhalb der offenen Gesellschaft, sondern ein Frontalangriff auf die offene Gesellschaft als solches.

Warum haben diese Gruppen Zulauf? Woran scheitert die offene Gesellschaft?

 
 

Internetdepression

Es gibt seit einiger Zeit immer wieder Texte, die nahelegen, dass das Internet bzw. Social Media für Depressionen verantwortlich ist, bzw. diese befördert.

In der Generalität ist die Aussage falsch. Ich bin depressiv und mir hilft “das Internet” in depressiven Phasen oft.

Immer wieder habe ich Phasen, in denen ich keine Gefühle habe. Ich kann den Wind spüren oder Menschen weinen oder lachen sehen, aber irgendwie fehlt die Verbindung zwischen der Außenwelt und mir. Mein Arzt hat mir deshalb die Diagnose “Depression” gegeben. Die Krankenkasse zahlt meine Psychotherapie und mein Antidepressivum - ein Medikament, dass dafür sorgt, dass es mehr Botenstoffe in meiner Hirnflüssigkeit gibt. Es gibt die Theorie, dass ein Mangel an Botenstoffen die Depression ist. Seit ich das Antidepressivum nehme, geht es mir besser - aber dennoch habe ich immer wieder diese gefühllosen Phasen.

Ich erkenne ein Muster, nach dem bei mir diese Phasen häufiger auftreten - damit kann ich sie ein bisschen vorhersagen und gewissermaßen einplanen. Die Phasen treten bei mir häufig nach stressigen Phasen auf, oder wenn ich besonders gut und stark sein will oder muss. Es ist ein bisschen, wie die allgemeine Erkältung, die häufiger auftritt nach besonders stressigen Phasen. Bei mir ist es seltener die Erkältung und häufiger die depressive Phase.

Kati Krause schreibt, dass Social Media Gift für Depressive ist. Ich kann die Argumentation nachvollziehen. Wenn Social Media in Stress ausartet, wenn ich mich immer besonders gut darstelle, immer besser sein will, verursacht das auch bei mir depressive Phasen. Ich habe Social Media nie beruflich genutzt. Eine Zeit lang sehr politisch, aber schon sehr lange nutze ich die verschiedenen Kanäle auch um mit guten Freunden zu kommunizieren und sehr ehrlich zu berichten, wie es mir so geht. Das ehrliche Kommunizieren hat bei mir noch nie Stress ausgelöst, sondern eher Wohlbefinden durch positive Rückmeldungen. Ich habe allerdings bisher auch das Glück quasi keinerlei Hatespeech ertragen zu müssen.

Manchmal hilft es mir auch zu sehen, was meine Freunde so tolles machen oder welche Hundebabies sie teilen. Manchmal hilft mir auch ein langer Spaziergang oder eine Avocado. Ich habe angefangen zu lernen, wie ich mit der Depression umgehe.

Irgendwann fing ich an, die Depression als Krankheit zu bezeichnen und mich vor mir selbst zu rechtfertigen, gerade etwas nicht zu können, weil ich halt krank bin. Jemanden mit gebrochenem Bein erlaubt die Gesellschaft auch einen Tag im Bett zu verbringen, also möge sie dies auch mit depressiven Menschen tun. (Wobei sich nicht alle depressiven Menschen ins Bett zurückziehen in ihren depressiven Phasen.) Die Krankenmetapher habe ich allerdings wieder abgelegt. Ich habe gemerkt, dass es mir nicht gut tut, mir selbst zu sagen, dass ich “krank” bin - und damit anders bin als “gesunde” Menschen. Die Depression ist kein Mangel an mir, sie ist ein Teil von mir. So, wie meine Beine ein Teil von mir sind, oder der Fakt, dass ich schwul bin. Das bin ich und daran ist nichts falsch oder “krank”. Ich habe einen Umgang mit meiner großen Körpergröße gefunden und auch mit meiner Kurzsichtigkeit. Ich bin dabei einen Umgang mit meinen depressiven Phasen zu finden. Menschen sind unterschiedlich. Manche sind groß, manche sind klein, manche haben rote Haare und manche haben gar keine. Manche spielen gerne Volleyball und andere haben Katzen. Manche haben depressive Phasen und müssen auf sich aufpassen, dass es ihnen gut geht. So wie Volleyball spielende Meschen auf ihre Handgelenke aufpassen. Wenn die kaputt sind, können sie kein Volleyball mehr spielen.

Menschen sind nicht nur unterschiedlich, sondern sie verändern sich auch. Mal wollen sie lieber Brötchen zum Frühstück und mal lieber Müsli. Manche Menschen wollen ihr ganzes Leben lang Äpfel essen, andere wechseln irgendwann zu Bananen. Vielleicht verändere ich mich irgendwann und ich habe keine depressiven Phasen mehr. Vielleicht bleiben sie.

Findet heraus, was euch gut tut. Findet heraus, wer ihr sein wollt und akzeptiert, wer ihr seid. Probiert euch aus (im Rahmen eurer Möglichkeiten). Wenn euch das Internet schlecht tut, nutzt es weniger. Wenn euch Hundebabies glücklich machen, folgt allen Hundebaby-Tumblers. Oder habt selbst einen Hund. Wenn ihr alleine schlecht weiter kommt, sucht euch eine Psychotherapie oder geht zu eurem Arzt. Wenn das zu anstrengend ist, fragt Freunde, ob sie mit euch zum Arzt gehen und euch unterstützen. Wenn ihr telefonieren könnt, ruft die Nothilfe an. Es gibt Hilfe. Gebt euch nicht auf und verteufelt die Welt nicht. Verzweifelt nicht. Es wird besser werden. Der Glaube daran hilft. Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

 
 

Chaos Communitcation Congress

CCC’84 nach Orion’64: “Du Darfst, [d]amit Sie auch morgen noch kraftvoll zubyten können. Offene Netze – Jetzt!” -  “ich glaub’ es hackt!”

Offene Grenzen: Cocomed zuhauf. Per Anhalter durch die Netze. Es liegt was in der Luft, [t]en years after Orwell.

“Internet im Kinderzimmer – Big business is watching you?!, Pretty Good Piracy – verdaten und verkauft?!”, [d]er futurologische Congress. Leben nach der Internetdepression: Nichts ist wahr, Alles ist erlaubt.

All Rights Reversed. Explicit Lyrics.

Hacking Is Not A Crime! Out Of Order, Not A Number!

The Usual Suspects.

Private Investigations, “Who can you trust?”

Volldampf voraus, Nothing To Hide! Here Be Dragons, We come in peace. Behind enemy lines [is] Not My Department.

A New Dawn: Gated Communities.

 


Dieser Spaß am Endgerät mit allen Mottos aller bisheriger Congresse in genau ihrer Reihenfolge, möge mir verziehen werden. Die Zeichensetzungen habe ich teilweise angepasst.

 
 

Was bedeutet es noch einem Menschen zum Geburtstag zu gratulieren?

Immer wieder sehe ich Geburtstagsgrüße in meiner Timeline.

Schnell schließen sich an die Geburtstagsgrüße weitere Geburtstagsgrüße an. Aber was bedeutet ein “happy birthday” oder “alles Gute” noch? Eigentlich ließen sich diese kurzen Gratulationen doch auch völlig automatisieren. Es ist ja nett, dass ein Kalender, Facebook oder eine vorangegangene “Alles Gute!”-Nachricht dazu animiert 3 Sekunden für eine neue Nachricht zu investieren. Aber was sagt das noch aus? Wer freut sich wirklich über diese kurzen, quasi-automatischen Nachrichten? Gratuliert ihr auch so zum Geburtstag? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

Kommentare

von: sebalis

Übrigens, wann ist eigentlich dein Geburtstag? ;-)

von: sebalis

Meine Standard-Reaktion ist Nicht-Gratulieren. Aber es gibt Ausnahmen, denn wenn ich im Laufe der Monate öfters Nachrichten schicke, in denen so etwas steht wie „Hey, in deiner Überschrift ‚Was bedeutet es noch einem Menschen zum Geburtstag zu gratulieren?‘ fehlt ein Komma nach ‚noch‘ …“, dann sollte ich doch manchmal auch etwas Nettes schreiben. :-) Das suche ich mir dann aber von Fall zu Fall aus und schreibe es meistens nicht-öffentlich. Außer wenn das Medium einen nicht-öffentlichen Weg nicht so leicht zulässt oder dieser auf diesem Medium so „intim“ konnotiert ist, dass es nicht zu der Beziehung mit der Person passt.

von: tante

Ich gratuliere nicht mehr auf Facebook etc. weil ich den Eindruck habe, damit nur die Notifications Einzelner vollzuspamen.

Es ist ja irgendwie nett gemeint, aber macht dann doch eigentlich nur Arbeit (da auf FB zu mindest das soziale Protokoll sagt, man solle sowas zu mindest Liken).

Ich bin aber auch kein gutes Beispiel, da ich meine Geburtstage nicht feiere oder ihnen Bedeutung beimesse.

 
 

Am Zweifeln zweifeln

Ich habe immer wieder depressive Phasen von einigen Stunden bis mehreren Tagen. Aber diese Phasen haben sich verändert. Und meine Gedanken haben sich verändert. Erfahrungsgemäß hilft es mir über meine Krankheit zu berichten:

 

Vor 2,5 Jahren habe ich die Diagnose “Depression” bekommen und bin in Behandlung bei einem Verhaltenstherapeuten gegangen. Damals waren es vor allem immer wieder Verzweiflungsanfälle, die Welt nicht aushalten können. Das Gefühl des Zerreißens. Vielleicht auch einiges an Weltschmerz. Wie kann die Welt nur so schlecht sein? Und wie kann ich in dieser schlechten Welt überleben? In der Phase gab es häufig den Wunsch der Flucht. Irgendwohin gehen, ganz weit weg und nie wieder kommen. Alles hinter sich lassen. Vielleicht ist die Welt irgendwo anders weniger schlecht.

Vor 1,5 Jahren ist mein Vater gestorben. Und schon im Vorfeld haben sich die teils Tage andauernden Phasen etwas verändert. Es wurde weniger Schmerz und mehr Ohnmacht. Oft ein Gefühl der Paralyse. Antriebslos, motivationslos verbrachte ich Tage im Bett. Es gab keine Fluchtgedanken mehr. Die Welt war nicht mehr schlecht, sie war mir egal. Noch immer fühlte ich mich in diesen Phasen sehr verzweifelt und war mir sehr unsicher, ob die Phasen jemals weg gehen.

Vor einem halben Jahr begann ich Citalopram, ein Anitdepressivum, zu nehmen. Vor ein paar Monaten habe ich von der Verhaltenstherapie in die tiefenpsychologisch fundierte Therapie gewechselt. Ich fühle mich besser. Noch immer habe ich depressive Phasen, aber sie treten seltener auf und fühlen sich weniger schlimm an. Vielleicht habe ich mich einfach daran gewöhnt, dass ich immer mal wieder ein paar Tage nicht die Kraft aufbringe, das Bett zu verlassen. Die äußeren Umstände haben sich etwas verändert, sodass ich nun alleine wohne und ich mit meinem Erbe keine finanziellen Existenzängste mehr habe. Geld zu haben ist ein krasses Privileg. Und es beruhigt sehr. Vielleicht ist es aber auch die Erkenntnis, dass es die schlechte Welt nur in meiner Welt gibt. Die schlechte Welt ist ein Konstrukt meiner Gedanken und Grübelschleifen. Die depressiven Phasen fühlen sich analytischer an. Ich mache mir mehr analytische Gedanken darüber, warum es mir so ergeht. Wie ich dazu komme diese schlechte Welt zu konstruieren. (Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie bearbeitet den Grund für meine depressiven Phasen - im Gegensatz zur Verhaltenstherapie, die eher Werkzeuge an die Hand geben soll, um sich selbst vor schlechten Phasen zu schützen.)

Ich habe schon immer viel nachgedacht und gezweifelt. Seit einiger Zeit nenne ich mich im Internet “Zweifeln” und seither übe ich mich bewusster im Zweifeln. Ich versuche nichts mehr als gegeben anzunehmen, sondern alles Gegebene in die Einzelteile zu zerlegen und mir die jeweiligen Gründe anzugucken, warum etwas wie ist und auf unhintergehbare Weisheiten zurückzuführen, bzw in ihre Denkkonstrukte einzuordnen und auf logische Fehlschlüsse zu überprüfen. So versuche ich auch mein Handeln immer wieder zu hinterfragen und reagiere mitunter sehr sensibel auf Kritik und denke oft noch Wochen über die Kritik nach. Dies macht das eigene Leben eher nicht einfacher.

Einerseits führt das Zweifeln zu einem ständigen Wissensdrang. Dauernd will ich Kausalketten noch weiter zurück gehen, wofür ich mich in neue Themen einlese, die wiederum Gründe haben, in die ich mich einlesen will … Andererseits generiert das Wissen in mir immer wieder auch ein Verlangen danach zu handeln und Dinge besser zu machen. Ein ständiger Drang nach Verbesserung, nach einer besseren Ethik, nach besseren Lösungen für die Welt.

In den depressiven Phasen interessiert mich das alles nicht mehr. Dann will ich das alles nicht mehr wissen. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte mich mit all den Dingen nie beschäftigt. Vielleicht wäre es besser, ich hätte nie angefangen mich mit Philosophie zu beschäftigen.

Eine Freundin sagte mir neulich “wer zweifeln kann, muss etwas haben, woran er glaubt, sonst hätte er nichts zu bezweifeln”. Mein Glaube war bisher der, dass Zweifeln (und mehr Wissen) die Welt besser macht. Vielleicht ist das aber falsch. Vielleicht ist all mein Glauben in die “Kraft” des Zweifeln ein Teil des Problems und kein Teil der Lösung. Aber wenn Zweifeln das Problem ist, was ist dann die Lösung?

Vielleicht ist das alles sehr weit hergeholt und all mein Zweifeln hat mit der Depression nichts zu tun. Der Gedanke kam mir erst am Wochenende und ich werde erst in zwei Wochen mit meine Therapeuten darüber sprechen können, aber es fühlt sich nach einem wunden Punkt an.

 

Vielen Dank an Lara für das Lektorat.

 
 

#varoufake

Chronologisch. Vermutungen sind kursiv.

  1. Die deutsche Berichterstattung über Yanis Varoufakis ist seit der Wahl am 25.01. konfrontativ.

  2. Noch im Januar entsteht der Plan Varoufakis einen Finger anzumontieren.

  3. Am 07.02. veröffentlicht der YouTube-Kanal SkriptaTV ein Video mit Yanis Varoufakis. Der Produktion des falschen Fingers ist in vollem Gange. Das Video ist Beiwerk, um das nachvollgende Video in einen Kontext zu setzen. Es wirkt vertrauenswürdiger, wenn der Channel nicht nur ein Video zu Varoufakis hat, sondern schon vorher eins zu ihm publiziert hat.

  4. Am 12.02. ist die Produktion fertig, das Video geht online - einschließlich des Mittelfingers ab 40:29.

  5. Böhmermann produziert V for Varoufakis - am Ende kommt der Mittelfinger vor. Damit sorgt Böhmermann selbst für eine größere Bekanntheit der (gefälschten) Szene.

  6. Die Jauch-Sendung kündigt an, Varoufakis zu Gast zu haben. Fernseh-Journalist*innen kennen sich häufig. Subtil(?) wird das Finger-Video an die Redaktion der Jauch-Sendung herangetragen, um sicher zu gehen, dass es gezeigt wird.

  7. Die Jauch-Sendung.

  8. Martin Beros erwähnt gegenüber The Guardian und ab 1:25 Jan Böhmermann - nimmt ihn aber zugleich auch in Schutz. Es sei okay, einen Spaß zu machen, aber die Art und Weise wie Varoufakis geframed werde, sei nicht okay.

  9. Yanis Varoufakis twittert selbst das Video von SkriptaTV. Er (oder sein Team) hat das Video selbst nur überflogen - der gesamte Kontext wirkt echt - und ist dem Fake selbst aufgesessen.

  10. Die Veröffentlichung von #Varoufake. - der Medienhack zweiter Ordnung. Im Comedy-Style erklärt und veröffentlicht Jan Böhmermann und das Neo Magazin Royale den Medienhack erster Ordnung - und streuen subtil die Vermutung, sie hätten den Fake nur gefaked. Ganz im Sinne des “Erkläre niemals deinen Witz” haben sie einfach einen zweiten Witz aus dem Footage gemacht.

 

Den Fake halte ich für echt. Die Zeit war zu kurz, um den Fake zu faken. In drei Tagen entsteht kein derartiger Medienhack zweiter Ordnung. Konzeption, Casting, Dreh, Schnitt und Postproduktion brauchen mehr als 3 Tage Zeit. In zwei Wochen geht das sehr gut, aber nicht in 3 Tagen.

Die Videos könnten alle wahr sein. Frame-by-Frame sind die einzelnen Bilder zu undeutlich, um zu sagen, welche Version die gefilmte und welche die bearbeitete ist.

Was bleibt ist ein sehr beeindruckender Medienhack und sehr viel zerstörtes Vertrauen in Politik und Medien. In Zeiten, in denen von “Lügenpresse” geredet wird, ist es fatal mit Budget und Produktionsfirmen gegen Kollegen zu produzieren. Der Hack belastet die Deutsch-Griechischen Beziehungen. Es war ein lustiger Witz mit sehr beachtlichem Ausmaß und wenig Feingefühl für eh schon brenzlige Themen.

[Update 10:52]

2014 wurde vom Neo Magazin auch eine TV-Total-Folge gehackt. - Das macht den jetzigen Hack noch wahrscheinlicher.

Yanis Varoufakis nimmt es mit Humor und Jan Böhmermann genießt den Ruhm.

[Update 13:57]

Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. Die Indizien mehren sich, dass das Varoufake doch gefaked ist. Ich bin sehr beeindruckt von der Produktionsqualität des Neon Magazins und Jan Böhmermann. Es scheint doch in 3 Tagen entstanden zu sein und es gab viele Umstände, die den Fake sehr echt haben wirken lassen. Gut finde ich es trotzdem nicht.

[/Update]

 
 

Depression - #NotJustSad

[Triggerwarnung: Depression und Suizid] [Disclaimer: Ich bin kein Psychologe, sondern betroffen.]

Mir war bis zum Hashtag #NotJustSad nicht klar, wie systematisch die Depression ist. Bisher hielt ich Depression für ein sehr persönliches Problem, aber das ist es nicht. Es hilft, sich nicht nur sagen lassen, nicht alleine zu sein, sondern zu sehen, wie andere Menschen exakt die gleichen Muster ausformulieren und ich mich darin wieder finde. Danke.

Vor Einsamkeit ersticken aber keine Menschen ertragen. #NotJustSad — Rapunzel. (@meerisch) November 10, 2014

Es gibt verschiedene Wege mit einer Depression umzugehen.
Eine sehr tragische ist der Suizid - der “schnelle” Exit aus der Depression.
Ein anderer ist die Psychotherapie, die deutlich länger dauert und zumindest bei mir immer wieder große Schmerzen verursacht, aber Schmerzen sind gut, denn es ist immerhin überhaupt ein Gefühl.

I rarely feel sad. I often feel empty. #NotJustSad — Gero Nagel (@zweifeln) November 11, 2014

Depression ist die Abwesenheit von Gefühl. Für mich ist sie stumpfe, graue Leere. Mit Schmerz lässt sich umgehen, mit Leere nicht. Das ist, was die Depression so schwer macht.

Es gibt wenige Dinge, die in einer akuten Depression wirklich helfen. Versuche mich aufzumuntern oder mich irgendwo hinzunehmen waren fast immer kontraproduktiv. Was mir hilft, ist nicht allein zu sein. Wissen, dass irgendwer da ist, ohne auch nur irgendwas zu tun. Und wenn es mein Mitbewohner ist, der ab und zu anklopft und fragt, ob er was tun kann. Das beste, was er tun kann, ist nachfragen und mir verdeutlichen, dass er für mich da sein will, auch wenn ich ihn gerade ablehne. Drängt eine depressive Person zu nichts, aber seid anwesend, so lange sie euch nicht explizit wegschickt.

Gut visualisiert sind Depressionen auf Hyperbole and a Half. Außerdem ist “Loving Someone with Depression” ein sehr guter Artikel zum Umgang mit depressiven Menschen.

Auf dem Barcamp des Scheiterns wurde mir deutlich, wie wichtig es ist, richtig zu scheitern. Es ist okay, wenn das Bett mehrere Tage nicht verlassen werden kann. Strenge und Druck machen die Depression nur schlimmer. Seid nachsichtig mit euch selbst und lasst das Scheitern und den Schmerz zu. Ich glaube, das hilft akute Depressionen zu vermeiden.

Bild: CC-BY-NC-ND 4.0 robot-hugs.com

 
 

Der Tag wird kommen.

“Du weiß nicht, wie das ist, wenn man immer eine Maske trägt.”

Ich bin schwul und es sollte keiner Rolle spielen. Inzwischen lebe ich in Berlin und es spielt fast keine Rolle mehr. Aber ich bin auf dem Land aufgewachsen, da wo es doch eine Rolle spielt. Da, wo du für deine Sexualität manchmal eben gehasst, gemobbt, geschlagen, getreten, erniedrigt und bedroht wirst. Da wo es vorkommt, dass Kindheitsfreunde sich von dir abwenden, weil sie von deiner Sexualität erfahren. Da, wo du niemanden erzählen kannst, dass du am Versuch gescheitert bist, dir das Leben zu nehmen, weil auch das nur weiteren Hass herbeiführen würde.

In dieser Welt versuchte ich lange unentdeckt und möglichst “hetero” zu bleiben. Es ist das Leben, in dem ich mich vor mir selbst ekelte, weil ich nicht mal zu mir selbst ehrlich sein konnte. Es ist das Leben, in dem du dir einredest, es wäre nur eine “Phase” und würde vorbei gehen. Es ist das Leben, in dem du dich versteckst und verkriechst und dich allein bei dem Gedanken an deine Sexualität schlecht fühlst. Es ist ein Leben in versuchter Anonymität.

Immer wieder dient dieses Leben als Beispiel, warum Anonymität so wichtig ist. Und doch ist es falsch. Es gibt viele gute Gründe für die Anonymität. Dass sich Menschen vor sich selbst ekeln, weil sie nicht sein können, wer sie doch sind, ist es nicht. Erklärt Homosexuellen nicht, dass sie sich verstecken sollen. Erklärt ihnen, dass sie stolz sein sollen, weil sie überlebt haben. Erklärt ihnen, dass sie Vorbilder sind und manchmal auch als Helden angesehen werden, weil sie es geschafft haben eine Welt zu erschaffen, in der sie offen leben können.

Viele trauen sich nicht sich zu outen und es ist wichtig sie nicht zu zwingen. Aber damit Homosexualität normal wird, darf die Gesellschaft die Homosexualität nicht verstecken. Die eigene Sexualität ist nichts, was versteckt gehört. Sie ist ein Teil von euch, versteckt euch nicht dafür.

Pro Homo.